KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

IV. Das Vadomori

- 196 — chen sollte. Aber er reizte Gottes Zorn gegen die Mensch­heit auf. Gott zerstörte ihre Sprache und zerstreute sie. Und wo ist der Turm ? N u r der Name der Stadt ver­ging noch nicht spurlos ! Alithia stellt also die „Vergäng­lichkeit" als eine Macht hin, der alle menschlichen Werke, wenn sie auch noch so gross sind, zum Opfer fallen müs­sen. — Auch Pseustis weiss es, — wie er dies in der ersten Hälfte des achten Strophenpaares erzählt, — dass über den einäugigen Riesen, den. Zyklopen, die der Macht Juppilers die Blitze schmieden, eine noch grössere Macht herrsche : Apollo, der Todesgotl, der die Zyklopen dem Tode weiht, weil sie den Paeon-Asklepios töteten. Aber Apollo kann nicht nur „strafen", er ist auch der Licht­gott, der auch in den Alltag herabsteigen und wolhtätig wirken kann, wie er die Schafe des Admetos hütete, als ihn Juppiter zur Strafe seiner Gottheit zu entkleiden be­schloss, aus Rache, dass er die Zyklopen nunmehr ver­missen muss. Wenn auch im Exil lebend, brachte er Se­gen. Nun ist die Reihe an Alithia, um zu zeigen, dass auch Abraham sein Vaterland verlassen und im Exil le­ben musste ; aber dem frommen Mann wurde durch Isaaks Geburt herrlicher Lohn. Bei Apollo war es eine Verbannung wegen Mordes, bei Abraham war die Ver­bannung eine Ausweisung zum Leben. — Möglich, dass dort der alte Vater mit dem spätgeborenen Sohn seine Freude hatte, — meint Pseustis im neunten Strophen­paar, — aber ob auch der Sohn folgsam war? Denn, — und damit beginnt diese Strophe! — Daedalus teilt mit den durch Wachs zusammengeklebten Federn die flüssige Luft und der Sohn begleitet ihn, — folgt ihm aber nicht, er nähert sich unklug der Hitze der Sonne, das Wachs wird flüssig, er fällt ins Meer, unterdessen aber sucht der Vater den Schutz der kaltbringenden „Bären". Da aber hat auch wieder Alithia ihr Gegenstück aus dem Alten Testament 1 Der Patriarch Abraham betrachtet erst nicht das eigennützige Wohl seines Sohnes oder seines Selbst, sondern ist gleich bereit, dem göttlichen Befehl ge­mäss seinen Sohn zu opfern. Da kommt aber vom Him­mel nicht die schädliche Hitze, sondern es ertönt von oben her der erlösende Ruf, der Bock wird ergriffen und geopfert, und erst dann begleitet der Sohn den Vater ! Also alles umgekehrt — und der Himmel spendet Wun­der : erst die warnende Stimme, welche das Leben Isaaks rettet, dann ist auch zugleich der Bock zur Hand ! Wer sollte grössere Wunder sehen ? — Aber Pseustis weiss von einem noch grösseren Wunder ! (10. Strophenpaar). Er erzählt, wie Phyllis, von der Liebe des stolzen De­mophon betört, Selbstmord begeht, weil dieser sie knapp vor der Hochzeit verlässt, wie sie aber von den Göttern in eine Eiche verwandelt wird. Als dann Demophon doch noch zurückkehrt und den Baumstamm küsst. breitet ihm der Baum die Blätter entgegen, als würde die Geliebte den Kuss auch jetzt noch fühlen können. Aber auch Ali­thia weiss von einer „wunderbaren Verwandlung 1" Loths unfolgsames Weib wird zur Salzsäule ; Tiere lecken daran. Ihn selbst rettet Segot (Zoar), da Gott ihn um Abrahams willen verschont. — Und jetzt geht es dann im Gedichte immer bunter drunter und drüber ! Diomedes verwundete dagegen die Göttin Venus im Kampfe — berichtet wieder im 11-ten Strophenpaar Pseustis. Das haben seine Gefährten zu beklagen, denn sie werden in Vögel verwandelt. Ali­thia berichtet dagegen, dass auch Jakob mit Gott rang und an der Hüfte gelähmt wurde ; und auch seine Treuen nehmen Teil an seinem Geschick, denn die Ju­den essen zur Erinnerung daran nicht die Sehne von der Hüfte (Gen. 3233). — Pseustis will nun ein noch grösse­res Wunder erzählen : eine Totenerweckung ! (12. Strophen­paar). Durch die Verleumdung seiner Stiefmutter kommt Hippolytus um, von seinem Gespann zu Tode geschleift. Aber Diana erweckt ihn, und er lebt als Virbius (Vir bis vivus) fort. Im Hain Egeria zu Latium bei Aricia wurde dann dieser Virbius verehrt. Aber Hippolytus wurde von der Stiefmutter verfolgt, weil er ihre unnatürliche Liebe zurückwies. So widerstand nach Alithia auch Joseph, durch den Neid der Brüder als Sklave verkauft, der Leiden­schaft des buhlerischen Weibes , aber aus dem Kerker kam er zu hohen Ehren und regierte die Gefilde von Ca­nopus. Pseustis hört noch immer nicht auf, die merkwür­digsten Wundergeschichten zu erzählen, aber in den bi­blischen Geschichten der Alithia folgt nun der Auszug aus Ägypten, Besetzung Kanaans und die Zeit der Richter. Bisher behandelte Alithia die Ur- und Patriarchenzeit. Im ersten Teil des dreizehnten Strophenpaars erzählt Pseu­stis über Cadmus, der den siebenköpfigen Drachen tötete, der den Griechen das Alphabet brachte und dann durch ein linkisches Geschick der Fortuna selbst zu einem Dra­chen wurde. Ein ähnlicher Schwarzkünstler war nach Alithia auch Moses, denn er machte in Ägypten die Kün­ste der Zauberer zu Schanden (wobei ebenfalls Schlangen die Rolle spielten). Er führte sein Volk aus der Knecht­schaft und vernichtete die Feinde im Roten Meer. — Nach Pseustis .