KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

leise singend oder ganz still weiter in den tiefen Wald. Der ihr begegnet, nimmt seinen Hut in die Hand und stellt sich zur Seite ; sagt man nur ein Wort laut, verschwindet die Vision. Diese Sage hat eigentlich keine bestimmte Mo­tivation und keinen ausgesprochenen Abschluss — wie es die meisten Sagen haben. Der Sarg ist ein unbegründetes Motiv. Die blosse Er­scheinung der Toten dient als ein romantisches und mystisches Motiv dem Spieltrieb der Volks­phantasie. Solche Sagen beweisen, dass man auch im Toten-Tanz und im Werdegang des Todes-Tanzes viel mit dieser spielenden Volks­phantasie rechnen muss. Die üblichste Begründung ähnlicher Toten­Erscheinungen ist, dass die Toten durch ihre Erscheinung den nahen Tod des Lebenden vor­aussagen wollen. Ein Geraer Bürger ging der Sage nach einst mit mehreren Kameraden von Collis nach Gera und sah von Zschippern her einen Leichenzug nahen ; Tote trugen einen Sarg und sangen seltsame Totenlieder. Seine Kameraden erblickten nichts von dieser Erschei­nung, nur er allein sah sie vorübergehen. Bald nachher ist er auch gestorben. 1 Er hat die Toten gesehen und das lockte ihn in die Totenwelt. Die Toten haben die Kraft, den Lebenden in das Totenreich zu locken. Diese Kraft haben sie mit den Göttern und Halbgöttern der alten germanischen Mythologie gemeinsam. Dort wur­den die am Schlachtfelde gestorbenen Helden von Odin oder Wuotan in die Totenwelt ge­lockt ; er trieb sie auch mit seiner Lanze Gungnir. Zwei Wölfe waren seine Jagdhunde, die ihn immer begleitet haben. Von ihm hat der spätere germanische Tod das Attribut eines Jagdhundes bekommen und die Krankheiten heissen sprich­wörtlich die „Hunde des Todes". Odin reitet in den hohen Lüften auf seinem mythischen Pferde Sleipnir. Dieses Pferd hat acht Füsse, deren kräftiges Stampfen schon von Weitem hörbar ist. Nach einigen Sagen fährt Odin auf einem gros­sen Triumphwagen, wie die Sonne der antiken Mythologie und wie der Tod Petrarcas. Dieser Wagen heisst Woenswaghen (Wodenswaghen). Hauptsächlich in Pommern, in der Gegend von Holstein und Mecklenburg sind einzelne Sagenvarianten verbreitet, nach denen der ein­äugige Odin die Seele der Verstorbenen im Ge­witter nächtlich in die Unterwelt führt. Wenn „de Wode tüt" (Mecklenburg) oder wenn „Oden far förbi" (Schweden), dann hört man auch seine Hunde bellen, man vernimmt auch das Stampfen der Hufeisen und das Rasseln seines Wagens. Wenn die Seelen nach der Sage durch die Ge­witterwolken jagen, dann heisst es : „Oden jagt". Weitere Namen : „Nachtgejaid" (Bayern), „nacht­gelait", -daswüetende Heer" (Thüringen, Hessen, fränkische und schwäbische Gebiete). Ein Werk des XII. Jahrhunderts, „Diu Urstende", nennt die Juden „das wuetunde her" ; auch im Rolands­Iiede 204, 16 heisst das Heer des Pharao „Wo­1 Eiset, Voigtl. S, 111, Henne-am Rhyn; 921a, tigez her" ; im Stricker 73 b wird das „wüetunde her" genannt. In welcher Gestalt diese Geister des „wütenden Heeres" erschienen, darauf wol­len wir noch zurückkehren. Der Aufenthaltsort Wuotans und seines Gefolges ist der sog. Wo­densberg, (Gaudensberg, Gudensberg, denn nach anderen Variationen war nach dem Vorbild der Todesgöttin Hallja Frau Gaude die Führerin der „heischen jagt"), der Odensberg in Nieder­hessen. In diesen Berg ziehen sich die müden Geister zurück, der Berg öffnet sich vor ihnen und schliesst sich wieder. Nach einer Sagen­variante ist Karl der Grosse nicht gestorben. Er zog sich in diesen Wodensberg zurück, aus dem er manchmal zurückkehrt. Da hört man lautes Waffengeklirr und das Wiehern der wil­den Pferde. Nicht nur die Gestalt Karls des Grossen, sondern auch der „wilde Jäger", der „heische Jäger", „der Sonderliken im Winter des Nachtes up dem velde mit sinen jagethunden sik hören let", 2 führt die Toten an. In den südlichen Teilen Sachsens, in Westfalen leben noch heute Sagen von einem Hackebärend,Hackelbernd, von einem Jäger, Namens Hackelblock, der sonntags auf eine Jagd hinauszog und aus Strafe bis zum Tage des Jüngsten Gerichtes in derselben Gegend jagen muss. Tag und Nacht bellen seine Hunde im na­hen Wald. Diese Sage hat sehr grosse Verbrei­tung, fast alle Völker Europas haben sie in einer gewissen Form übernommen. Nach einer sächsi­schen Sage ist Hans von Hackelberg eine histori­sche Persönlichkeit. Er war der Oberjagdmeister des Fürsten von Braunschweig und wurde von einem Eber getötet. Seitdem jagt er auf einem Wagen durch die thüringischen Wälder. Der laute Peitschenknall und das Hundgebell ist von wei­tem hörbar. Nach einer Sage in Luzern zog der -wilde Jäger" mit seiner Geliebten an einem Fastenfreitag auf die Jagd. Umsonst wurden sie ermahnt, die heilige Fastenzeit nicht zu entehren. Seitdem jagen sie noch immer im Walde. 3 Nach einigen Sagen verfolgt der „wilde Jäger" im Wald nicht das Hochwild, sondern ein Weib, die gute Nymphe des Waldes (Holz­weibchen oder Meerfrau). In dieser Form wurde die Sage in einem deutschen Epos : „Etzels Hofhaltung oder der Wunderer" , in einem Fast­nachtspiel : „Ein Spil von dem Ferner und Wunderer "* und in einer Ballade von Bürger : „Der wilde Jäger" bearbeitet. Die Gestalt des „wilden Jägers" ist des­wegen sehr bedeutend, da sie später mit dem germanischen „Toten-Tod" identifiziert wurde und seitdem nicht auf Hochwild, sondern — wie ein Teufel — auf die Seele der Menschen jagt. Auch der „wilde Jäger" kann die Seele eines Menschen in die Unterwelt locken. Wer das „wütende Heer" sieht oder hört, dem ist sein 2 Gryse : Grimm : Mythologie. Göttingen 1844. 1—II. Band. 3 Die Sträggele und der Fürst kommen ! Henne-am Rhyn: Nr. 931. 4 Göschen, 181, S, 103,

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