KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

IV. Das Vadomori

- 197 — paar). — Aurora, die ihrem Günstling Tithonus das Le­ben verlängern will, macht ihn zur Heuschrecke : das Andenken seines vor Troja gefallenen Sohnes erhalten in jährlicher Versammlung die (aus seiner Asche hervorge­gangenen! Vögel. Auf sein Gebet und seine Tränen wurde dem König Ezechias die Stunde des Todes hinausgerückt ; zum Zeichen dessen ging die Sonne in ihrer Bahn zurück (24. Strophenpaar). Wie wir es also sehen, kommt in dem Gedichte auch jene Everymanszene vor, welche ich im ersten Band meiner GTT S. 80b mitgeteilt habe. — Hoch über menschliches Lob erhaben ist — sagt Pseustis im 25. Strophenpaar, — der Gründer der olympischen Spiele, Hercules. Lorbeer und feierliches Geleit ehrt den Sieger, Schmach und Schande fölgt dem Besiegten. Nach Alithia beklagte einst Israel in Josia den Wiederhersteller seines Kults, der das Passahfest zu Ehren brachte , kein Ge­ringerer als Jeremias hat ihn beweint. — Salmoneus, der in Elis irevelhalt den Donner und Blitz nachahmt, er­liegt Juppiters rächendem Strahle. So büsst nach Alithia Nebukadnezar seine Vermessenheit mit siebenjährigem Wahnsinn (26. Stophenpaar) Pseustis wünscht in immer wachsender Bedrängnis (Vs. 245 ff.), es möchte endlich der Abend dem Streit ein Ende machen. Aber die Rosse des Phoebus zögern, als sollte die Welt abermals ein Unglück erleben, wie zur Zeit Phaéthons. Alithia durchschaut Pseustis und trium­phiert : Die Sonne ist an ihren Lauf gebunden, den ihr Gott verordnet hat ; nur Verzweiflung spricht aus dem Gegner. Noch aber gibt dieser sich nicht gefangen (27-stes Strophenpaar). Pseustis versucht, sich mit Siegesbildern zu trösten. Vergebens schliesst Akrisius die Danae im Turme ein : der liebeslustige Gott findet in Gestell eines goldenen Re­gens den Weg zu ihr. Wer also siegen will, bezwingt alle Hindernisse. Alithia aber sieht ihre einzige Hilfe in Gottes Gnade, wie auch den Daniel Gottes schützende Hand vor der Wut der Löwen trotz versiegelter Pforten errettet ; Habakuk, von dem Engel am Schöpfe durch die Lüfte getragen, brachte ihm Speise (28. Strophenpaar). -— Niobe musste den Stolz auf ihre Leibesfrucht schwer büssen ; darum opfert Weihrauch der Diana, die ihr eure Kinder erhalten wollt 1 Damit will Pseustis freilich den Stolz der siegesbewussten Alithia dämpfen. Alithia weist darauf hin, dass die keusche Reinheit die höchste Kraft des Weibes sei, welche es gegen alle Gefahr schützt. Susanna, von den lüsternen Greisen überrascht, widerstand der Sinnen­lust trotz der Gefahr, die sie bedrohte (29. Strophenpaar). — Pseustis antwortet mit Schmähungen über die Weiber. Weibersinn hat schon manchen Held zum Fall gebracht ; die Furchtbarkeit des Weibes bezeugen Prokne und Me­dea. Hinweg mit so schändlichen Greueln I — ruft Alithia aus. Die Kratt des Weibes erfuhr Holofernes. von blinder Liebe zu Judith betört (30. Strophenpaar 1. — Scylla, von quälender Leidenschaft für Minos entbrannt, beraubte den alten Vater verräterisch seines purpurnen Haares ; aber von Minos Verstössen, ward sie in einen Vogel verwan­delt und von dem (zum Seeadler gewordenen) Vater ver­folgt, — erzählt Pseustis, um die bösen Neigungen des Weibes in einem Beispiel zu zeigen. Alithia preist dage­gen die Schönheit Esthers, die den König von Medien und Persien rührte ; auf den Thron Vastis erhohen, wehrte sie von ihrem Volk das drohende Unheil ab (31. Strophenpaar). Hiert hört die Gegenüberstellung alter Sagen und biblischer Geschichten auf (Vs. 285 ff ). Pseustis ruft die Musen und Nymphen herbei, er möchte alle die Geister und Wesen herbeiwünschen, welche Ennius in seinen Distichen besungen hatte. Alithia verspottet diese Wahnge­bilde der Furcht und der Lust ; wenn Himmel, Erde, Meer und Unterwelt ihre besonderen Götter haben, warum nicht auch die einzelnen Glieder? — Dem Hirten wird es da­bei immer unbehagliher. gern wäre er die Gegnerin los : der Wolf stellt ihren Lämmern nach I — ruft er aus, da­mit versucht er-sie zu beschwichtigen. Cede. dies, caelo, quia nescit cedere virgo 1 Alithia will sich aber den Sieg nicht entreissen lassen ; mögen sich die Schafe mit erho­benen Hörnern verteidigen, wie einst das Osterlamm den bösen Feind besiegte 1 Alithia spielt also auf jene Tri­umphszene Christi über Tod und Teufel an. Christus hat die Vielheit der Götter, — die doch mit Teufeln identisch sind ! — am Kreuze, durch seinen