KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

tad. In der 36. Szene des Totentanzes von Wie­nand fliegt er mit grossen Adlersflügeln einem Flugzeug nach und stürzt es in die Tiefe (1919). In einem Gedichte des Ziklus „ Toronyzene mit dem Titel „Falun ilyen a halál" (Der Tod am Land") von Harsányi Lajos wird der Tod des Bauers mit dem Tod der Stadtleute vergli­chen. In der Stadt ist das Leben trostlos. Hastig wird gegessen, unruhig geschlafen. Hunderte eilen auf den belebten und geräuschvollen Stras­sen in ihre Ämter, Geschäfte. Der Tod verfolgt jeden überall : im Ball, in der Elektrischen, im Zimmer. Sogar aus einem Glas Wasser grinst der Tod auf den Trinker. In einer Novelle von Raggamby András : „Útitárs" 2 fährt der ungarische Dichter Franz Kazinczy, der grosse Reformator der ungarischen Sprache und genialer Kulturpolitiker, auf einem Wagen von Ujhely nach Széphalom. Es ist schon spät und der alte Kutscher Gergő treibt die Pferde zum schnellen Lauf an. In der wei­ten Ferne läutet traurig eine Totenglocke. „Schon wieder ist jemand an der .Korela'gestorben" — meint der Kutscher. Kazinczy hat ein schlechtes Vorgefühl, als sollte er sich vor dieser Krank­heit mehr fürchten. Soeben fährt der Wagen an einem Hügel vorüber und Kazinczy erblickt in Vision eine dunkle Gestalt, die auf der Land­strasse, vor dem Wagen stehen bleibt. Sie winkt und die Pferde bleiben einen Augenblick stehen. Die schwarze Gestalt, ein vornehmer Herr, steigt plötzlich in den Wagen und setzt sich mit einem höflichen Gruss neben den Dichter. Kazinczy will sich dem unbekannten Herrn, der sich zwar höflich, aber doch sehr auffällig benimmt, vorstellen. Aber der schwarzgekleidete Herr sagt mild und freundlich, dass er Kazinczy gut kenne. Er wäre nur deswegen in den Wa­gen eingestiegen, um Kazinczy zu fragen, ob er noch vom Leben etwas zu wünschen habe, ob er auch jetzt viel leide, ob er zufrieden sei. Obwohl dem Dichter diese Fragen eines Unbe­kannten als indiskret vorkommen, fühlt er sich doch zu einer Antwort gezwungen. Er hat sein Leben mit gutem Erfolg beendet, Brünn, Kuff­stein, Munkács sind die Zeugen seines ehrli­chen Kampfes um die Rechte der Menschheit. Aber als er aus seinem unverdienten Gefängnis entlassen und in seiner Heimat so begeistert emp­fangen wurde, hat er alle seine Leiden verges­sen und für seine Peiniger hat er jetzt nur das Wort der Verzeihung. Endlich möchte er aber wissen, mit wem er spricht, wer dieser alte, schwarze Herr sei, der seine Lebensverhälnisse so gut kennt ? Hierauf steht der Herr von sei­nem Sitz auf, legt seine Hand auf das Haupt des alten Dichters und spricht : „Der Herr sei mit dir . . . Ich bin der Tod . . .". Da sprang er vom Wagen und der Dichter hat ihn nicht mehr gesehen. Kazinczy fragt den Kutscher, ob er ge­sehen habe, wer bei ihm sass. Aber der Kut­scher erklärt, er habe niemanden gesehen und „Euer Wohlgeboren haben mit sich selbst ge­sprochen . . .". Als aber Kazinczy ihm mitteilt, dass der „Schwarze Tod" auf dem Wagen mitgefahren sei, bekreuzigte sich der Kutscher voller Grauen. In zwei Wochen lag der teure Tote auf der Bahre und ein ganzes Land trauerte. Im Jahre 1831 ist er an der Kolera gestorben. Die Todesgestalt dieser Novelle ist mild und gütig, obwohl sie „die Pest" personifiziert. Der grosse „Unbekannte" hat eine so grosse Macht über die Welt, dass ihm sogar die Tiere, die Pferde gehorchen. Die Sterbestunde des Dichters wird durch die visionäre Erscheinung des Todes vorausgesagt. Auch hier spricht der Tod mit einer allgemein bekannten historischen Persönlichkeit. Ähnliche Novellen erschienen auch von Berkes Imre und Lövik Károly. In einem Gedichte vom ungarischen, mo­dernen Dichter Babits Mihály tritt der Tod in modernen Zeitverhältnissen auf. Er fährt auf einem Auto von Haus zu Haus. 3 Ein Mädchen, Teréza, sieht, wie der Tod aus einem Auto steigt und einen sterbenden Jüngling, den Sohn des Hausbesitzers holt. Er kommt mitternachts, hat sich als Chauffeur verkleidet und hält eine Sense in der Hand. Die modernen Verhältnisse, in denen hier die Todesgestalt erscheint, führen uns immer näher zur modernsten Totentanzform, zum all­gemein menschlichen Totentanzbegriff. IV. Der germanische Toten-Tanz 1. Der Toten-Tanz in der Sage 4 Die germanische Totensage war schon in uralten Zeiten, schon in der indogermanischen Zeit vorhanden. Deswegen sind die Totensagen der indogermanischen Völker so auffallend ein­heitlich. Schon jene drei Szenen in Cumae aus dem Leben der Tänzerin, die Totengespräche Luzians, die arabischen Totensagen, welche sich 1 Turmmusik; nach 1906. 2 Der Reisegefährte ; in der Zeitung „Magyarsäg". 13. Sept. 1924. schon im Mittelalter mit lokalen germanischen und französischen Sagen vereinigt zur Gesamt­legende ausgebildet haben, sind wichtige Fakto­ren der Entstehungsgeschichte des Toten-Tanzes. Diesmal sollen jene Typen der germani­schen Totensage besprochen werden, die nicht 3 „A Halál automobilon", „Der Tod auf < inem Auto­mobil ;" Babits Mihály: Versek 1902—1927. Budapest. 1927 ; das Gedicht entstand zwischen 1902—1908. 4 Tab. B. II. B.

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