KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
Anhang
- XX Die Form der Darstellung steht dem Todes-Tanz zu Strassburg und Pisogne näher. Da aber der ganze Totentanz mit dem Bilde der Augsburg-Münchener Gesamtlegendeniorm endigt und der Text, den der im offenen Sarge liegende und jammernde Totenleichnam hersagt, wörtlich dieser Legendenform entlehnt wurde und da die zum Schluss als „Tod" bezeichnete Leichnamsgestalt in ihren Ermahnungen eigentlich wieder nur den Jammerruf des im Grabe liegenden Toten wiederholt, so kann dieses Totentanzwerk mit vollem Grund jenen deutschen Totentänzen beigesellt werden, in denen der sog. „Tolen-Todes-Irrtum" schon restlos zur. Geltung kam, d. h. den sog. „T o d t e n-Tänzen". Wie es eine Anmerkung der Handschrift beweist, hat übrigens der Verfasser, Gossembrot, den Heidelberger lateinischen Todtentanz-Text und die Hieronymus-Legende von den drei erweckten Jünglingen gekannt. Fig. 2. — Die zweite Gruppe des MeistersängerTodtentanzes mit dem Totenleichnam, der die Klarinette spielt. — Auf fol. 16a schreitet der Tod, die Klarinette spielend, einer Gruppe voran, die aus einem Kardinal, einem Beschliesser. einem Mann mit Beutel, einem Bürger mit Stock und einer Bürgersfrau mit Wickelkind auf dem Arm, besteht. Fig. 3. — Die Gruppe mit dem Papst im Meistersänger-Todtentanz — Auf fol. 16b führt ein Totenleichnam (ohne Merkmal) den Papst zum Totentanz. Dem Papst schliessen sich dann ein Mönch, ein Geiehrter, ein Arzt und eine Nonne an. Fig. 4. — Die Gruppe mit dem Ritter in dem Meistersänger-Todtenlanz. — Auf fol. 17a folgt die Gruppe mit dem Kaiser. Auch auf fol. 17b schreitet ein Ritter als erster nach dem anführenden Totenleichnam. Dieses Bild befindet sich aber auf fol. 18a und stellt nach dem anführenden Ritter einen Kaufmann mit Kassette, einen zweiten mit Waage und einen dritten mit einer Elle dar Die Gruppe beschliesst ein Mädchen oder eine Frau mit einem Strick- und Arbeitsbeutel. Auf fol. 18b folgt dann noch eine Gruppe mit dem Kurfürsten und fol. 19a-b die Szene mit dem erst als einen Toten, später als den,, Tod" selber aufgefassten Leichnam. — Phot, nach der Ausgabe von W. Stammler. Fig. 5—8. — Paare aus dem Todtentanz des Heidelberger Blockbuches. — Aus dem Heidelberger Cod. pal. 438 (anno 1443), dem bekannten Todtentanz-Blockbuche, die Gestalten des Papstes, Kardinals, Edelmanns und der Edelfrau. — Phot, nach dem Atlas zur Studie Massmanns : Die Basler Totentän/e . . . Stuttgart 1847. Fig. 9. — „Doten-Dantz"-Bilder. — Szenen aus einem Ulmer Druck (ca. 1490) des achtzeiligen „DotenDantzes". Triumph der Toten als Tanz aufgefasst. Beinhaus und der Tanz der Toten um einen offenen Sarg, in welchem der Gisant-Typ-Tote liegt. Weiter : Papst, Kardinal, Bischof usw. — Phot, nach W. Stammler : a. a. O. Abb. 12. Fig. 10 — 12. — Blockbuchillustrationen des vierzeiligen oberdeutschen Todtentanz-Textes. -• Im Münchener Blockbuch Nr. 39 (M 2) befinden sich ebenfalls eigenartige Illustrationen des vierzeiligen oberdeutschen Todtentanzes. welche mit den übrigen Blockbüchern die wichtige Eigenschaft gemein haben, dass sie den Kettenreigen vollständig aufgeben und aus den Paaren immer freiere Szenen formen. Oben der Prediger mit seinen Zuhörern, weiter unten der Papst und der Ritter. — Phot, nach Goette : Holbeins Totentanz und seine Vorbilder, Fig. 51, 49, 50. Tafel XXVI. — Dresdener Totentanz. Fig. I —4. — Nach den Angaben seiner Entstehungsgeschichte steht der Dresdener Totentanz eigentlich unter italienischem Einfluss. Er wurde als Skulptur in Sandstein angeblich von Schicketanz auf den Befehl des Herzogs Georg des Bärtigen i. J. 1534 verfertigt und zierte eine längere Zeitlang einen Erker des Dresdener fürstlichen Schlosses. Beim Brande des Schlosses i. J. 1701 wurde er etwas beschädigt, 1721 auf den Kirchhof der Neustadt gebracht und endlich 1733 an der Mauer des sog. Scheunenhofes im Neustädter Friedhof angebracht. Die sechs Strophen des Textes hat J. C. Hilscher i. J. 1721 dem Tofentanzwerke angepasst. Er veröffen lichte darüber auch i. J. 1705 ejne sehr wichtige Studie. Wie in Pisogne, Strassburg und im