KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

IV. Das Vadomori

12. Vado mori crapulu quae sedula fercla relorquet. Torquel adeps misera viscera vado mori 13. Vado mori castus, nullaque libidine pastus ; Vt uideam teneam celica. vado mori 14. Vado mori veneris celeris. teda cum lue ieda. Ut pene plene sint michi. vado mori. 15. Vado mori vitis, humilis non. corde lumente ; Ut michi sit varia gloria, vado mori. 16. Vado mori lumtdus et acerbus. mente superbus. Ad Iimos imos transeo. vado mori. 17. Vado mori late, circumfusus pielate Dyra michi reserans ostia. vado mori 18. Vado mori pauidus. miser, invidus. omnibus hostis. Postis auernus auet me sibi. ostia. vado mori 19. Vado mori amitis. ducis auclus nonore qu iritis. Predia. preliaque transfero. vado mori. 20. Vado mori. regis clarus dyademale legis (;) Custos. et iustos transeo. vado mori. 21. Vado mori bacute. quid et anule. mitra. peristis (?) Tristis adest hora. nec mora, vado mori. 22. Vado mori pupa, velim satrapa. nomen et (est ?) omen. Hoc leue siue brcue desero. vado mori. Dieses Lambertus-Vadomori ist tatsächlich eine sehr merkwürdige Formation ! Erstens überrascht uns die grosse Wortspielbravour und eine Verskunst, welche wirklich nur mit den konpliziertesten Kanonformen auf musikalischem Gebiete zu vergleichen wären. Zweitens möge man beachten, dass die ersten „sieben Disti­chen " die „sieben Alter" des Lebensrades dar­stellen ! Dies hat man bisher noch nicht be­obachtet, und daher stand man dieser eigenarti­gen Vadomoriform ganz fremd gegenüber. Mit dem „nature cedo, recedo" wird ganz offen das Auf und Ab am Lebensrade angedeutet. Dann folgt „ortus", das Wickelkind , weiter, „puer ", der Knabe, dann „adolescens" , „iuve­nis", „vir"; darüber hin folgt der Alte, „vetulus, querulus" usw. Als „Achte Stufe" folgt ein Di­stichon allgemeinen Inhalts über die „aetas"... Die weiteren Distichen sind Darstellungen der Tugenden und Laster : neben dem Armen steht der Reiche, neben dem Asketen der Schlem­mer, neben dem Reinen der Diener der Venus, neben dem Demütigen der Stolze, neben dem Frommen und Sanftmütigen der Gehässige, — bis dann zum Schluss nur folgende Stände auftreten : der „comes", der „rex", der Bischof mit der Mitra und der Papst. Wie wir also sehen, erscheinen hier zusammen alle Elemente der Lebensradbilder : die Lebensalter, die Vitia und Virtutes in menschlichen Gestalten verkörper­licht und die „vier Stände", unter denen der „stärkste Stand", der dann das ganze Gedicht beendigt, der Papst sein soll. Wenn ich es also oben behauptete, dass das Vadomori aus dem Lebensrad und aus jenen „Ständesprüchlein", sowie aus den „Rei­henfolgen der je stärkeren Dinge" zusammen­gefügt wurde, so ist dabei das Lambertus-Va­domori mein sicherstes Zeugnis für diese meine Theorie ! U. zw. noch aus de"m XI —XII. Jahih.! Willy Storck hal in seiner zitierten Abhandlung als die "vierte Fassung" jene Vadomori-Distichen besprochen, deren jedes mit je einem Distichon aui den Kehrreim „ Vive deo" ergänzt wird. Diese Fassung wird dem Wal­ter Map zugeschrieben und befindet sich in der Hschr. London, Roy. 8 B. VI. saec. XVI. — stammt aber frei­lich noch aus dem XII —XIII. Jahrhundert ! Näheres darüber s. unten im Rahmen der .Londoner Kompitationsfor­mel" der Gesamtlegende ! Die „fünfte Vadomorifassung" bringt nach Storck eine Reihe von französischen Bearbeitungen der Vadomori­gedichte 1 in den folgenden Handschriften: 1. London, Brit. Mus. Ms. Add. 29986, fol. 147r, 60 Strophen, aus dem Lateinischen übersetzt, aber in sechszeiligen Stanzen und eine jede Stanze beginnt und endigt mit „Je vois mourir". Hier ist das franz. Vadomorigedicht ein Teil des „Mirouer