(14. Strophenpaar) verführt Juppiter in Stier­gestalt Agenors Tochter; aber Agenors Verfolgung entron­nen, ehrt er sie mit dem Namen, den ein Dritte] der Welt trägt. Alithia entgegnet, dass auch Aarons goldenes Kalb die Menge zum Abfall brachle ; der Stamm Levi ver­söhnte aber Gottes Zorn und erhielt für alle Zeit das Vor­recht des Priestertums. — Im fünfzehnten Strophenpaar wird dann der Gedanken von Treue und Untreue weiter erörtert. Amphinraos wurde nach Pseustis von der Gattin um einen Schmuck verraten, entging aber dem Feinde, indem ihn die Erde verschlang, während das falsche Weib indessen von der Hand des eigenen Sohnes fiel. Nach Alithia sinkt Korah mit einer Rotte zur Hölle hinab ; aber den Moses bettet Gott selbst in die Erde! dass keiner sein Grab finden kann. — Zorn und Rache Gottes ist nun wieder der Gegenstand der Vergleichung. Pseustis beruft sich auf den Zorn Junos, von welchem verfolgt Jo einherirrt und brüllt, als Kuh der Sprache be­raubt. Hier wird also ein Mensch zu einem Tier und verliert das Sprechvermögen. Alithia weiss ein grösseres Wunder : Bileams Eselin redet in menschlicher Sprache, als ihr der Engel enlgegentritt (16 Strophenpaar). — Was ist das für ein Wunder, denkt sich Pseustis, wo ein Tier um eines Engels willen spricht ? Er weiss etwas noch Grösseres 1 Die Natur hemmt ihren Lauf, um eines Gottes willen (17. Strophenpaar) ! Dass Juppiter auf Amphitryons Lager sich der Liebe erfreue, verlängerte die Mondgöttin die Nacht : Herkules, die Frucht dieser Liebe, erwürgt die von der eifersüchtigen Stiefmutter gesandten Schlangen. Aber auch Alithia weiss etwas Ähnliches 1 Auf Josuas Ge­heiss hemmte einst die Sonne ihren Lauf, dem siegrei­chen Volk zur Hilfe bei rühmlicherem Werke, als dies bei Juppiter der Fall war. — Von der „rühmlichen Tat" fällt dem Pseustis (18. Strophenpaar 1 die Gestalt des Herkules ein. Dieser führte unvergleichliche Taten aus. bis er durch Deianira unterging. Alithia erinnert ihn aber auf Simsons Stärke, welche Tausende niederstreckte ; er trug die Tore der Stadt davon und sprengte alle Bande, bis auch ihm ein Weib zum Verderben wurde. Jetzt (Vs. 181 ff.) fängt Pseustis an, in Verlegenheit zu geraten ; er ruft die Götter des Himmels, der Erde und der Tiefe zu seiner Hilfe an : Numina mille deum vatem de­fendite vestrum ! Uithia dagegen wendet sich an den dreieinigen, ewigen Gott, dass er ihr im Kampfe wider die Lügen helfe. Merkwürdig, wie sich der Dichter aus­drückt : Deus, maiestas, gloria, virtus, Quod fuit, est et erit, . . . Cui tres personae. tria nomina ... (Vs. 185/7). Dann setzen beide den Streit in der vorigen Weise fort. — Im 20-sten Strophenpaar spricht plötzlich Pseustis über den Zaubergesang des Orpheus, dessen Macht die Pro­serpina bewegt, Euridice auszuliefern. Alithia weiss es, worauf Pseustis damit zielen will. Sie scheut sich aber nicht, über das „Saitenspiel" zu sprechen und des gros­sen Künstlers ihres Instruments zu gedenken, Davids, der mit seinem Spiele schon als Knabe die bösen Geisler zu banenn vermochte, welche den Körper des Königs pei­nigten, der aber dann selbst zum Könige wurde. Ebenso stellt Alithia der Kräuterkunde Merkurs die Weisheit des „Ididas" (Salomo 2 Sam. 1225) entgegen (21-stes Strophen­paar). — Ceres sandte einst auf dem Drachenwagen der hungernden Menschheit den Triptilemus. dass er sie den Ackerbau lehre. Durch die Kraft des Gebetes hielt Elias den Regen ab ; er selbst aber wurde in der Verbannung t wunderbar gespeist (22-stes Strophenpaar 1. — Auf dem Rosse, das aus der versteinernden Gorgo hervorging, ver­suchte sich Bellerophon, nachdem er die Chimära erlegt halte, zum Himmel aufzuschwingen. Dem Zorne Isebels entrückt der feurige Wagen den Elias (23-stes Strophen-

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