Meistersänger-Todtentanz, treten hier die Toten und Lebenden auch nicht abwechselnd auf, sondern je eine Gruppe von Lebenden wird von einem Toten angeführt. Nach den Attributen scheinen die drei Skelette eher Tote der Legende zu sein als der Tod selbst. Der erste Tote spielt die Klarinette, der zweite Tote rührt die Trommel (wie in Trient) und nur der letzte Totenleichnam am Schluss der Reihe führt die Sense des Everyman-Todes. Es ist also ein Todtentanz, denn die Leichnamsgestalten sind zweideutig. Dazu kommt dann noch der Text Hilschers, der die Toten in der Rolle des Everyman-Todes sprechen lässt. In der ersten Gruppe folgen nach dem pfeifenden Tod, der von Schlangen umwunden erscheint, der Papst, Kardinal, Erzbischof, Bischof, Prälat, Domherr und Kapuzinermönch (Fig 1.). Dann folgt die zweite Gruppe, welche der Tote mit der Trommel anführt : Kaiser, König, Kurfürst, Graf, Ritler (Fig. 2.). Die dritte Gruppe begleitet kein Toler. Da treten der Edelmann, Ratsherr, Handwerker, Soldat, Landmann und Bettler auf (Fig. 3). Endlich folgt die vierte Gruppe mit der Äbtissin, Bürgerfrau. Bäuerin, dem Kaufmann, Kinde, dem alten Mann und endlich mit dem Totenleichnam, der die Sense trägt. — Photographien des Landesveieins Sächsischen Heimatschulzes. Dresden. Schiessgasse 24. Ich spreche meinen innigsten Dank der hochgeschätzten Direktion des genannten Vereins für die Erlaubnis der Veröffentlichung aus. Tafel XXVII. — Lübecker Todes-Tanz, Metnitzer Todtentanz und ungarische Todes-Szene (Mérgeska). Fig. 1 — 3. — Der Lübecker Todes-Tanz. — In der gegen Norden zu erbauten sog. Totenkapelle oder Plauderkapelle der Marienkirche zu Lübeck wurde i. J. 1463 ursprünglich auf Holz dieser Todes-Tanz gemalt. Er wurde später auf Leinwand mit Ölfarbe übertragen (l701) und bei dieser Gelegenheit wurden die niederdeutschen Verse durch eine hochdeutsche Bearbeitung von Nathanael Schlott ersetzt. Der ursprügliche Text entspricht in seiner eigenartigen Form dem Pariser und dem spanischen TodesTanz-Texl. In ihm spricht ausschliesslich der „Tod" zu den Standesvertretern und am Schluss der Antwort, welche er dem vorangehenden Standesvertreter gibt, wendet er sich mit einem Ruf gleich an den nächsten Würdenträger. Man muss sich also die Vorgänge so vorstellen, als wenn der Tod. — wie in einem Schauspiele. — immer an ein und derselben Stelle stehen würde und die Vertreter der Vadomoristände an ihm der Reihe nach vorüberziehen müssten. Der Tod zieht erst z. B. den Papst auf den Schauplatz der dramatischen Handlung und nachdem er diesen auf seinem Sterbenswege einige Schritte auf die entgegengesetzte Seite des Schauplatzes begleitet und auf seinen Jammerruf geantwortet hat, winkt er schon auf der anderen Seite wieder dem Kaiser, mit dem er die vorherige Szene wiederholt. Für den Maler standen im Falle dieser „Todes-Tänze" zwei Lösungen zur Verfügung. Die eine Lösung sahen wir in der Gesamtlegende, wo der Tod, einer grossen Menschenmenge gegenübersteht und die einzelnen Würdenträger der Reihe nach niedermäht, so dass, zum Schluss ein grosser Leichenhaufen zu seinen Füssen liegt. Daraus entwickelte sich jene Form, welche wir in Pisogne, Strassburg und in den Todtentänzen des Meislersängers Gossembrot und des Dresdener Schicketanz beob-, achten konnten. Denselben todestanzartigen Eigenschaften des Pariser Textes folgend entstand schon an, Pariser Toten-Tanz-Bilde selbst und noch mehr in Kermana eine andere Totentanz-Ausdruckslorm, welche, mit der an zwei nacheinander folgenden Würdenträgern gerichteten An-, spräche des Todes parallel, die dem Toten-Tanze entnommene Leichengestalt dem vorangehenden und nachfolgenden Standesvertreter ihre beiden Hände reichen liess. Daher ist auch das Lübecker Bild samt dem Texte als ein reinster Todes-Tanz zu oetrachten, weil hier die Leichen-, bzw. Skeletlgestalt des „Todes" fast durchwegs nicht als ein Totengespenst charakterisiert wird. Nur die Leichengestalt vor dem Papste tragt einen Sarg. Die an der Spitze des Zuges tanzende und die Flöte spielende, aber mit einer Sanduhr gekennzeichnete, skelettierte Leichengestalt, sowie jene am Schlüsse des Reigens mit einer Sense aut-