KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte

für das erste Tor nach dem Verlassen des ir­dischen Feuerwalls, d. h. für das „Todestor", während als letztes das goldene Tor der Sonne zum „Gottesbesitz" in der „Ogdoas" hinüber­leitet. Daher ist es selbstverständlich, wenn der „Lebensmüde" im altägyptischen Seelenliede erst die mit Zauberwirkung verbundene Frage refrainartig wiederholt : „Zu wem spreche ich ?", d. h. zu welchem „Torhüter-Dämon?"... Dann folgt die Antwort darauf : „Der Tod steht heute vor mir !" — Er befindet sich also schon vor dem „ersten Tor", vor demjenigen des Mondes, währenddessen er gegen das Ende seines Liedes schon als letztes Tor die Sonne erwähnt. Den „überirdischen Seelenweg" betritt aber unser „Lehesmüder" aus altägyptischen Zeiten schon während seines irdischen Lebens! Die Begriffe von den Überweltstoren, von ihren dämonischen Hütern und von den „Tiersym­bolen", welche diese Tore bewachen, beziehen sich also auch auf die einzelnen Lebensalter des irdischen Lebens ! Daher wurden schon seit uralter Zeit die „irdischen Lebensalter" (sogar bei den Ägyptern !) durch die einzelnen Mond­phasen und durch den Wechsel der Höhe des winterlichen oder sommerlichen Sonnenweges am Himmel symbolisiert. Also bedeuten schon im Altertum die Tiersymbole des „überirdischen Seelenweges" gleichzeitig die „Torhüterdamo­nen" der einzelnen „irdischen Lebensalter-Tore", durch welche ein jeder Mensch dahinschreiten muss. Dass man dabei „Zauber-Seelenlieder" singen muss, um die feindlich gesinnten „Tor­hüter-Dämonen", welche die feindlichen Erden­elemente bedeuten, dienstbar zu machen, — dies ist nach dem oben Gesagten selbstredend ! Und schon im altertümlichen Rom, im Rom der Kaiserzeit, und später auch in den Jahrhunderten des christlichen Altertums, ver­gass man langsam diesen uralten mystischen Zweck der „Seelengesänge", welche den einsti­gen „Torhüter-Dämonen" galten, — und es ent­stand der „Jammerruf des Toten" oder der „Jammerruf des Sterbenden", dessen Varianten ich schon im ersten Band meiner GTT mitge­teilt hatte. Und schon ein Seneca sagt ja über diesen „Jammerruf", dass er die drohend nahe Todesstunde einleitet, — wie er ja auch in un­serem altägyptischen „Seelenliede" dem Tode vorausgeht : „mors, cum propere accesserit, tre­mis, ploras ..." — so lautet das Seneca-Zitat in dem Dialógus Creaturarum. 1 Der „Jammer­ruf" vor dem Tode wird hier der „Todesfurcht" zugeschrieben, ohne zu wissen, dass er eigent­lich mystisch-magische Bedeutung hatte ! Die Vorstellung von einer „Ogdoas", als von einem „letzten Haus" auf dem „irdischen Seelenwege" — hat sich schliesslich ganz verflacht, und es entstand aus diesen uralten magischen Zauber­systemen ein „allgemein menschlicher Todes­begriff" von dem „Everymans-Tod", als von einem „letzten Hause", zu dem die ganze 1 Vgl. GTT Bd. I. S. 228a. Menschheit, alle Menschen gemeinsam und ein jeder Mensch einzeln, dahinwandert ! Und die „heidnischen Götter" wurden zu „Torhüterdä­monen" dieses ..letzten Hauses" — in der alt­klassischen Dichtkunst ; währenddessen die christliche Weltanschauung den „weissen" oder „schwarzen" Torhütergenius in einen „Engel" oder „Teufel" verwandelte . . . Was spricht Orpheus, der die Eurydice aus der Unterwelt heraufholt, zu den Göttern der Unterwelt in Ovids Metamorphosen ? 2 Er spricht über ein „letztes Haus" zu dem früher oder später alle Menschen gleichsam wandeln müssen : „Omnia debemur vobis ; paulumque morati, Serius aut citius sedem properamus ad unam. Tendimus hue omnes: haec est domus ultima, vosque Humani generis longissima regna tenetis ..." Und noch einmal spricht es Ovid ganz offen aus, dass es einen „Weg" gibt, auf dem alle Menschen einem „gemeinsamen Ziele" entge­geneilen. Und er erwähnt dabei ausdrücklich die „fata", das „Fatum", denkt also an das „Glücksrad" und verbindet diesen Begriff mit der Gestalt der"„finsteren Todesgestalt", die alle Menschen in das Reich ihrer Gesetze ruft : Ovid. Ad Liviam, Vs. 357—360: „Fata manent omneis. Omneis expectet avarus Portitor : et turbae vix satis una ratis. Tendimus hue omnes : metam properamus ad unam : Omnia sub leges mors vocat atra suas . . ." Dasselbe sagt dann auch Seneca, wenn er Ep. 77 erklärt : „Ad hanc legem natus es . . ." „hoc omnibus ante te, hoc omnibus post te accidet. Quantus te populus moriturorum sequetur ! Quan­tus comitabitur ! multa millia hominum et ani­malium hoc ipso momento, quo tu mori dubitas, animam vario mortis genere emittunt ..." Bei ihm entsteht also schon eine „lange Reihe" von Menschen und Tieren, welche alle in einer „gesetzmässigen Reihenfolge" nach ein und demselben Ziele streben : nach dem Augenblick des Todes ! Die Grundidee der späteren Vadomorige­dichte ist also ein gleicher Begriff von einem „irdischen Seelenweg" zum „Todestor" und ein „überirdischer Seelenweg" zum „Besitze der Gottheit". Daher wird in den Vadomorimono­nologen die „porta mortis" und zum Schluss „Christi Besitz" erwähnt ! Zum eigentlichsten Wesen der Vadomorigedichte gehört jenes Ver­fahren, dass in den einzelnen mit dem Refrain eingeleiteten und abgeschlossenen Monologen der Menschen der Lebende seine Lebenstä­tigkeit mit dem Todeszustand und mit der Tä­tigkeit des Todes im Augenblicke des Sterbens in ein allegorisches Verhältnis bringt (z. B. der „papa" erklärt, der Tod Hesse ihn nicht s 1, X., 32.

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