KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

3. Ein Mann trägt ein Kreuz, auf dem die Aufschrift „Ehe-Stand" lesbar ist. Der mit einem Pfeile bewaffnete Tod nimmt ihm das Kreuz weg „Der Todt allein das Kreutz abnimbt Das ihm der Eheman selbst bestimbt." Unter diesen drei Bildern wird in der Fensteröffnung ein Altar der Kirche dargestellt. Ein Mann kommt gerade vom Beichtstuhl und der Ministrant läutet zur Messe : „Gott lieben und empfangen / wird güeten Todt erlangen." Auf dieses Bild weist das andere in der entsprechenden Fensteröffnung auf der rechten Seite. Hier wird der Ge­schäftsraum einer Apotheke dargestellt : „Es hülfft zue letzt kein medicin Wilst ein artzney ? geh dorten hin". Der Apotheker zeigt mit seiner Hand auf das bevor be­schriebene Bild. Auf der rechten Wandfläche : 1. Mit der Ehefrau liebkost der Tod, er streichelt ihr das Kinn und legt einen Totenschädel auf ihre Achsel : „Der eigne köpf macht lauter Zanck Dem Todt darumb vor disen danck." 2. Der Tod ist der Kutscher eines Zweigespannes, in dem ein Edelmann, sich gemütlich und träumerisch zu­rücklehnend, sitzt. Im Hintergrund ist eine Burg auf einem Berg sichtbar. (Der Freiburger Schlossberg ?): „Zu fahren Zu reuthen der Todt ist bereuth Damit er den adel erhalte zur beuth." 3. Dem Bettler gibt der Tod ein Stück Brot : „Dem betler in der Hungers not Der Todt ihm ist das liebste brodt." Rechte Seitenwand : 1. Der Reiche vor dem Geldtisch sitzend. Hinter ihm der Tod : „Du narr was hülfft die gelt begier Heunt kombt der Todt, was nimbst mit dir." 2. Der Geistliche hat eben die Totenmesse beendigt und der Tod (eigentlich der Tote, für den der Geistliche die Messe gelesen hat) hilft ihm das Gewand auszuziehen und ist im Begriffe, ihn wegzuführen. „Die schwarze Mess lis ich vor dich Die hielf darvor hof ich vor mich." Hier ist also der Tote als der Tod gedacht, obwohl sein Charakter ausdrücklich jener eines Toten ist. Auch im Text wird der Tod nicht als solcher genannt, sondern er heisst hier der „Todt", d. h. der Tote (s. Todtentanz). 3. Der Bauer verzehrt sein Brot am Feld. Der Tod steht ihm gegenüber mit einer Schaufel : „Beim pflueg der baur das brodt gewint Beim pflueg den baur der Todt auch nimbt". Dieses Totentanzwerk leitet uns zu jenen Gedichten hinüber, in denen der Tod als der Tote einer Totensage auftritt. 4. Der Tod als der Tote der Totensage 2 An die Stelle des Toten der Totensage tritt der Tod und spielt die Rolle des Toten. Diese Veränderung des Totenmotivs ist schon im Holbein-Totentanz bemerkbar. Auch in den Bechstein-Gedichten tritt der Tod als ein Toter auf. Der Titel des 16. Ge­dichtes lautet : ..Der Graf". Der Graf hat einst bei einem Baum seinen Bruder ermordet. Ge­legentlich geht der Graf wieder an jenem Baum vorüber. Der furchtbare „Wanderer", der Tod, 1 Vgl. Taf. XXIX. Fig. 1. 2 Tab. B. II. b. 1. ß. steigt in der Gestalt des Ermordeten aus dem Grabe und überfällt den Grafen, den er nach einem langen Zweikampf besiegt und tötet. Dies ist eine germanische Totensage. Der ermordete Gegner, Verwandte, Bruder kommt aus seinem Grabe, um ,sich am Mörder zu rächen (vgl. die Ballade „Éjféli párbaj", „Nächtlicher Zwei­kampf" von Joh. Arany). Auf dem Bilde „Das Altweyb" des Holbein-Totentanzes wird das Weib vom Tod in den Kirchhof geleitet. Vor dem Weibe tanzt ein musizierender Toter, der das Weib mit Musik ins Grab lockt. Bechstein hat in seinem 25. Gedicht : „Die Greisin" das Bild in eine Totensage umgewandelt. Der „Spiel­mann", welcher die Alte mit einem Glocken­spiel ins Grab lockt, ist der tote Gatte des Wei­bes, der gekommen ist, um seine Frau abzu­holen. Eine absolut reine Dichtungsart vertritt dies­bezüglich das ungarische Gedicht von M. Vö­rösmarty : „Az özvegy". 3 Ein lustiger Hausball wird im Hause einer reichen Witwe veranstaltet. „És a Halál Nem nyugszik a sír fenekén, Oly hangos a nász-zengemény. Halál !" 4 „Wer steigt aus dem Grabe ?" fragt ein Gast, der den in seiner Ruhe gestörten Tod erblickt hat. Als er aber die schlechte Laune des Todes bemerkt, macht er den Versuch, den Tod auf­zuheitern. Er fordert ihn auf, seine Trauer zu vergessen und am Hochzeitsfeste der reichen Witwe teilzunehmen. Ein anderer Gast reicht dem Tod einen Becher zum Trunk. Ihn kann aber weder Wein, noch Lied, kein reichgedeckter Tisch, keine Freundschaft trösten. Er steht stumm und kalt und nur sein Knochengesicht verrät, dass in seinem Inneren die mächtigsten Leiden­schaften miteinander kämpfen. Endlich wünscht er Ruhe und erzählt den verstummten Hoch­zeitsgästen eine sonderbare Märe. Es war ein­mal ein glückliches Ehepaar. Die Frau war schön und der Mann treu. Eines Tages reiste der Gatte in ein fernes Land ab und seine Frau hat ihn untreu betrügt. Die geheimen Sünden seiner Frau hat der Gatte erfahren und betrat eiligst den Rückweg. Unterwegs wurde er von einem Meuchelmörder ermordet und die junge Witwe entkam ihrer gerechten Strafe. Nach dem Ablauf des Trauerjahres heiratete sie den Mör­der. Anfangs lebte sie auch mit dem zweiten Mann glücklich. Aber die Eifersucht vernichtete das Glück. Der Mann verbrachte seine Tage in Kneipen und unter Lustdirnen, bis seine eigene Gattin, als eine Lustdirne verkleidet, ihn vergif­tet hat. Hieraufwendet sich „der Tod" zur Wit­we und sagt : „Mérged nem volt elég erős; Itt áll a gyilkos, itt a hős 1 s 3 1837; Remekírók: Bd. 22. I. „Die Witwe". 4 „Und der Tod / Kann in der Tiefe des Grabes nicht ruhen, / So laut ist die Ballmusik. / Tod 1"

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