KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
Anhang
- XVIII Pfeiler-Szene A íür den „Anfang" der Geschehnisse hielt. Das ist gänzlich falsch ! Dieser Prediger auf der Kanzel ist das Ziel, wohin alle Vertreter der Stände mit ihren Totengestalten streben ! Der Anfang der Geschehnisse liegt in der untersten, letzten Pfeilerszene D verborgen, woher sie alle kommen. Und hier, in der Pfeiler-Szene D hat der Maler das ganze Everyman-Geschehnis in eine einzelne Szene zusammengedrängt. Links sehen wir den von der Gesamtlegende her bekannten alten Eremiten. Vor ihm steht ein unbeweglicher Gisant-Typ-Totenleichnam. Eigentlich in liegender Stellung, nur ganz primitiv, von oben gezeichnet. Auf diesen Gisant-Typ-Toten weist der alte Eremit hin, um Everyman und seine Freunde zu bekehren. Gleich auf der anderen Seite des Totenleichnams steht der bekehrte Everyman. Er ist schon als ein alter, bärtiger Geistlicher dargestellt, wie in dem zweiten Teil der TrierHomburger Gesamtlegendenform. Hinter ihm stehen ein Jüngling und ein Weib. Es sind die beiden „Freunde" Everymans, die er auch in den verschiedenen Varianten der Gesamtlegende infolge seiner Bekehrung verlassen muss. Sie stellen auch hier sicherlich zwei „Nichtigkeiten" dar : die Jugend und die Schönheit. Wenn wir den Mann hinter dem Bekehrten näher betrachten, so können wir feststellen, dass er etwas hinterrücks dem Bekehrten zuflüstert. Er bedroht ihn scheinbar, dass er sich an ihm rächen werde, wenn er bei dem Eremiten bleiben wolle. Wie das in den anderen Versionen der Gesatiegende tatsächlich auch geschieht. Nun beugt der Bekehrte sein Haupt inbrünstig und betet zu Gott, von diesem Versucher befreit zu werden. Was geschieht? Die Toten des Kirchhofes, zu denen auch der Gisant-Typ-Tote gehört, erwachen durch ein Wunder Gottes. Schon hinter dem Versucher erscheint ein Toter, um ihn im nächsten Augenblick zu erfassen ! Und diese Toten triumphieren dann nicht nur über die Freunde Everymans, sondern über die ganze Menschheit, welche hier nicht als ein Leichenhaufen unter ihren büssen dargestellt wird, sondern als ein langer Zug der sterbenden Vertreter der Vadomori-Stände. Während also auf der ersten Mauerfläche nach der Szene A der Papst, Kaiser, Kardinal, König, Patriarch, Connetable (ein Schwert auf der Erde liegend, also nach einem Kampfe mit dem Toten besiegt worden I), Edelmann je von einem Toten der Predigerkanzel entgegengeführt werden, folgt auf der Pfeiler-Szene B die zweite Szene der erweiterten Gesamtlegende, welche man sich als eine Folge der Szene D vorstellen soll. Die halb kniende, halb silzende Gestalt eines Geistlichen links ist nicht der „Bischof", wie man es glaubt. Man möge diesen Geistlichen mit dem Prediger am Anfang und am Schluss vergleichen und man wird sehen, dass er der „visionäre Mann" sei, dessen Gebet erhört wird und neben dem die Toten des Kirchhofes den ersten „Freund", den Jüngling, d. h. „die Jugend" ergreifen. Der Tote links macht feindlich-possenhafte Tanzbewegungen, der andere Tote rechts aber zeigt schon mit seiner linken Hand auf ihn, als wollte er dem anderen Tofen andeuten, dass er ihn schnell ergreifen solle. Während die zweite Mauerfläche nach der Szene B den Lehrer, Bürger, Domherrn, Kaufmann, die Äbtissin, den Sergent und die Nonne von den besiegten Ständen der Welt auftreten lässt, sehen wir auf der Pfeiler-Szene C das weitere Schicksal der Freunde des Bekehrten. Drei Tote treiben hier ihr teuflisches Wesen. Zwei schiessen Pfeile ab und der dritte hält eine Schlange hoch in die Luft. Die erste Lebendengestalt links hält man für „den Wucherer". Es ist aber der zweite „Freund" Everymans, der „Reichtum" der Welt, welcher hier von den triumphierenden Toten vernichtet wird. Die zweite Gestalt eines vornehmen Jünglings, welche sich in dieser Szene C nach rechts wendet, um sich zu flüchten, wird für einen „Arzt" gehalten. Wenn das richtig ist, so ist es der dritte Freund Everymans, die „Gelehrsamkeit", die „Weisheit", welche auch durch eine Schlange symbolisiert zu werden pflegt. Aber ich glaube, es ist eher nur ein „vornehmer" Jüngling. der zu den Freunden Everymans gehört und von einem Pfeile schon getroffen wurde. Von