KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

unaufhaltsam auf und ab bewegt. Im Halbkreis ' stürmt die Totenschar auf und ab. wie ein Mühlrad. Das Motiv der aus dem Wasser stei­genden Toten erinnert an das 31. Gedicht von Bechstein. Eirf wichtiger Umstand, dass die Toten nicht nur deswegen ihren Selbstmord wiederholen, weil sie sich unterhalten wollen. Sie erzählen dem Jüngling kurz ihre Lebens­geschichte. Die Toten, welche sich von der Brücke ins Wasser stürzen, sagen einen klei­nen Spruch, in dem sie ihr ganzes Leben zu­sammenfassen und die Ursache ihres Todes andeuten. Erst nach diesem Spruch werfen sie sich in den Strom, wie etwa die Personen des Londoner Marktes ins Weitengrab bei Madách. Und jene Geister, die noch unten im Wasser umherschwimmen,applaudieren, wenn sich einer ihrer Kameraden hinabstürzt. Auch in dem be­sprochenen Heine-Gedicht applaudieren und lachen die Geister, wenn einer der Toten sei­ne Lebensgeschichte erzählt hat : „Da lachten die Geister . . ." Besonders kunstvoll sind bei Arany die kurzen Monologe des Brautpaars, des Millionärs, des Kartenspielers, des Studen­ten, des Greises, der Dame des Feldherrn, der Napoleon besiegt hat und der hier namenlos ebenfalls erscheint, des Schusterlehrlings, des enttäuschten und verlassenen Verliebten und des Duellierenden. Die Erscheinung des wüten­den Heeres dient zur Darstellung eines inneren, seelischen Vorganges. Der Jüngling wird nicht nur durch den blossen Gedanken an seinen grossen Geldverlust, sondern durch der reissen­den Kettenreigen der Geister in den Selbstmord getrieben. Die Geister aber erscheinen nur in seiner krankhaften Einbildung. Der innere Kampf des Jünglings kommt äusserlich im Tanz der sich in das Wasser stürzenden Toten zum Aus­druck. Der Jüngling fühlt, dass dieser wind­schnelle Tanz ihn hinablockt und mitreisst. Diesen Zauberkreis kann kein Mensch brechen. Als es ein Uhr schlägt, verschwinden die To­ten und auch der Platz, wo der Jüngling stand, ist leer. Die Toten nahmen den Lebenden in ihr Wellengrab mit. Auch das ist ein Motiv des „wütenden Heeres ", dessen Geister den Leben­den, der sie stört, mit sich in den Tod locken. Der „Zauberkreis" der toten Selbstmörder hat bei Arany eine psychologische Grundlage. Die geheimnisvolle Anziehungskraft des Wassers wird in der Weltliteratur vielmals besungen, (vgl. das Lied am Anfang von Wilhelm Teil). Auch in den späteren Totentänzen finden sich Szenen aus den Totensagen. Im Roman von Berde Má­ria erscheint die tote Ginevra in der Vision des Mister Foorte. Im Drama von Ernst Toller tan­zen nachts die toten Soldaten am Schlachtfeld. Der Totentanz der Kapelle des alten Fried­hofs zu Freiburg i. Br. ist ein wichtiger Beweis dafür, dass der „germanische Tod" in seiner Entwicklung auch Übergangsstufen gehabt hat. Schon im mittelalterlichen Toten-Tanz (z. B. Pa­ris) haben die Toten der Toten-Visionen-Legende Eigenschaften des Everyman-Todes aufgenom­men, sie blieben aber noch „die Toten". Eine derartige Zwischenstufe ist auch im Freiburger Totentanz zu erkennen. Der Tote ist hier aus­drücklich als ein Toter dargestellt, der die Rolle des Todes der Nachbarbilder spielt. In dieser Zwischenstufe wurde später der Tote durch die Toten der germanischen Sage ersetzt und da­durch entstand der „germanische Tod" . Erst im „germanischen Tod" finden wir diese Entwick­lungsrichtung, dass aus dem Toten der Sage der Tod entstand, vollständig durchgeführt. Auf der äusseren Wand der Säulengale­rie des Einganges der Kapelle, ober den zwei Pfeilern, sind zwei Totenskelette dargestellt, die aber nur dekorativen Zwecken dienen. Auf der inneren Seite über den Säulen wird links der Tod auf einem Grabmal sitzend mit Pfeilen und einem Spiess in der Hand dargestellt (Text : „Ex unico halitu" . . — 1 —). In der Mitte schweben zwei Engel je ein Horn blasend und ein Schriftband haltend, mit der Aufschrift : „Statutum est homi­nibus semel mori". Aus den zwei Hörnern kom­men die Worte : orate (rechts) und vigilate (links). Unter den Engeln : „Erneuert im Auf­trage der Stadtgemeinde Freiburg. 1893." Rechts das Todesskelett mit Sense und Sanduhr : „Nec momentum super est." Über der Tür der Ka­pelle wurde das „Jüngste Gericht" dargestellt samt den zwei Stiftern, einem Mann und einer Frau, die das Bild verfertigen Hessen : „Sey uns /doch gnädig in dem/ Gricht : /vnd nit /nach maas der sünden/ Rieht 1" Der Mann hält eine Tafel : „den anbau ich /besorgen hab/ Zum dank die Hilf /hoff in dem Grab/ den 6 ,e n July 1757. A. Z. M." Rechts vom Bild des Gerichtes beginnt die Toten­tanzreihe, welche die Personen und Opüer des Todes nicht nur nach Ständen, sondern auch nach den Altern unter­scheidet : 1. Der Tod geigt einem Kinde, das in der Wiege liegt, ein schönes Lied vor. Er sitzt in einem Zimmer, durch dessen offene Fenster der Turm des Freiburger Münsters sichtbar ist. „Hier schlafft das kindt dort ewig wacht weil ihm der Todt ein Music macht". 2. Der Knabe sitzt beim Tisch und schreibt das ABC mit dem Spitz des Pfeiles, den ihm der Tod reicht : „Das ABC kaumb schreibt der knab Rüefft ihn der Todt schon in das grab". 3. Ein junges Mädchen bewundert die Rosen Sie sitzt beim offenen Fenster und wird vom Tod überrascht, der sie bei ihrem Zopf an sich reisst : „Beim haar jier Todt ergreift den köpf. Zu dieser wüéth taugt ihm der Zopf". Links vom Bilde des Gerichtes : 1. Der Jüngling ficht mit dem Tod: „Zue fechten Zue spihlen die Jugendt ist gewohnt Dem alter, der Jugendt der Todt nit verschont". 2. Ein Mädchen sitzt am Toilettentisch und beschaut sich im Spiegel. Der Tod steht hinter ihr und streut Asche auf ihr Haupt : „Mit aschen Zierth der Todt das Haubt. Die besser als der puder taugt."

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