KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

- 13? — Valer im Himmel" das erste Wort spricht. Und auch die Darstellung der Verwesung in der Welt erscheint mit diesem Bilde vereinigt, wobei Z. 16 das Wortspiel „vilescit" und „niteseit" zu einer schönen Rolle kommt. Von der zehnten Zeile reimen übrigens schon Versmitle und Versende. Sehr bekannt sind dann die Zeilen 25—35! Dieses „Nec modo leteris, quia forsan eras morieris", dann der Gegensatz in Z. 29—30 mit dem „Gaudebunt" und „lam modo letetur qui gaudia summa merelur" kehren auch im Vadomori zurück, wo Nr. 29 dasselbe Spiel mit dem „Gaudens" verkommt. Z. 14 entspricht mit seinem Bilde vom „sper­nens" dem 36-sten Distichon des Vadomorigedichtes, wo „sperans vilam" und „spernens praesentem" einander ge­genüberstehen. Dann tritt aber Z. 33 das „spernis" mit dem „cernis" in ein Verhältnis welches an das Vadomori erin­nert. Das „mundi moriturus amori, Hunc spernens" sagt ja dort der „monachus" (Nr. 25), wo er ebenfalls als der „Meister in der Kunst, wohl sterben zu können" den übri­gen Ständen gegenübergestellt wird. Und diesem „Sper­nens" folgt dann im Vadomori Nr. 32 der „cernens, quod mors cunctis dominalur", — und unser Text bringt nach dem „Cur caro non spernis que pretereuntia cernis?" die in vielen Contemptus-mundi- lex ten, in Vadomorivarianten und auch in Totenlanztexten wiederkehrende, berühmte Stelle : Z. 36: „Mors resecat, mors omne necat quod carne crea­tur . . .". Merkwürdig, dass unser Contemptus mundi gleich an diese Stelle anschliessend eine Standesr^ihe aufzählt und sagt : Z. 36 : „Magnificos premit et modicos, cunctis dominatur". Also knapp, wie im erwähnten Vadomoritext I Und nach dem „magnificus" und „modicus" folgen : nobi­lis, dux, prineeps, iuvenis, senex, vir robore fortis ... usw. Dass dabei an die Vadomoridistichen „genitus de sanguine nobiliori" (Nr. 17), an den „senior" (Nr. 26), „iuvenis" (Nr. 27) und an den „pugiles" (Nr 11) zu denken wäre, will ich gerade nicht mit Entschiedenheit behaupten, — trotzdem ist unserem Contemptus mundi der Vadomori-Charakter nicht völlig abzusprechen. Die Fragen „Cur caro letaris?" (Z. 27), „Cur caro non spernis?" (Z. 33) und dann die beiden Fragen Z. 39—40 entsprechen den Contemptus­mundi-Formen „Die, ubi sunt?" und dem „Quid honor? Quid gloria mundi?" im Vadomori (Nr. 8). Im Vadomori wird das Reihenartige der Stadesaufzählung (Nr. 1—7) in den einleitenden Distichen mit besonderem Nachdruck hervorgehoban : „series ab initio nova non est" (Nr. 1), „transeo" (Nr. 5) und „sectans alios sectandus el ipse, Ulti­mus ac primus non ero" (Nr. 7). Dasselbe spricht auch unser Contemptus mundi-Text aus, indem er an den Be­griff des hl. Augustinus 1 erinnert, der das Leben für ein langsames Dahinsterben hält und im Lebenslauf einen Kreislauf, das Lebensrad erblicken zu dürfen meint : Z. 46—49 „Instabiles sumus, . . . sie iam trahimursub tempore finis. Pretereunt et non redeunt mortalia queque, Hec statio manet in dubio sie nocte dieque". Dieses „transivi" der Vadomorigedichte also, sowie der darauf folgende, eben­falls allgemein bekannte Salz der Contemplus-mundi Schrif­ten, „Vita brevis velut umbra", zeigen den innigsten Zu­sammenhang zwischen Contemptus-mundi und Vadomori. Auch der Satz „Fallilur insipiens . . ." (Z. 60) kehrt im Va­domori zurück, denn dort heisst es beim „sapiens" : Nr. 21 „Quae sapientia novit Astutias mortis fallere?" und auch der „mercator" sagt: Nr. 16 „mortem nequeo fallere". Auch in unserem Text heisst es, aber umgekehrt : Z. 61 „sapiens noscit, quantum si I p'ens dolore (nämlich vita praesens). Das sich auf die Königin Rosamunda (VI. Jahrhunderl) beziehende Epitaph scheint der Ausgangspunkt 2 für diese Wortspiele zu sein, in denen die Rose und überhaupt die Blume zum Symbol des bald verwelkenden und verdorrten irdischen Lebens gewählt wird. Auch unser Text bringt Z. 62—65 eine Reminiszenz dieser uralten literarischen Tra­dition. Das „formosum", das hier Z. 62 erwähnt wird, steht noch für den Gedanken, den das Vadomori Nr 18 weifer ausbildet : „mors ipsa . . . formae nescit parcere". Die Stel­len „Regia maiestas" (Z. 66). dann „series longinqua dierum" (Z, 67) sind Parallelstellen für Vadomori Nr. 8 (rex) und Nr. 28 („longum vivere tempus"). Der Ruf „Mundi quid sit honor!" (Z. 69) ist dann wieder eine Variante des Vadomoriausdruckes bei „rex" (Nr. 8): „quid honor, quid 1 Vgl. GTT Bd. I. S. 160-161. 