KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

Mönche (Zisterzienser) gegenüber den Bene­diktinern, den „schwarzen" Mönchen, mit ihren Verdiensten gebrüstet. Und wenn unser Gedicht „Chartula nostra" mit demjenigen viel grösseren, aber doch für Wenige zugänglichen des Bern­hard von Morias wetteifern zu wollen scheint, indem er die vom Cluniazenser eingeführte Versform und auch den Gedankengang des Ge­dichtes nachahmt, so möchte ich den Dichter unseres Gedichtes nicht, wie E. Schröder, 1 unter den Cluniazensern suchen, sondern eher unter den Zisterziensern, unter den Ordensbrüdern des hl. Bernhard von Clairvaux. Und wenn der Nachahmer des Contemptus-mundi-Werkes von Bernhardus Morlanensis seinen eigenen Na­men verschwieg und wenn dann als Verfasser seines anonym verbreiteten poetischen Briefes „der grösste Zisterzienser Bernhard" genannt wurde, wenn sein viel kleinerer Contemptus­mundi zu seiner Zeit grösseres Aufsehen machte, eine weit grössere Verbreitung fand, 2 und sich ein grosses Ansehen erwarb, so haben hier in diesem Falle die „weissen" Mönche über die „schwarzen" gesiegt ! Selbst der Dichter des Tex­tes musste es gern zulassen, dass sein Werk­chen dem grösseren Zisterzienser-Namensvetter des Cluniazenser Bernhard zugeschrieben wird, denn dadurch erreichte er ja noch mehr seinen Zweck, den Nymbus jenes anderen Dichters aus dem Kreise der „schwarzen" zu verdunkeln. Dass auch die Zeitgenossen etwas über dieses Verhältnis der beiden Dichter und Dich­tungen wussten, beweist uns — nach 70—80 Jahren der Entstehung unseres Gedichtes — i. J. 1280 Hugo von Trimberg, wenn er in sei­nem „Registrum multorum auctorum" 3 Vs. 487 ff. über ein „grösseres" und ein „kleineres" Contemptus-mundi-Werk schreibt, den Clunia­zenser Bernhardus Morlanensis ganz einfach vollständig verschweigt und „beide Contemptus mundi", also das grössere und kleinere Gedicht, mit diesem Titel ohne weiteres dem Bernhard von Clairvaux zuschreibt. Er rühmt erst diesen „Bernhardus" : „Qui docte composuit maiorem et minorem Mundi contemptus, indicans secularem dictatorem, — nennt den Verfasser der beiden Contemptus­mundi-Werke den berühmten „abbas Clareval­lensis" und „speculum gregis Cisterciensis" und führt dann aber auch die Versanfänge an (Vs. 497 ff.) erst den Anfang des Contemptus mundi von Bernhardus Morlanensis : „Hora novissima, tempóra pessima sunt, vigilemus I Ecce minaciter imminet arbiter ille supre­mus", und fügt dann den Anfang unseres Ge­dichtes hinzu : 1 A. a. 0. S. 341. 2 Wie dies E. Schröder a. a. 0. S. 341 zugibt, 3 Vgl. die Ausg. Huemer. Wien. Sitzungsberichte der Akad. d. Wiss. 1888. „Cartula nostra tibi mandat, dilecte, salutem". So entstand der Irrtum, dass der hl. Bern­hard von Clairvaux der Verfasser von mehre­ren Contemptus-mundi-Gedichten sei, und die Ähnlichkeit der Versform, weiter der gleichgear­tete Inhalt unterstützen den Irrtum, dass die beiden Gedichte, der grössere und der kleinere Contemptus mundi, das Werk ein und dessel­ben Dichters sei und dass es Bernhard von Clairvaux selbst gewesen wäre, der aus dem grossen Contemptus mundi mit dem Anfang „Hora novissima", sozusagen „in usum delphini", einen „Auszug" verfertigt hätte mit dem Anfang „Chartula nostra". Sehr leicht möglich, dass die beiden Texte auch in Handschriften mehr­mals nebeneinander standen, wie dies Schrö­der 4 meint, da ja auch Eilhard Lubin, der Schwager Johann Laurembergs in Rostock i. J. 1610 die beiden Werke gemeinsam heraus­gab, unter dem Titel : „Bernardi Morlanensis Monachi ordinis Cluniacensis De vanitate mundi et gloria caelesti liber aureus. Item alii ejusdem libri tres ejusdem ferme argumenti etc. etc." Hier wird aber auch das kleinere Gedicht „Chartula nostra" dem Cluniazenser Dichter zugeeignet. 5 Wenn man den Text im allgemeinen in­haltlich überblickt, so muss vor allem der Zu­sammenhang mit den Vadomorigedichten auf­fallen. Obwohl unser Gedicht aus lauter He­xametern besteht, war der Dichter nach dem Zeugnis der ersten zehn Zeilen bestrebt, nicht nur auf den Versenden, sondern auch in der Mitte der Verse, wie bei einer Zäsur, paarweise zusammenklingende Reime aufzustellen. Dieses Verfahren erschwerte ihm den Aufbau des Tex­tes, wie der wiederkehrende Refrain diejenige des Dichters der ersten Vadomorigedichte. So entstanden aber Wortspiele, wie auch im Va­domori. So z. B. tibi-ibi, anime-minime, monent­sonent, bonum-donum usw. Ich erlaube mir, nur soviel zu bemerken, dass ich bei einem Ver­gleich mit den Vadomorigedichten in erster Reihe an jenes Vadomorigedicht denke, das ich im fünften Abschnitt des ersten Kapitels im ersten Teil weiter unten bespreche und mitteile. Unser Text ist überaus reich an Stellen, die später im Vadomori und auch in anderen Con­temptus-mundi-Werken, ja selbst in den Todes­und Toten-Tänzen vorkommen. Die Einleitung, die ersten zehn Zeilen lauten so, wie die Ermahnung des Predigers am Anfang der Toten­tänze. Der Briefschreiber will dem Rainaldus den „Weg" zeigen, sowie auch im Vadomorigedichte „mors" zur „via hominis regia" wird (Nr. 8). Dann wird das „göttliche Wort" zitiert, „Vox divina sonet" (Z. 11), wie auch am Anfang der Augsburg-Münchener Legendenform „Gott * A. a. O. S. 341. 6 E. Schöder zählt dann S. 345 noch zwei Incuna­beln auf, aus Leipzig, Arnoldus de Colonia, 1493 und einen Druck dus 1499, wo die beiden Texte demjenigen bei Lubin sehr nahe stehen, also vielleicht aus demsel­ben Handschriftentypus kopiert wurden.

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