KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

halt des „wilden Jägers", in dessen Gefolge Verdammte und Teufel ziehen. 1 Auch der Tod wird zum teuflischen Füh­rer des wütenden Heeres. Auch der germani­sche Tod wohnt in einem Berg (s. das Mär­chen Gevatter Tod ; und auch bei Andersen). Auch die Waffe des Todes ist eine Lanze. Und an der Stelle des toten Bräutigams ist auch der Tod der Geliebte des Menschen und die Men­schenseele ist die Braut des Todes. Sogar in der Sage ist schon das Gerippe, der Tod und der Tote in einer Person der An­führer des wütenden Heeres. Unterhalb Rietheim im Tüftale, am aargauischen Rhein befinden sich Trümmer eines alten heidnischen Turmes. In diesem eingestürzten Turm trieb eine Räuber­bande ihr Unwesen. Einst warfen diese Räuber einen Geistlichen, der nach Basel fuhr, in den Rhein. Der Geistliche verwünschte sie. Seitdem streifen sie nachts in der Gegend als Gespenster mit Schwert und Spiess bewaffnet umher, ihr Hauptmann ist ein blosses Gerippe. Ein Schif­fer brachte einst zwei, die ihm nachriefen, in seinem Waidling bis Koblenz und erhielt ein grosses Geldstück, dass sich aber näher be­trachtet in eine Rübe verwandelte. Der Schiffer wurde wahnsinnig und starb bald nachher. 2 Die Erscheinung der Toten in Vision bringt Krankheit und frühen Tod. Henricus Kornman­nus erzählt, 3 dass auf der Hochzeit des Schot­tenkönigs Alexander III. (1249—1286) am Ende des Reigens der Gäste das entfleischte Skelett eines Toten erschien. Das Skelett tanzte. Das war ein schlechtes Omen. Der König ist auch in demselben Jahre gestorben. Dies geschah in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts, i. J. 1286 : „Dum igitur noctu festum celebratur, vi­dent sceleton, vel mortuum carnibus exutum in fine choreae saltantem. Quod ubi ä Rege caeterisque est animadversum, attonili primum subsistere, deinde omen aversati, non tunc so­lum, sed in posterum etiam nuptiales iocos de­miserunt. Eodem anno Rex excussus periit, post cujus mortem graves sunt seditiones exortae". Kornmann hat diesen Toten im Titel durch den schon seit dem XV. Jahrhundert herrschenden Irrtum „den Tod" genannt. Ein Koch der Burg Neu-Eberstein sah an dem durch Gespenstererscheinungen berühmten „Wachtelbrunnen" an einem Abend eine Schar, die sonderbar hüpfend und tanzend sich der Burg näherte. Man hörte keinen Pfeifer pfeifen und auch keinen Geiger fiedeln und trotzdem tanzte alles lautlos. Als die Schar dem Schlosse näher gekommen ist, sah der Koch viele be­kannte Männer und Frauen des Städtchens Gerns­bach unter den Toten. Am Ende des Reigens erblickte er entsetzt sich selber mit seiner blei­chen Frau an der Hand. Alles zog dem Siechen­1 Steiermark. Sagen in Wolfs Zeitschr. f. d. Myth. II. Bd. S. 32-35. Henne-am Rhyn : Nr. 926. 2 Rochholz ; Henne-am Rhyn : Nr. 949. 3 Opera curiosa II. Miracula mortuorum. Pars IV, Cap, XX. De Spectro mortis saltante. 1694, kirchhofe zu. Bald darauf brach das grosse „Landsterben" im Jahre 1518 aus, in welchem der Koch, sowie alle jene das Leben verloren, die der Koch im Reigen erkannt hat. 4 Es ist auffälig, dass die schon verstorbenen Mitglieder einer Gemeinde mit den noch Le­benden, aber in der nächsten Zeit durch Pest sterbenden Mitgliedern einen Reigen tanzen, zu dem man weder aufspielt, noch singt. Auch diese Sage steht dem Toten-Tanz sehr nahe. Im späteren Mittelalter und in der Neuzeit hatte man also genug Grund, den Toten Tanz mit ähnlichen Sagen zu verwechseln Dieselbe Sa­ge kommt auch mit dem Motiv der Musik ver­bunden vor. Die Totengeister des wütenden Heeres können auch wunderbar schön singen. In Sommerhausen (Unterfranken) haben sich zwei Dienstmägde soeben ausgezogen, als abends das wütende Heer wunderbar singend über dem Hause vorüberflog. Das eine Dienstmäd­chen meinte, wenn sie noch angezogen wäre, möchte sie gerne das wütende Heer begleiten. Kaum hat sie das gesagt, erschienen zwei wilde Gesellen, schürzten und gürteten sie und trugen sie in die Lüfte. 5 Auch im Sarganserlande lebt eine Sage, nach der ebenfalls nicht nur die Toten einer Ge­meinde, sondern auch jene Lebenden am Kirch­hofsreigen teilgenommen haben, die bald nach­her durch die Pest starben. Ein Lehrer in Flums hörte vor Mitternacht eine Prozession vor sei­nem Fenster auf der Strasse vorüberziehen. Man betete laut den schmerzhaften Rosenkranz : „Der Du für uns Blut geschwitzt . . ." Der Leh­rer sprang aus seinem Bett und schlüpfte schnell in das eine Hosenbein. Dann schaute er neugierig zum Fenster hinaus. Er öffnete den einen Fenster­flügel und lehnte sich an das Fensterbrett. Er sah voll Entsetzen einen unübersehbaren Lei­chenzug. Ganz im Vordergrund zogen die ver­storbenen Bekannten und Verwandten des Leh­rers. Er sah auch viele unbekannte Tote. Endlich sah er viele, die noch lebten. Man trug die be­kannte schwarze Flumser Fahne und das Kreuz voran. Neben dem Geistlichen und Messner sah der Lehrer auch sich mit einem Hosenbein und mit dem Fensterflügel am Hals. Bald ver­schwand die Geisterprozession und der Leh­rer erkrankte. Er, sowie alle diejenigen, die er in der Prozession gesehen hat, sind gestorben. 6 In Schwyz wollte sich ein Mann morgens anziehen, als die Geisterprozession an seinem Hause vorüberzog. Er hatte schon den einen Strumpf angezogen und den andern warf er jetzt schnell über die Achsel. Er sah sie so mit einem Strumpf auf der Achsel am Ende des Geisterzuges. Kurz darnach brach der schwarze 4 Freiherr v. Zimmern im Krieg von Hochfelden ; Geschichte der Grafen von Eberstein S. 360 ; Ed. Brauers Sagen und Geschichten der Stadt Baden. Karlsruhe. S. 54 ; Henne-am Rhyn : Nr. 925. 6 Wolfs Zeitschr. f. d. Mythol. I. Bd. S. 18. Henne­am Rhyn : Nr. 929. 6 Sage in Sargans ; Henne-am Rhyn : Nr, 919,

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