KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

Tochter geben. Nach langwierigem Hin und Her bewilligt der Bürgermeister die Ehe stillschweigend. Odilo geht mit den Seinen in den Kirchhol und kommt mit dem Dudel­sack wieder zurück. Niemand will aber den Dudelsack zu sich nehmen ; auch der Türmer nicht. Inzwischen kommt auch Ella mit Wipo zum Kirchhof. Sie bittet Odilo, den Dudelsack auf den Altar der Kirche zu legen, von wo ihn sicherlich kein Rachegeist wegtragen kann. Da reisst aber plötzlich Wipo den Dudelsack an sich. Odilo will ihn ge­rade mit einer Axt niederwerfen, da schlägt die Turmuhr zwölf. Alle weichen entsetzt zurück und der Alte erscheint im Kirchhofstor. Er humpelt zu Wipo und nimmt ihm den Dudelsack freundlich lächelnd aus der Hand. Die Toten versammeln sich und ziehen mit ihm in die Stadt. Im Zuge sind auch die toten Jungfrauen der Stadt sichtbar. Wipo wird des Verrates beschuldigt, weil er den Du­delsack dem Tod zurückgegeben hat ; er soll verbannt werden. Kommt er aber zurück, so wird er gehängt. III. Aufzug. Das Volk fordert, dass der Bürgermei­ster die Hand seiner Tochter dem Maler gebe ; der alte Sackpfeifer wird nur dann Ruhe geben. Alle versammeln sich im Rathause vor dem Bürgermeister. Dieser willigt nur dann ein, wenn man ihn vom Zorn Odilos beschützen wird. In diesem Augenblick erscheint Odilo und führt Wipo gebunden hervor. Das Volk befreit Wipo, Odilo wird überwältigt und weggeführt. Der Bürgermeister bewilligt die Ehe. — Die Uhr schlägt wieder Mitternacht. Der alte Sackpfeifer führt die toten Jungfrauen wieder lebend zu­rück. Er hat sie nur darum weggeführt, damit der Vater aus Furcht die Ehe Ellas und Wipos bewilligt. Alle freuen sich des Wiedersehens und der Alte fordert den Maler auf, aus Dankbarkeit Totentänze zu malen. Alle gehen mit grosser Lebensfreude in den Tanzsaal. Der alte Sack­pfeifer sieht ihnen traurig nach. „Die freu'n sich nun, als hätten sie was Rechtes. 0 Kindertorheit menschlichen Geschlechtes 1 Ist denn kein Weiser hier, der mich so ganz verstünde?" Doch gab es einen, der es verstand, dass der Tod besser sei, als das Leben, es war der alte Schreiber des Bürgermeisters, Gottfried. Er blieb bisher unbemerkt an seinem Tischlein still sitzen. Als ihn der Tod bemerkt, blickt er wie bittend auf ihn empor. Er möchte schon gern mitgejien. Der Tod humpelt leise zu ihm und fährt mit seiner Hand leicht über ihn hin. Da erlischt die Kerze des Schreibers. Dieser fühlt einen leisen Schauder, sein Kopf sinkt langsam auf seine über dem Tisch gekreuzten Arme und er stirbt. Der Alte hinkt hinaus. Sein Lied tönt noch von unten hinauf und mischt sich in den Hochzeitsgesang. Dieses Werk ist als Drama wertlos ; trotz­dem musste der Inhalt näher betrachtet wer­den, da hier germanische Totenmotive last sinn­los mit Everyman-Motiven vermengt erscheinen. Am Anfang wird der Tod als ein alter Mann dargestellt. Er ist der Everyman-Tod, der die Lebenden nach sich locken kann. Am Ende des Stückes spielt er auch die Rolle des Eve­ryman-Todes. Das Sterben eines Menschen kün­det er durch das Auslöschen einer Kerze an, wie in dem bekannten Grimm-Märchen. Noch im ersten Akt tritt aber auch dieser Tod an die Stelle des teuflischen Geigers der Volkssage vom „Tanze in den Tod". Seine Lie­der haben dieselbe Wirkung, wie jene des Teufels ; man kann im Tanzen