KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

Gräbern. Die Geister erzählen einander ihre Lebensgeschichten. Alle sind durch die Liebe vernichtet worden und jetzt werden sie von ihren tolen Kameraden ausgelacht : „Da lach­ten die Geister im lustigen Chor . . ." Als der Dichter von seiner Herrin Haus kommend an einem Friedhof vorüberging, belauschte er die Gespenster. Dies ist eine Fiktion, die wir schon bei H. Sachs gefunden haben. Sechs Tote er­zählen die Geschichte ihres Liebestodes. Der erste war ein Schneiderlehrling und die Tochter des Schneiders stach ihm ins Herz „Mit Nadel und mit Scheer". Der dritte beging aus Liebes­kummer Selbstmord. Den Studenten interessier­ten die Vorlesungen des Herrn Proffessors nicht, er verliebte sich in seine Tochter. Als diese einen anderen geheiratet hat, nahm er Gift, usw. Zum Schluss erzählt der Spielmann seine eigene Liebesgeschichte. Sein Herz ist gebrochen und seine Lieder sind verstummt. Die Turmuhr schlägt eins und die Toten huschen in ihre Gräber. Das Gedicht ist ein „Totentanz der Liebe". Jeder Tote erzählt kurz seine Lebens­geschichte und nimmt erst dann am Tanz der Geister Teil : „Und die bleiche Schaar im Kreise schwebt". Vielleicht darf dieses Gedicht mit dem Schluss der Londoner Szene der „Tragödie des Menschen" von Madách verglichen werden, welche viel tragischer und kunstvoller ist. Ebenfalls eine Variante der Sage vom to­ten Bräutigam ist das Gedicht mit dem Anfang : „Die Jungfrau schlaft in der Kammer . . ." von Heine. Titel : Heimkehr. 1 Das Mädchen erwacht aus dem leichten Schlummer und hört eine wun­derbare Musik. Sie eilt zum Fenster und sieht, dass auf der Strasse ein Skelett singt und die Geige spielt. Das Gerippe macht dem Mädchen den Vorwurf, dass es trotz ihres Versprechens mit ihm noch nie getanzt hat. Er ladet das Mädchen auf den Kirchhofsball ein. Eine dä­monische Kraft lockt das Mädchen auf die Strasse. Das klappernde, tanzende, wankende Gerippe geht voran. Seine Knochen phospho­reszieren im grellen Mondlicht. Die IX. Romanze im Buch der Lieder 2 ist ebenfalls eine Bearbeitug der Sage vom Toten Bräutigam. Donna Clara wird in Toledo die Gattin des Don Fernando. Am Vorabend der Hochzeit erscheint ihr gewesener Bräutigam, Don Ramiro, unter dem Fenster. Donna Clara ladet ihren einstigen Geliebten zum Hochzeits­fest ein. Am nächsten Tag, mittags, erschien Ramiros dunkle Gestalt. Seine Hände waren eisig, sein Gesicht fahl und sein Körper ver­breitete einen Leichengeruch. Er umarmt Donna Clara und führt sie zum Tanz. Sie tanzen sehr lange. Donna Clara ersucht ihren Partner, ein wenig ausruhen zu dürfen. Aber der Tanz des gewesenen und verlassenen Bräutigams wird immer teuflischer. Endlich stösst ihn Clara mit einem entsetzlichen Schrei von sich. Ramiro 1 1823-1824. XXII. Buch der Lieder. 1837. S. 194. 2 Junge Leiden, c. 1816—1821 : Ausg. 1837. S. 60. verschwindet. Clara sitzt blass auf ihrem Platz. Die Erscheinung Ramiros war nur eine Vision. Nachmittag wird der Donna Clara gemeldet, dass Don Ramiro in derselben Stunde starb. Das 31 Gedicht des Bechstein-Totentanzes (1831) ist eine Darstellung der germanischen Sage vom „wütenden Heer" und kann als ein Vorbote der Ballade von Arany : „Hídavatás" (Brückenweihe) betrachtet werden. Auf den Trümmern eines vernichteten Schiffes fährt der Tod über das unendliche Meer : „Wie so der stille Schiffer (der Tod) ein­[sam fährt, Durchs Meer, durchs ungeheure, weite [Meer, Da wars, als zog' ein schauerlicher Klang, Halb Wellenrauschen, halb ein murmeln­[der Gesang, Weit übers Meer, erschütternd, fürchterlich, Der Schiffer sass im Kahn und sang ein [Lied für sich." Der Refrain des Gesanges ist : „Ozean! Ozean!". Der mächtige „Wanderer" beschwört alle Toten, welche in den Tiefen des Meeres liegen, aus dem Wasser zu steigen und ihm zu huldigen. Tausende von Totengeistern erheben sich aus den donnernden Wogen und ziehen blitzschnell an ihrem Gebieter vorüber. Der Tod, ein ger­manischer Quälgeist, ist hier der König aller Toten. „Und schwellender die hohen Wasserberge Vorüberrollten Särge über Särge, Und brausend brach aus Wolken der Or­[kan Und schäumend schwoll die Flut, und auf­gebracht ; Und Leichen trieben an das Boot heran, Und Meergespenster tauchen aus der [Nacht." Die Ballade „Hídavatás", „Brückenweihe " von Johann Arany 3 lässt die Toten des germa­nischen wütenden Heeres auf einem geogra­phisch betsimmten Ort in der Vision eines Jüng­lings erscheinen, der im Kartenspiel sein gan­zes Geld verloren hat Er eilt nach Hause. Sein Weg führt über die neu eingeweihte Margare­thenbrücke in Budapest. Die Türme der Stadt schlagen dumpf und geheimnisvoll zwölf Uhr mitternachts. Der verzweifelte Jüngling lehnt sich an das Geländer der Brücke und schaut betrübt in den langsam fliessenden Strom hin­ab. Plötzlich steigen aus dem Wasser Schatten­gestalten, die Geister der Verstorbenen, die in der Donau ertrunken sind, die sich vom Leben befreien wollten und in den Slorm stürzten. Sie kommen auf die Brücke, um wieder ins Was­ser zu springen. Nicht einzeln, in Gruppen lau­fen sie blitzschnell auf die Brücke Die aus dem Wasser Steigenden und die ins Wasser Springenden bilden einen Zauberkreis, der sich 3 22. August 1877 : Remekírók. Bd. 42. II. S. 213­216.

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