KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Anhang

ger der späteren Buchausgaben des Pariser Toten-Tanzes haben noch etwas von dem Zusammenhange dieser älte­ren Form der Totenlegende mit dem Toten-Tanz gewusst, deswegen konnten sie es nicht lassen, diese Totenlegende am Schluss des Toten-Tanzes, in welchem sie die Spuren der Totenlegende nicht mehr so klar erkennen konnten, zu wiederholen. — Phot, nach P. Desrey (1490) hg. A. Pilinski. .Fig. 6. — Der Toten-Tanz zu Kermaria. — In dem schon erwähnten Kirchlein zu Kermaria in der Bre­tagne, aui den oberen Mauerilächen des mittleren Schil­fes, über den ersten vier Gewölben und Säulenbogen, die noch im XIII. Jahrhundert entstanden, wurde in einem ringsherum ziehenden Mauerfries ein Toten-Tanz nach dem Pariser Vorbild gegen Mitte des XV. Jahrhunderts gemalt und mit einer Version des Pariser Textes versehen. Unser Bild entnahm ich dem erwähnten Werke von Künstle (a. a. O. S. 90 ff.). Leider sind hier nur die ersten dreizehn von den 47 Figuren (die Totengestalten mitgerechnet) vor­handen, u. zw. je ein Toter mit dem Papst, Kaiser, Kar­dinal, Patriarchen, Connétable. Und zuletzt der mit einem Affengesichte und schwarz gezeichnete Tote des Erzbi­schofs. Aber auch soviel genügt uns zu jener Rolle, welche wir diesem Bilde bestimmten. Auch der Totentanz von Kermaria zeigt Spuren des Legendenursprungs. Am An­fang, vor dem Toten des Papstes, wo das Bild ganz be­schädigt ist, vermutet L Bégule die Gestalt des Autors, wie in Paris. Und auf der entgegengesetzten Seite des Schiffes schliesst sich an den Totentanz die schon erwähnte (vgl. Tafel XX. Fig. 6.) Darstellung des Kampfes der Tu­genden und Sünden, sowie der damit räumlich verbun­denen älteren Form der I otenlegende an. Und doch kann schon an diesem Totentanz eine merkwürdige Verein­fachung der Form beobachtet werden. Das Legendenmäs­sige weicht langsam einer immer mehr und mehr ausge­prägten Form. Diese Form ist dann der mittelalterliche Totentanz ohne äussere Merkmale des eigentlichen Ge­samtlegendenursprungs. Während der Pariser Totentanz je zwei Paare unter ein Doppelgewölbe zusammenfasste (vgl. Tafel XXII, Fig. 1.) und besonders beim Wucherer die einstige Legendenszene mit dem Reichen und dem armen Lazarus leise durchleuchten Hess, entstand in Ker­maria ein vollkommener Kettenreigen. Eine jede Toten­und Lebendengestalt steht in einem arkadenartigen Bogen­gewölbe und ist vom nächsten Partner durch eine Säule getrennt. Die einzelnen Gestallen reichen sich hinler diesen Säulen die Hände. Wie fest diese „Totentanzform" ist. zeigt am besten die zwischen den Seiten 32—33 im schon erwähnten Werke von L Bégule („Kermaria") nach den Zeichnungen von M. Dénuelle (i. J. 1860 verfertigt und im Musée du Trocadéro deponiert) mitgeteilte Gesamtansicht des ganzen Freskos. Fig. 7. — Der Todes-Tanz von Strassburg. — Nach einem ganz anderen Prinzip, nach dem Rezept des Todes­triumphes von Pisogne (vgl. Tafel XVIi, Fig 2—3.) bildete sich ein „Todes-Tanz" an der Nord- und Westmauer der alten Dominikanerkirche zu Strassburg ca. 1450 heran. Auch hier bewegte sich der Todes-Tanz hinler einer Ko­lonnade, deren schlanke Säulchen die Reihe der Standes­vertreter in einzelne Menschengruppen zerriss. So wie der Tod. d. h. der in Subiaco, Pisa und in Pisogne über einen grossen Menschenhaufen triumphierende „Everyman-Tod" in den bekannten Todeslegendenformen der Gesamtlegen­de die Vadomorireihe der Stände mit seiner mächtigen Sense oder mit dem apokalyptischen Schwerte in eine einzige Gruppe zwang, so werden auch in Strassburg ein­zelne Gruppen von Vertretern höherer oder niederer Stän­de von einer einzigen Leichen- oder Skelettgestalt besiegt und in den nach dem Muster des spanischen Todes-Tanz­Textes aufgefassten „Todes-Tanz" getrieben. In einer je­den Gruppe erscheinen nacheinander der Papst und sein Gefolge, der Kaiser, König, der Bischof und Kardinal mit ihrem Gefolge usw. Am Anfang ein Dominikaner auf der Kanzel, vor ihm eine Zuhörerschaft : zehn Personen dem weltlichen und geistlichen Stande angehörig. — Phot, nach E. H. Langlois : Essai . . . sur les danses