des Dames" und Trägt den Titel : „Mirouer de mortel vie". Nach dem französischen Vadomorigedichte folgt „Maison de Paradis" und vor ihm steht das Gedicht „Cloistre de I'ame". - 2. Paris, Bibl. Nat. ms fr. 916, fol. 170. - 3. Paris, Bibl. Nat. ms. fr. 957, f. 123. Es ist die Version in der sog. „Pariser Kompilationsformel". — 4. Paris. Bibl. Nat. ms. fr. 1555, fol. 221 aus dem Ende des XIV. Jahrhun­derts. — 5. Cambridge. Magdal college. Coll. Pepys, 1938. — 6. Paris. Bibl. Nat. früher St. Victor, 886, iol 222, vgl. Le Roux de Lincy, Le livre de proverbes frangais, zweite Aufl. 1859, II, S. 553 - 7. Brüssel. Bibl. roy. 9556. Vgl. Gröbers Grundriss, S. 865. Diese Fassung pu­bliziert von Méon, Vers sur la mort, 2. Aufl. 1835, S. 73 ff. s. unten! 1 Als die sechste und vollständigste Version der Vadomorigedichte, und zugleich auch die jüngste Bearbei­tung der Vadomoriidee erwähnt Storck das Werk von Anton Steinhauer : Vado mori sive via omnis carnis morte duce mortalibus in Processione Mortuorum mostrala. Strassb. 1731 und Cöln 1745. Mit einer Einleitung „De doctrina mortis", mit dem Anfang „Disce mori, quicunque legis mea carmina lector ! Quisquis es auditor ! tu quoque disce mori !" Dann folgen weiter die Vertreter der Stände und ein jeder Standesverlreter spricht einen Vadomori­monolog, u. zw. nach den einzelnen hierarchischen Grup­pen eingeteilt : hierarchia secularis, religiosa, academica etc. Die „Processio mortuorum" schliesst dann ein „Dia­lógus inter mortem et poetam" ab. 3 Alle diese Vadomoriversionen sind Aste und Blätter auf einem reich belaubten Baume, 1 Vgl. Fehse, a. a. 0. in der Zeitschr. f. deut. Phi­lol. 42. S. 280 ff.; vgl. die Hschriflen Bibl. de Lyon. Nr. 1234, XV. siécle, ca. 1451—2, fol. 169: „Je vois mourir, venez avant ... De plus dire, je vois mourir"; Bibl. d'Angers, Nr. 548, XIV. siécle, fol. 48, knapp nach einem französischen „Ständesprüchlein! auf Fol. 42 ; fol. 47 steht leerl; vgl. Zeitschr. f. Romanische Philologie, I. 1877, Halle, S. 548 — 549: H. Varnhagen Neueste Erwerbungen des Brit. Mus. A. Altfranzösisches Vadomori unter Nr. 9 : Addit. 29986 : le livre de mirouer des dames, in Prosa, XIV. Jh. 175 Blätter, von einem Minorilengeschrieben.es ist ein Buch für Madame Jehanne royne de France et de Navarre, Tochter Heinrichs 1. t 1305? Aus „La Somme le Roi" des „Frére Lorens" entlehnt, auf fol. 147r-v ein französisches Vadomori in paarweise gereimten Achtsilb­nern geschrieben, 360 Verse; vgl. weiter unten nach dem Kapitel über Helinandus und in der sog. „Pariser Kom­pilationsformel" der Gesamtlegende 1 vgl. auch Romania, 1896. XXV. S. 401 [f. P. Meyer: Les anciens traduc'eurs frangais de Végéce el en parliculier Jean de Vignai. Be­handelt ebenfalls ein französisches Vadomorigedicht im Zusammenhange mit der französischen Version der Le­gende von den drei Lebenden und drei Toten in der Hschr. Cambridge, Magdalene Coll. colleclion S. Pepys, Nr. 1978, 2. Hälfte des XIV. Jhs. 2 Vgl. eine weitere Nachahmung dieser französi­schen Version : Naetebus. Die nicht lyrischen Strophen­formen des altfranzösischen. 1893, S. 142. Hier beginnt das Gedicht : „Li fil Adam, avant venes . . ." 3 Vgl. bei Slork die dort erwähnten vadomoriähn liehen Texte ; „Las horas de nuestra senora con n uchos otros oficios y oraciones". Paris 1495; in einer Hschr. des XV. Jhs. in Heidelberg, Cod. Pol, germ. 37, fol. 104a, als Randglosse : Mors seruat legem tollit cum paupere regem. Nam regis et pauperis lex est moriendi commu­nis . . ." Ein Gedicht des XIII. Jhs. in Paris, Mazarine, 1007, fol. 4J2v: „Mors fera, mors nequam, que nunquam parcit et equam . . ." etc.

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