2 Vgl. GTT Bd. I. S. 58. gloria mundi ?". Unser Text erweitert diesen Gedanken durch eine Reihe von abstrakten Nichtigkeitsmeikmalen des irdischen Lebens, wie dies auch in der Hschr. Clm. 3974 der Münchener Staatsbibliothek im Rahmen der Augsburg-Münchener Legendenform geschieht : predia, pos­sessio. fabrica murorum, structure domorum, gloria men­sarum, deliciae epularum, wobei das letztere ohne Zwei­fel mit dem „epulis variis repletus" des Vadomorigedich­tes (Nr. 31) gleichzustellen ist. Und dann erwähnt unser Text den Ornat als „Resplendens vestis" (Z. 75), sowie dies auch im Vadomori geschieht (Nr. 33): „non me tenet ornatus neque vestis linea . . . etc.". So könnte man unser ganzes Contemptus-mundi-Gedicht als eine Reihe von Parallelstellen der Vadomorigedichte auffassen und es wäre eine sehr langwierige Arbeit, hier sämtliche Ähn­lichkeiten zusammenzutragen. Ich überlasse sie der For­schung des werten Lesers, indem ich aus den übrigen Teilen des Gedichtes nur hie und da, stellenweise etwas herausgreife. Unser Contemptus mundi sagt, über den Be­griff des Lebensrades sprechend : „Nec venil ad metas mortis miserabilis etas . . ." (Z. 134). Im Vadomori heisst es beim „iuvenis" (Nr. 27): „non valet ipsa iuventus Ultra metam vitam ducere . . .". Wo dann unser Text den Sieg des vom Himmel herabsteigenden Heilands über Sünde und Teufel, sowie über Tod darstellt, beieent er sich des­selben Wortspiels, wie die Osternsequenz „Victimae pa­schali laudes . . ." („Dux vitae mortuus regnat vivus") ; es heisst hier nämlich: „Sponte sua moriens mortem moriendo peremit, /Et sic perpetua miseros a morte redemit" (Z. 244 —245). Den „bösen Kauf", welchen der Mensch hienieden mit seinem tugendlosen Leben macht, indem er ewige Güter der zeitlichen wegen von sich wirft, welchen auch der „mercator" des Vadomorigedichtes symbolisch meint (Nr. 16), erwähnt unser Text im Zusammenhange mit dem Glauben, der ohne gute Tat werllos wird : Z. 259—260 „magnum facit ilia fides sibi damnum, / Mortem mercatur, quia morlua iure vocatur", wobei der Dichter in der Pa­rallelität der Worte „mortem" und „mortua" wieder einmal seine Vers- und Sprachkunst zur Schau trägt. Und wie dos Vadomori Nr. 26, so spricht auch unser Gedicht Z. 2 .6 von der „Ianua mortis". (Vgl. das Helinand-Vadomori 1) Das Gedicht „Chartula nostra" ist aber nicht nur mit den Vadomorigedichten vewandt, sondern erscheint als ein Auszug des mächti­gen Contemptus-mundi-Werkes, welches der Clu­niazenser Bernhardus Morlanensis verfasste. Vergleichen wir die beiden Gedichte, so zeigt uns schon die Reihenfolge und die Behandlung des Materials ein näheres Verwandtschaftsver­hältnis zwischen diesen beiden Werken ! Also ausser jener Tatsache, dass vor Bernhardus Morlanensis die Versform der „Tripertiti Dacty­lici caudati" fast niemand für ein ganzes Gedicht verwendete und dass der Dichter unseres „klei­neren Contemptus-mundi" seine grösste Freude eben an dieser Form hat, zeugt auch die inhalt­lich ähnliche Konstruktion der beiden Gedichte von einer näheren Verwandtschaft. Wie das Gedicht „Hora novissima" von Bernhard aus einer Schilderung des Jüngsten Gerichts ausgeht, so spricht hier ebenfalls die „vox divina" ihren Urleilspruch und ihre Ermahnung zur Besserung. Die Darstellung der Vergänglichkeit des Körpers (Z. 25 ff ), das Auftreten der personifizierlen Todcsgestalt (Z. 36 ff. 1, erscheinen uns in einer verkürzten Form. Wie Bernhard die Hölle und die Freuden der Seligen beschreibt (vgl. oben S. 167—7.). so machen auch hier einen grossen Teil unseres Gedich­tes derartige Bilder aus (Z. 105 ff 292 ff 297 ff.). Das „forsan eras morieris" steht auch bei Bernhardus, wo er dem Brauch der Contemptus-mundi-Werke folgend die Nichtig­keitsbelrachlungen paarweise mit „nunc" und „cras" ein­leileMvgl. oben S. 127—8.). Und die „rosa", dieBlume („flos") überhaupt, ist auch bei Bernhard zum Symbol der Ver­gänglichkeil erwählt worden (vgl oben S. 127), u.zw. wie dies auch unser Text macht, vereinigt mit der Gisanl-Typ-,

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