KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
IV. Der germanische Toten-Tanz
Tod nahe. Der Urtypus dieser Sage vom „wilden Jäger" ist eigentlich die Sage vom Britenkönig Herla, der einen auf einem Bocke reilenden Zwerg besucht hat, dessen feuerfarbenes Gesicht, roter Bart, scharlachroter Mantel und dessen Bocksfüsse sehr an den Teufel erinnern. Der Zwerg hat dem König vorausgesagt, dass der Frankenkönig noch an demselben Tag für die Hand der Tochter des Königs anhalten wird und Hess sich vom Britenkönig zur Hochzeit einladen. Er erschien auch auf der Hochzeit blitzschnell und nach der Hochzeit verschwand er unbemerkt. Er lud aber den König auf ein Jahr an demselben Tag zu sich ein — ebenfalls auf eine Hochzeit. — Als das Jahr abgelaufen ist, erschien der Zwerg an demselben Tag. Er führte Herla, seine Frau und sein Gefolge in einen hohlen Berg. Herla wandelte hier mit den Seinen lange durch dunkle Gänge. Sie gelangten in einen grossen Saal, wo es taghell war, obwohl keine Lampe brannte. Das Hochzeitsfest begann, nur die Braut des Zwergkönigs war nicht zu sehen. Nach dem Hochzeitsfest wurde Herla reich mit Perlen, Hunden und Falken beschenkt. Bis zum Eingang des dunklen Ganges begleitete sie der Zwerg, dann gab er ihnen einen Schweisshund mit der Bemerkung, keiner möge früher vom Pferde steigen, bevor der Schweisshund, den man jetzt auf ein Pferd setzte, nicht abgesprungen ist. — Herla kam an das Tageslicht und fand seine Frau nicht mehr. Der Zwerg hat sie für sich zurückbehalten und Herla war eigentlich auf der Hochzeit seiner eigenen Frau mit dem Zwerg. Aber Herla hatte noch Hoffnung und fragte einen alten Hirten, ob er seine Frau, die Frau des Britenkönigs Herla nicht gesehen habe. Der alte Hirt antwortete : Ich verstehe deine Rede, Herr, nicht recht, da ich ein Sachse bin und du ein Brite. Auch ich habe von einer Königin bloss gehört, sie sei vor alten Zeiten eines Königs Herla Gemahlin gewesen, der mit einem Zwerg in diesem Felsen verschwunden und seitdem nie wieder auf Erden gesehen worden ist. Seit zweihundert Jahren herrschen die Sachsen in diesem Lande, nachdem sie die alten Bewohner vertrieben. Dem König graute es ; er glaubte ja, nur drei Tage im Felsen verbacht zu haben. Einige Gefährten sprangen vom Pferde und da der Schweisshund nicht auf der Erde war, zerfielen sie sofort in Staub. Herla verbot das Absteigen, der Schweisshund ist aber bis heute noch nicht vom Pferde gesprungen und deswegen irrt Herla und sein Gefolge in der Luft herum. Es ist jenes-Nachtvolk", dessen Führer der „Herla-King", d. h. Erlkönig ist. 1 In der berühmten Ballade Goethes ist „Erlkönig" der Tod selber, der germanische Tod, der die Seele des Kindes in seinen Reigen lockt. 1 Harlequin, Arlechino ; und auch „König Karl"; Nach Walter Mapes, zur Zeit Heinrichs II. 1154 — 1189 in England; Nugae Curialium. Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Philos.-hist. Klasse. Bd. X. Jahrg. 1853. Heft 7, vgl, GTT. Bd. I, 1. Teil, Kap. I—II. Herla, Hackelblock, „der wilde Jäger" , der „heische Jäger" haben teuflischen Charakter. Das Pferd des wilden Jägers ist ebenfalls teuflisch und geisterhaft, wie das Pferd Sleipnir. Dieses Pferd hat die Eigenschaften eines Dämons oder Teufels. Es streift zügellos durch die Felder und auf der Landstrasse und hinkt, dass jeder glauben sollte, das Pferd sei krank. In Penzlin setzt sich ein Jüngling auf dieses Pferd. Kaum will er es aber zwingen, schneller zu laufen, hebt sich das teuflische Pferd hoch in die Luft und sagt, was der tote Bräutigan seiner Braut gesagt hat : „Der Mond, der scheint so hell, die Toten reiten so schnell ; mein Liebchen, graut dir auch ?" Der Jüngling kann sich nur durch Herabspringen retten. 2 Dieses schwarze Pferd ist mit jenem „Totenpferd" identisch, das in Dänemark vor dem Bau einer Kirche oder eines Kirchhofes nach heidnischer Sitte lebendig begraben wurde, dessen Gespenst das „Totenpferd" heisst und das jede Nacht auf drei Beinen nach jenem Hause hinkt, in welchem jemand sterben soll. 3 Dieses Pferd hat aber auch Beziehungen zum Orient. Irl der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts hatte Graf Ludwig zu Reineck im Spessart auf Wildenstein seinem feindlich gesinnten Nachbar, der im Turme des Schlosses Wohlberg im Krausenbacher Tale wohnte, einen Grauschimmel geschenkt, den er aus dem Orient bekommen hat, dessen Haare wie Eisen anzufühlen waren und das deshalb „das eiserne Pferd" hiess. Dieser Schimmel brachte jedem, der ihn bestieg, den Tod. Die drei Söhne des Nachbars sind durch ihn gestorben und das Pferd kehrte durch die Lüfte fliegend zu seinem ursprünglichen Besitzer zurück. Der Nachbar, gealtert, stiftete aus Gram 1233 in seinem Schlosse Wohlberg das Kloster „Himmeltal".'' Dieses „eiserne Pferd" erinnert an das „Zauberpferd" der orientalischen Märchenwelt. 5 Später wird Wuotan, der Führer des „wütenden Heeres" zu einem Teufel. Der Teufel ist der „wilde Jäger", der „heische Jäger" selber. Nach einer Sage in Bayern verfolgt der Teufel am Aschermittwoch ein „Holzweiblein" und da kann man im Walde häufig seine Stimme hören, wie er seinen Hunden zuruft : „Hoho"! Nach Veldeke (cn. 3239) „si bliesen unde gullen, vreisliche si lullen, so daz die helle wägete, alse der tuvel dä jagete". Schon im Rolandslied heisst es (204, 6) „der tiuwel hát üz gesant sin geschwarme und sin her". Dasselbe sagt der Renner (2249. 2870): „der tiuwel und sin her". In der Nähe vom Hohen Tor oder vom Dachstein in Steiermark, bei Mitterndorf liegt der kahle „Hartkogel". Da ist der Aufent2 Niederhöífer, Mecklenb. IV. S. 205 ; Henne-am Rhyn : Nr. 278. 3 H. C. Andersens „Sämtliche Märchen" Henne-am Rhyn : Nr. 274. 4 Herrlein : Die Sagen des Spessart S. 232. B Erzählungen aus Tausend und eine Nacht, hg. P. Ernst. Weimar. 1913. S. 298 if.