den Ständen der besiegten Menschheit folgen dann auf der dritten Mauerfläche nach Szene C der Advokat, Spielmann, Pfarrer, Bauer, Mönch, das Kind und der Küster. Der erste Toten-Tanz in Europa, der uns bekannt ist, zeigt also ebenso klar eine erweiterte Variante der Totenlegendenform der Gesamtlegende, wie der erste Todes-Tanz-Text, der spanische Todes-Tanz, eine erweiterte Version der Todeslegendenform der Gesamtlegende ist. Fig. 4. — Die Kreuzszene des Todes-Tanzes in der Marienkirche zu Berlin. — In der Vorhalle des einen Turmes der Marienkirche zu Berlin befindet sich ein Todes-Tanz, der gegen Mitte des XV. Jahrhunderts gemalt wurde. Den Mittelpunkt der Darstellung bildet hier die Kreuzszene. In La Chaise-Dieu wurde am Anfang der Bilderreihe Adam und Eva dargestellt: die Personifikation des Triumphes der Sünde. Der Geistliche wies darauf mit seinen zählenden Fingern hin, dass, sowie die Sünde durch einen Menschen in die Welt trat, so die Menschheit durch einen Menschen, den Gottesmenschen erlöst wurde. Somit bekleidet das Kreuzbild im Todes- und Toten-Tanz den Petrarca-Triumphen entsprechend den „Triumph der Gottheit", gegenüber dem Triumph der Liebe (Adam und Eva) und dem Triumph des Todes oder der Toten. — Phot, nach Künstle : Die Legende der drei Lebenden und der drei Toten und der T°' e n' an z. Freibug 1908, S. 75. Fig. 5. — Die Kreuzszene des Berner Todtentanzes. — Wie es aus dem von Nikolaus Manuel Deutsch in Bern 1517—1519 gemalten Todtentanz ersichtlich ist, ist die Kreuzgruppe in den Todtentänzen auch eine Tradition geworden. Bestärkt wurde diese Tradition nicht nur durch die Kirchholsszenen der Gesamtlegende, sondern auch durch die Toter,-Tänze, bei denen ein „Kirchhofskreuz" zu den natürlichsten Kulissen der Darstellung gehörte. Phot, nach Goette : Holbeins Totentanz und seine Vorbilder. Strassb. 1897, S. 152, Fig. 78. Tafel XXII. — Aus dem Pariser Totentanz. Fig. 1—2. — Anfang und Schluss des Pariser Totentanzes der lateinischen Ausgabe von P. Desrey — ca. 1490— 1499 — (hg. in : Monuments de la Xylographie VII. Danse Macabre, reproduite en facsimilé par Adam Pilinski. Paris 1884.) Es ist die dritte Ausgabe des Pariser Totentanzes. Aber die vier musizierenden Toten am Anfang und der Mann, der am Ende (unten) den toten König 'und daher die ganze Reihe der Stände) in Vision sieht, sind auch in den ersten drei französischen Ausgaben wesentlicher Bestandteil der Totentanzreihe und beweisen den Legendenursprung. In der ersten franz. Ausg. 1485 (décrite par M. Champollion), Folio, tritt der Totentanz schon in dieser Form, mit diesem Anfang (dem noch das Bild des Autors vorangeht) und diesem Ende auf. Die zweite (Troyes) Ausgabe erlitt die Zugabe des Textes und Bildes der drei Lebenden und Toten : 1486 (Folio, gotisch). Aus demselben Jahr (1486) stammt auch die dritte Ausg bei Guyot, „merchant demorant etc" (Folio, gotisch), aber noch mit der „la danse macabre des femmes" und einer „débat de l'äme et du corps" erweitert. Letztere sind also Zutaten. — Phot, nach A. Pilinski. Tafel XXXIII — Aus dem Toten-Tanz von Paris und Kermaria und dem Todes-Tanz von Strassburg. Fig. 3. — Der Acteur des Pariser Toten-Tanzes. — Die Druckausgaben des Pariser Totentanzes nennen die einleitende Gestalt des ersten Predigers den „Autor", denn er ist ja jener „visionäre Mann", der die Vision des Totentanzes, bzw. der erweiterten Gesamtlegende in erster Person erzählt. Nach der Meinung einzelner Forscher ist die Gestalt des Autors im Bezüge auf den Pariser TotenTanz der berühmte Pariser Gelehrte Johannes Gerson. — Photo nach der schon erwähnten Ausgabe von P. Desrey, hg. Adam Pilinski. Fig. 4—5. — Die ältere Form der Totenlegende in Druckausgaben des Pariser Toten-Tanzes. — Wie auf dem Bilde Tafel XX, Fig. 9—10, werden auch hier, am Schlüsse der Buchausgaben des Pariser Toten-Tanzes die drei Toten der älteren Totenlegende bei einem Kirchhofskreuz den drei Lebenden, d. h. drei vornehmen Reitern gegenübergestellt, die sich auf einer Jagd befinden. Der alte Eremit in der Höhle weist auf die drei Totenleichname und einer von den drei Reitern, der schon vom Pferde stieg, ist scheinbar geneigt, sich zu bekehren. Die Verle-