KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

IV. Das Vadomori

auf dem riesiegen Baumstamm der mittelalter­lichen Contemptus-Mundi-Literatur. Sie führen uns schon halbwegs zu den Totentänzen hin­über ! Bevor aber aus ihnen noch ein Totentanz werden konnte, — da musste noch eine Le­gende entstehen, in deren Rahmen das Vado­morigedicht seine Weiterentwicklung finden durfte ! Bevor ich aber noch auf die Geschichte der „Gesamtlegende" weitergehe, möchte ich noch in einem einzigen Falle zeigen, dass das Vadomorigedicht tatsächlich mit jener mittel­alterlichen musikalisch-mystischen und volks­tümlich-esoterischen Weltanschauung in Ver­bindung stand, welche ich schon charakterisiert habe, — welche es dann ermöglicht hatte, aus dem Vadomorigedichte den Text zu einem my­stisch-magischen Kirchhofstanzspiel zu machen, dessen Namen mit der Zeit „Danse Macabre" werden sollte. 3. Das Vadomori im Zusammenhange mit der „musikalischen Weltanschauung des Altertums und Mittelalters Auf mein Ansuchen hat mir der Hochge­schätzte Herr Direktor der Stadt- und Hoch­schulbibliothek zu Bern, Dr. Hans Bioesch, die Negativphotographie der Seite fol. 142b der Handschrift Cod. 512 derselben Bibliothek gü­tigst zugeschickt. Die Ursache, warum ich ge­rade diese Seite der Handschrift abphotogra­phiert sehen wollte, war der Umstand, dass sich auf dieser Stelle der Handschrift ein Va­domorigedicht befand. In dem Catalogus Cod. Bernensium in der Bibliotheca Bongarsiana, welcher i. J. 1874 von H. Hagen ediert wurde, wird zwar diese Hand­schrift sehr eingehend beschrieben, doch war mir der Zusammenhang des hier mitgeteilten Vadomorigedichtes mit den übrigen Stücken der Handschrift nicht besonders klar. In dem er­wähnten Katalog heisst es von der Handschrift Cod. 512. saec. XIII. membr. 8° (152 Bll.), dass sich vor dem Vadomorigedicht vor allem „Ma­gistri Matthaei Vindocinensis poema de Tobia" , weiter ein „Tractatus de Septem peccatis mortalibus" befindet ; endlich stehen knapp vor dem Vadomori noch folgende Texte : „Ovidii Heroides", „Ovidii vita" (sogar zweimal), und — was für mich als eine neue und wichtigste Kunde erschien ! — „Catonis disticha" und "Theoduli ecloga cum glossis". Als ich die Negativphotographie der Seite 142b dieser Ber­ner Handschrift erhielt, sah ich mit Staunen, ja Bestürzen, dass auf dieser Seite, also auf fol. 142b der betreffenden Handschrift des XIII. Jahr­hundert sein lateinischer Text abschliesst, den ich noch garnicht kenne ! Gleich im ersten Augen­blick war es mir klar, dass ich es hier mit einem Kommentar zu tun hatte, — und am Schlüsse dieses Abschnittes möchte -ich auch alles, was ich auf der Photographie entziffern konnte, mitteilen. Denn es lässt sich daraus viel auf das wahre Wesen der Vadomorige­dichte folgern ! — Es war mir nur nicht klar, was dieser Kommentar irgendeines lateinischen Gedichtes zu bedeuten hätte, ja, ich war sogar nicht einmal dessen sicher, ob es wirklich der Schluss der „Theoduli ecloga" sei, oder viel­leicht der abschliessende Teil der „Catonis di­sticha". Aus der Preussischen Staatsbibliothek habe ich dann nach Szeged das Werk „Tho­mae Magistri sive Theoduli Monachi ecloga vocum Atticarum. Ex rensione et cum prole­gomena Friderici Ritschelii._ Halis, Saxonum, 1832" mit der Signatur Vz 7420 bestellen las­sen, — musste aber leider gleich feststellen, dass ich unter den griechischen Zitaten dieses Werkes nichts von jenen Zeilen finden werde, die sich als Schluss eines „unbekannten" Kom­mentars knapp vor dem Vadomoritext befinden 1 Nachdem ich mich nochmals an die Berner Hochschulbibl. gewendet habe, erhielt ich von der hochgelehrten Bibliothekarin Dr. Rita Schlaep­fer, die mir auch bezüglich des Helinand'schen Todesgedichtes (s. weiter unten !) wichtige An­gaben zur Verfügung stellte, am 14. Februar 1941 eine Versicherung, dass der Schlusstext auf fol. 142b vor dem Vadomori tatsächlich zu dem „bekannten" Werke des Theodulos ge­hört. Sie machte mich noch darauf aufmerksam, dass 8 Schlussverse des Gedichtes in der Hand­schrift fehlen, weshalb ich mich in der Sache nicht gleich zurechtfinden konnte. Dr. Rita Schlaepfer machte mich auch auf die Ausgabe der „Ecloga" des Theodulos von J. Osternacher (1902) aufmerksam und auch in dem Werke „Deutsche Dichter des lateinischen Mittelalters in deutschen Versen von Paul von Winterfeld" 1 fand ich dann zufällig auf S. 485 den kurzen Inhalt des Gedichtes und auch den Hinweis auf die Abhandlung von Hans Vollmer : „Zur Geschichte des biblischen Unterrichts. Theoduli Ecloga und die Catalogi des Otto Brunfels" in der Monatschrift für die kirchliche Praxis, NF. IV. Jahrgang," — beide bibliographischen An­gaben in der Studie von Winterfeld über den „Mimus im Mittelalter". Aus Berlin erhielt ich zuletzt dann auch die genannte Abhandlung Vollmers und die mit einer lateinischen Einleitung versehene Aus­gabe der Ecloga des Theodulos : Theoduli eclo­gam recensuit et prolegomenis instruxit prof. Dr. Joannes Osternacher. Fiber separatim typis expressus ex „programmate" Collegii Petrini. Ripariae prope Lentiam 1902. Typ. ass. cath". In dieser Ausgabe des Textes fand ich zum Glück jene vier Zeilen der Seite fol. 142b in der erwähnten Berner Hand­schrift, u. zw. auf S. 54. Aus der Abhandlung von 1 Herausgegeben und eingeleitet von Hermann Reich, C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung. München 1913. 2 Tübingen 1904, S. 321-333.

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