nicht innehal­ten. Diese Todesgestalt hinkt auch, wie der Teu­fel selbst, der — nach dem Mythos — seit dem Fall vom Himmel ebenfalls hinkt. Am Ende des ersten Aktes stirbt der alte Sackpfeifer. Dies ist eine Wendung, die bischer nicht vorgekommen ist. Der Tod ist hier ein mächtiger Geist, er spielt sogar die Rolle eines Zauberers, da er das Leben den Jungfrauen, die er durch sein nächtliches Pfeifenspiel in den Tod lockte, auch zurückgeben kann. Er selber aber benützt irgendeinen Körper eines gestor­benen Menschen, damit er den Lebenden sicht­bar werden kann. Er kann aber diesen Körper wieder verlassen. Der Grundgedanke des Dramas ist, dass der Tod (die Vergänglichkeit) im Dienste der Mensch­heit steht. Der Tod nimmt sich der Sache zweier Liebenden an ; ihnen helfend ist er der Anfüh­rer des nächtlichen Tanzes und tötet 40 Jung­frauen einer Stadt ; er lässt sie nur dann wie­der ins Leben zurück, wenn die Ehe Wipos und Ellas bewilligt wird. Ein schöner Wider­spruch ist es, dass der Tod, die Verwesung selbst, durch seine Gewalttätigkeit eine Ehe ermög­licht, den Keim eines neuen Lebens. Das ist eigentlich die Tragödie des Todes : den Trüm­mern entspriesst neues Leben Endlich ist es sehr bemerkenswert, dass der Tod hier die Rolle des Sackpfeifers einer Volkssage spielt, die schon Goethe, Heine und auch Arany bearbeiteten. Hier ist er der An­führer der nächtlich tanzenden Toten. Diese Dichtungsart ist das Gegenteil jener, welche beim ungarischen Vörösmarty erscheint. In Ungarn war die Vorstellung von der Every­man-Todes-Gestalt so stark, dass man — als die germanischen Totensagen in die ungarische Literatur aufgenommen wurden, — auch in dem Toten der Sage den alten Skelett-Tod erkennen wollte. Die Everyman-Todesgestalt nahm die Rolle des Toten auf. Im Darma von Morold ist es aber sehr bemerkenswert, dass „der Tod" nie als solcher genannt wird, sondern nur als ein „alter Sack­pfeifer". Dass diese Gestalt diejenige eines Toten sei, dies ist aus der Szene des zweiten Aufzuges ersichtlich, in welcher der „Sackpfeifer-Tod" mit den Toten aus dem Grabe steigt. Der Sack­pfeifer ist also mit der Gestalt eines Toten der Sage vom nächtlichen Kirchhofstanz identisch, die sich am Anfang und am Ende des Stückes als „der Everyman-Tod" zu erkennen gibt ; am Anfang stellt dieser sich als die Verwesung selbst dem Frühling gegenüber und am Ende tötet er mit demselben Zeichen der ausgelöschten Kerze den Schreiber, wie dies auch der Tod des Grimm­Märchens tut. In Deutschland war die Vorstellung der Totensage so stark, das man in Everyman­Todestänzen einfach einen Toten der Sage auf­treten Hess und ihm auch die Taten der Eve­ryman-Todesgestalt zuschrieb. Der „germanische Tod" entstand also ent­weder aus der Everyman-Todesgestalt (der Tod tritt als ein Toter auf), oder er ist von der To­tensage ausgehend charakterisiert worden (der Tote spielt die Rolle des Todes). jm zweiten Band meiner GTT wurde es ausführlich gezeigt, dass gewisse Elemente der mittelalterlichen Todes- und Toten-Tänze u. a. auch aus altgermanischen Sagen und Volks­bräuchen abgeleitet werden können. Dichter und Künstler aber verwenden diese Elemente erst seit dem XVI. Jahrhundert selbstbewusster. Um dies zu beweisen, habe ich manches aus dem Material des II. Bandes hier wiederholt.

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