KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

5. Die „Todes-Kinder", die „Söhne des Todes" als böse Geister der Sage 1 Die bösen Geister treten schon am Anfang des Holbein-Totentanzes auf, um die Welt zu vernichten. Diese Geister sind die Diener des Todes. Der Sage von den Toten des wütenden Heeres entsprechend ist ihre Gestalt ein Skelett. Dabei erscheint z. B. in der Szene des Papstes ausser dem Tod, der den Papst tötet, noch eine Skelettgestalt als Kardinal verkleidet. Diese zweite Skelettgestalt ist also nach volkstümlicher Ausle­gung entweder ein Toter, also ein böser Geist, der dem Tod hilft, oder ein „Alterego" des Todes. Die­se zwei Begriffe vereinigt der Begriff der „Todes­Söhne" (ung. „Halálfiak"). Diese sind die Kinder des Todes, sie spielen die Rolle der Schutzengel und sind die Begleiter der Menschen durchs Le­ben. Ein jeder Mensch hat also „einen Tod" . Auf der Welt sind also soviel „Tode", wieviel Men­schen. Diese Todesgestalten wirken schon im Leben. In jeder menschlichen Tat wirkt auch die Hand dieser „Tode" mit, wie in der Szene „Adam bawgt die erden" der Tod mit Adam gemeinsam den Baum fällt (Holbein). Obwohl also der Holbein-Totentanz für diese eigenartige Todesauffassung mehrere An­haltspunkte bietet, müssen wir die „vielen To­de" mit dem Namen „Halálfiak", „Todes-Söh­ne", „Todesgesellen" nennen, da ihnen ein ungarischer Dichter, M. Vörösmarty in seinem unbeendefen Werke, „Délsziget", 2 zuerst diesen Namen gab. „Délsziget" ist die paradiesische Insel des Lebens. Der ideale und heldenhafte Jüngling „Hadadúr" entdeckt auf der Suche nach dem schönen Mädchen „Szüdeli" die „Höh­le" des Todes. „Életemésztő sírnak fenekén, rossz ebédnél lelte Halálfit", Melly őt, fusson bár, valahára eléri bizonnyal". „Hadadur" fand den „Halálfi", den „Todes-Sohn", das „Todes­Kind" in einem tiefen Grabe, bei einem kar­gen Mittagessen. Diesem „Todes-Kind" könnte Hadadúr nicht entgehen, denn er holt ihn ein, wenn er noch so läuft. „Halálfi" ist ein Toter, denn er lebt in einem Grabe und seine Speise ist die Verwesung. Aber er ist auch ein böser Geist und wohnt, wie die Geister des wüten­den Heeres, in einer Höhle. Alle, die übrigen „Tode", die Mörder der Völker, flogen blitz­schnell nach allen Richtungen der Windrose, nach grosse, ferne Länder und Hessen „Diesen einen Tod allein zurück, damit er der „Tod" des Hadadür sei": „Mind a többi Halál, országos népek ölői, Száguldozva kimentenek a nagy, messze [világra S ezt hagyták egyedül, hogy az egynek [lenne halála". Nach dieser Auffassung existieren ausser dem „einen Tod " noch „mehrere Tode", die „Ha­1 Tab. B. II. b. 2. „Gesellen des Todes". 2 1826; Remekírók. Bd. 23. II. 235-9. lálfiak", die „Todesgesellen", welche massen­haft in einer Berghöhle wohnen, und wie die Geister des „wütenden Heeres" in die Welt hinausfliegen, um die Menschheit zu töten. Die Höhle der Insel bei Vörösmarty ist also die Höhle des „Wodensberges", in dem Wotan, der „wilde Jäger" mit seinem Gefolge wohnt. Wie ist es möglich, dass Vörösmarty diese To­tengeister der Totensage mit dem „Tod" ver­wechselt ? Seine Auffassung wurzelt in den schon erwähnten, ungarischen Verhältnissen auf dem Gebiete der Totentanzentwicklung. Obwohl ein­zelne Volkslieder auch die Totensagen varriie­ren, stand in der allgemeinen ungarischen To­desauffassung der Begriff der Everyman-Todes­gestalt im Vordergrund. Die Toten der Toten­sage werden zu Todesgestalten. Die Eigen­schaften der Everyman-Todesgestalt werden bei Vörösmarty auf den Toten der Sage übertragen, ausser der Eigenschaft der universellen Gültig­keit. Der „Halálfi", der Tote in der Rolle des Todes, ist nicht „der Tod" aller Menschen, son­dern nur „ein Tod" eines Menschen. Diese To­ten-Todesgestalt behielt die Eigenschaft des to­ten Bräutigams der Totensage, der deswegen auf die Erde kommt, damit er nur einen Men­schen in den Tod lockt. Der Tote der Toten­sage steht zu dem Lebenden, den er davon­trägt, in einem besonderen Verhältnis : Braut­Bräutigam. Der „Halálfi" tötet nur einen Men­schen, für den er von Gott oder von seinem „Vater", vom „König Tod" bestimmt wurde. Also auch er steht zu dem einen Lebenden, den er davontragen muss, in einer ganz be­sonderen Beziehung. » „Der Tod" des Hadadúr ist aber auch ein Toter : „Szája kajánságától vala halványkékre beszegve, És csak alig takará sorait gyér barna fogának". Seine halbverwesten, dunkelblauen, scheelen Lippen bedecken nur dürftig seine spärlichen Zähne. Seine Gestalt ist also eine halbverweste Leiche, mit den Charakterzügen der Everyman-Todesgestalt versehen. Der fahle „Halálfi" sitzt im dunklen Nest seiner „Mutter", des Todes, stumm und taub. Stumm, damit er niemandem sein Ende voraussagen kann, taub, damit er die Kinder des Jammers nicht weinen hört und die Grossen und Edlen ebenso uner­bittlich vernichten kann : ..Ült pedig anyja setét fészkén a sárga Halálfi Némán és siketen. Némán, hogy meg ne beszélje Senkinek is végét, siketen, hogy sírni ne hallja A nyavalyák fiait s ha dicsőt kell rontani, meg ne Lágyuljon . . ." Das stimmt auffällig mit der Beschreibung der Everyman-Todesgestalt überein, welche Henricus Kornmannus in seinem Werke „De pictura et effigie mortis" 3 mit Beziehung auf die „pallida mors" gibt : „pingitur . . . (mors) Sine oculis qvia non respicit ullius dignitatem . . . Sine auribus pingitur, qvia nullae preces, nullae supplicationes 3 Opera curiosa. Pars VII. Cap. LXXVII.

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