Kreuztod vernichtet (33. Strophenpaar). — Pseustis sucht seinen Polytheismus zu verteidigen: Es gibt so mancherlei Übel in der Welt; wie könnte ein Gott allein sie alle abwehren?! Alithia erwidert : Mannigfach sind die Güter der Welt ; das grösste Gut aber ist, nach dem Tode dem Zorne des Richters zu entgehen (piacari iudicis iram). Alithia spricht also hier, im zweiten Teil des 34-sten Strophenpaares den Grund­gedanken der Vergänglichkeitsliteratur aus. Abermals äussert der verzweifelnde Pseustis die Besorgnis (35 Strophenpaar), am Himmel sei irgend et­was nicht in Ordnung ; schon geht seine Verteidigung in Spott über : die Götter schlafen wohl , oder becherten sie aus Lethes Nass ? Cede, dies, caelo, quia nescit cedere virgo 1 Alle Kreatur harrt auf den, der keinen Schlummer kennt, entgegnet nun Alithia. und fleht zu Gott um Bei­stand. — Pseustis versucht nun sein Heil zuletzt mit einer Art Rätselfrage, der aber Alithia rchlagfertig eine schwie­rigere entgegenstellt. Die „keineswegs durchsichtigen Ver­se" teilt Vollmer nach ihrem Wortlaute mit. Es ist das 36-ste Strophenpaar. Zwei Fragen stellt Pseustis an Ali­thia. Erst befragt er sie, wer es dem Pluto verraten habe, dass Proserpina, die von Hades geraubt und in die Unter­welt geführt wurde, einen Kern jenes Granatapfels ver­schluckt habe, den ihr Hades zum Brautgeschenke gab ? Es ist freilich Ascalaphus. Als zweites fragt Pseustis. ob Alithia wisse, was das „Troianum secretum" sei ? Es ist freilich das Palladium, über welches ich im ersten Band meiner GTT S. 129 zeigte, dass es ein Totenleichnam war. 1 Noch interessanter sind aber die beiden Fragen der Ali­thia ! Sie sagt : So wie das Meer der Erde unterworfen ist, so ist die Erde dem Olymp ergeben, d. h. dem Him­mel. In der Mitte schwebt immer die unsicher bewegliche Luft. „Sage mir, wo überragt die Erde die leichte Achse des Himmels ?" — fragt Alithia. Diese Stelle wurde sehr verschieden ausgelegt (vgl. Vollmer, a. a. 0. S. 328, Anm. 3), aber die einzige wirklich „bildsame", die einzig ver­sländliche Lösung der Frage kann nur diese sein : In Christus am Kreuze. Denn in Christi menschlichem Kör­per. der doch. — wie jeder Menschenkörper. — aus dem Staub erschaffen wurde, überragt die „Terra", die „Erde", also jene symbolische Personifikation der „Gaia" auf den Kreuzbildern die Weltachse in dem Momente, als Christi Kreuz erhöht wird und der Heiland darauf stirbt. Man muss sich also den Hintergrund und das ganze Bild des Streites zwischen „Lüge" und „Wahreheit" so vorstellen, dass die beiden unter dem Kreuzbilde stehen 1 Christi Wunden sind jene „Quelle", aus welcher der „wunder­bare FIuss", Christi Blut, hervorströmt. Aber man soll sich sogar direkt ein Kreuzbild mit den mystischen Zahlen und Zeichen des Evangeliars der Uta denken ! Dies be­weist die zweite Frage der Alithia : „Und kannst du mir restlos das „Dei tetragrammaton" erklären ?" Ich ersuche den Werten Leser die Bilder Tafel IV. Fig. 3 und Tafel V. Fig. 3 GTT Bd. I. (vgl. hier S. 56 Abb. 8. S. 85 Abb. 15.) näher zu besichtigen und die dazu gehörige Erklärung durchzulesen I Es sind dies der „Oxforder Zai - beororganiolus" und der „cubus Symphonicus" auf dem Kreuzbilde des Uta-Evangeliars ! Das sind jene „Tetra­grammton Dei", in denen Christus auf seinem Kreuzeden Teufel und den Tod besiegt hatte 1 — Nun freilich muss sich auch Pseustis im ersten Teil des 37-sten Strophen­paares für besiegt erklären, denn e r ist es eben, der in jenem „Tetragrammaton Dei" besiegt wurde : der Teufel, d. h. die Lüge seit Anbeginn ! Pseustis spricht hier eigent­lich zur Seite und gesteht, dass wenn er zugeben wollte, von dem Mädchen besiegt zu sein, so müsste er ja wie Kalchas trauern, der dem Mopsus unterlag Alithia indes­sen weiss nichts von Ermüdung ; sie wünscht sich den Thaies als Vertreter heidnischer Weisheit zur Stelle, um ihm aus den vier Evangelien die Fleischwerdung Got­tes zu demonstrieren; die Mühe soll sie nicht verdriessen. Da will sie freilich wieder die „Vierzahl" der Evangelien hervorheben, um dem Thaies, einem Vertreter der „gehei­men Wissenschaften", aus dieser geheimen Zahlenspie­lerei die „christliche Wahrheit" zu beweisen (wie- ja auch die „vier Buchstaben" im Namen Gottes HTT 1 zufällig 1 Daselbst besprach ich auch die wahre Wesen­heit der Proserpina, welche eigentlich mit dem Lebens­rade und Zeitrade identisch ist !

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