des morls. Rouen 1852. Bd. 11. Planche XIX. Tafel XXIV. — Der Todtentanz in Gross-Basel. An der Kirchhofsmauer des Dominikanerklosters in Grossbasel wurde ca. 1440 dieser Todlen-Tanz gemalt. Er verlrittt die deutsche Form der Totentänze, welche durch eine Vermengung des Todes-Tanzes und des Toten-Tanzes entstand. Hier teile ich eine Kopie mit, welche im Basler Historischen Museum aufbewahrt wird und nicht nur jene Erneuerungen enthält, welche dem Fresko der Restaura­tor, Hans Hug Kluber i. J. 1568 gab, sondern auch jene Umänderungen, welche Büchel und (besonders am Wu­cherer und Krämer bemerkbar) auch Merian am Bilde vornahmen. Der Prediger am Anfang mit seiner Hörer­schaft erscheint auch hier, aber schon nach der Version verschiedener Blockbücher. Die Leichnams-, bzw. Skelett­gestalten wollen Tote darstellen, während aber der Text, der aus dem Heidelberger lateinischen vierzeiligen Todten­tanz-Text umgeformte vierzeilige oberdeutsche Todten­Tanz-Text, spricht nicht nur im Titel, sondern auch in den Versen mehrmals von „dem Tod" und von seinen „Ge­sellen", den „schwarzen Brüdern", den Toten. Das Ske­lett bedeutet hier also schon den Tod und den Toten zu­gleich. welchen Umstand wir nach der alten deutschen Schreibweise des Namens dieser ganz eigenartig deut­schen Formation mit einem „dt" im Namen „Todten­tanz" zum Ausdruck bringen. Nur in dieser Mischform war es also möglich, dass man unter das Beinhaus, woher die Toten der Legende bewaffnet und wild musizierend hervorstürmen, den Namen Tod schrieb. Am Portal des Beinhauses ist übrigens das Jüngste Gericht dargestellt, also das Judicium Universale, welches überhaupt zum Vorbilde dieses in der Form eines Todes- oder Toten­Tanzes aufgefassten Iudicium Particulare wurde. Es fehlen zwar die Säulen von Paris, Kermaria und Strassburg, doch werden die einzelnen Paare ganz selbständig be­handelt, ja es entstehen sogar hie und da (wie beim Wu­cherer) abgerundete Szenen, wo ein „Tanz" eigentlich ganz ausgeschlossen ist. Den Inhalt der Lehre des Pre­digers bringt das Bild am Schluss : die Szene mit Adam und Eva. d. h den triumphartigen Einzug der Sünde und mit ihr des Todes in die Welt. Dieser Paradiesszene hat H. H. Klauber sein eigenes und seiner Frau Porträt bei­gefügt. Dabei können wir aber auch diesmal die Ge­schichte der Szene mit der Edelfrau, welche sich im Spiegel beschaut, von der Gesamtlegende bis zum Basler Todten­tanz genau beobachten. Tafel XXV. Augsburger Todtentanz und Sze­nen aus Blockbüchern deutscher Todten­tänze. Fig. 1. — Der Eingang des Meislersängei -Todten­tanzes mil den Pfeifern. — In der Handschrift Clm. 3941 der Münchener Bayer. Staatsbibl., in einer Sammelhand­schrift des Augsburger Humanisten Sigismund Gossem­brot, befindet sich ein „Meistersänger-Todtentanz", der um die Mitte des XV. Jahrhunderts, allerdings vor 1480 ge­schrieben wurde. Gossembrots Totentanz ist eine sehr eigenartige Form der Totentänze, welche schon von W. Stammler gelegentlich der ersten Veröffentlichung des Textes (Vgl. Die Totentänze des Mittelalters. München 1922 ; in den Einzelschriften zur Bücher- und Handschrif­tenkunde Bd. IV. Exkurs II. S. 32 ff.) eingehend bespro­chen wurde. Die Reihe der Vadomori-Slände ist in klei­nere Gruppen geteilt und innerhalb einer Gruppe wird der Kettenreigen behalten, nur dass hier nicht je ein To­ter und Lebender auftritt, sondern eine jede Gruppe von einem einzigen Skelett angeführt wird. Am Anfang dieses Totentanzes steht auch ein Prediger auf der Kanzel einer Zuhörerschaft predigend, die aus einem Papst, Kardinal. Mönch und Bischof besteht (fol. 14a). Ja. die Zuhörer­schaft wird auf einem zweiten Bild (fol. 14b) noch weiter vermehrt. Nun folgt auf fol. 15a unser Bild. Links zwei Pfeifer, Klarinette und Dudelsack spielend. Dann werden von einem einzigen Skeli tl (ohne Merkmale) ein Bischof, ein Bürger, ein Handwerker und eine Frau mit einem Schlüssel angeführt. Der bei W. Stammler veröffentlichte Text spricht vom „Tod", obzwar die Verse aus dem vier­zeiligen oberdeutschen Todlentanztext abzuleiten wären.

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