KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

mors mentis ostendis fera, cum decidet uanissima, ueniente te, superbia. (1515) tunc obsident miserrimum in mortis hora spirilum artantque diri doemones tetri, minaces ac truces. et qui prius seduxerant, (1520) qui gaudia haec suggesserant, qui, ne timeret tristia, persuaserant, intermina, tunc hunc perurgent undique, quae mente, facto uoceue (1525) peccauit hie spreto deo ore expiicantes horrido. tunc proferunt Christi omnia praecepta sacratissima, quae spreuit hie tumens prius, (1530) ipsis ad hoc suadentibus. quid tunc agat miserrimus, quo uertat aul se perditus. qui se trahi cum sei. serit. nullum adiuuantem conspicit, (1535) cum se relictum ab angelis conspexerit dei piis el tradilum minantibus, nigris, cruentis hostibus. qui tunc student cunctis modis (1540) qui terreant reum suis strictum catenis, ut sciat quibus prius seruiuerat . . . etc. Nun folgt die Darstellung der Strafen im Tartarus, der Leiden der Sünder in der Hölle und eine übliche Schilderung des Jüngsten Gerichts. Die traditionellen Begleit­motive der Todesbetrachtung sind also auch hier schon die Szenen mit dem Ausgang der Seele, der Blick in die Hölle und das Weltgericht. Auf die Entwicklung der Todes­molive haben daher auch diese Elemente der Vergänglich­keitsdichtung einen grossen Einfluss ausgewirkt. Das „erste Büchlein" des Gedichtes endigt dann mit einem nochmaligen Gespräch der Muse und der Non­nen Finit prior libellus" — heisst es am Schluss der erwähnten Abschnitte. Die weiteren Teile des Gedichtes sind scheinbar verschollen, — oder sie wurden vielleicht sogar von Hermann selbst nicht mehr ausgeführt . . . Das Contemptus-mundi-Werk des Herman­nus Contractus ist ein Vorläufer der Todesge­dichte von Helinandus und Thibaut von Marly und ist somit schon ein wichtiges Zeugnis für die Vorgeschichte der Vadomorimotive und der Gesamtlegende. Noch näher zu den Vadomori­elementen führt uns aber Walter Mapes in je­nen Texten, deren Verfasserschaft im allgemei­nen ihm zugestanden und zugesichert wird. Bei Walter Mapes tritt schon der Begriff der Stan­desreihe in den Vordergrung, daher möchte ich dem Abschnitte über seine Dichtungen erst eine Betrachtung über die das Vadomori vor­bereitenden Elemente der Steitgedichte voraus­schicken. 4. Streitgedicht und Contemptus mundi H. Walther bespricht in seinem Werke „Das Streitgedicht in der lat. Lit. des Mittelal­ters" 1 im Zusammenhange mit der Visio Phili­berti eine Reihe von Gedichten und Prosatex­ten, welche für die bestehenden klassischen Traditionen der Standesliteratur im Rahmen der mittelalterlichen lehrhaften Literatur ein siche­res Zeugnis ablegen. Wie die bildliche Darstellung des Fortuna­Rades zu einer Zerlegung des Ständebegriffes in eine Reihenfolge von einzelnen Standes­vertretern führte, so stehen auch die verschiede­nen kleineren Gedichte, die den Einfluss von Boéthius' „De consolatione philosophiae" ver­raten, den Grundlinien der Vadomorigedichte näher. So z. B. die 24 Distichen der Münche­ner Handschrift Clm. 686 (saec. XII. fol. 137rv) mit dem Titel „Altercatio Lortune et Philoso­phie", in denen einzelne Typen des Gefolges der Fortuna und der Philosophia einander ge­genübergestellt werden, aber freilich nur noch im Rahmen des Streites der beiden symboli­schen Gestalten. Zur Gruppe jener Gedichte, welche das Vadomori vorbereiten, gehört auch die „Elegia de diversitate fortune et philosophiae consola­tione" (ca. 1193; 4 Bücher) des Heinrich von Settimello. In dieser richtet der „Homo" eine Anklage gegen die Göttin Fortuna, 2 aber lei­denschaftlicher, als in einem ähnlichen Ge­dichte eines Mailänders aus dem XIII. Jh. 3. In diesen Gedichten, sowie auch in der Prosa „Altercatio Diuinitatis et Humanitatis" der Mün­chener Hschr. Clm. 7785 (saec. XIII. fol. 61r — 62r) erscheint die von der Fortuna regierte Standesreihe der Menschheit noch in einer per­sonifizierten symbolischen Homo-Gestalt zusam­mengedrängt. Es ist freilich die unpersönliche Everyman­gestalt, welche sich gegen die lasterhafte Un­gerechtigkeit der Fortuna auf die Partei der Ge­rechtigkeit stellt, denn sie ist ja die Erbin der Philosophia oder Sophia, bzw. der „Göttlichen Weisheit". Mit der Zeit lösen sich dann aus dem Gefolge der „Fortuna" und der „Humani­tas" einzelne Charaktertypen ab, und es ent­steht, eine Reihe von Lastern und Tugenden. Ein Übergangsstadium in diesem Entwicklungs­gang vertritt das Streitgedicht „Dialogismi Ve­ritatis. Adulatoris, Justitiae", von Bernhard v. d. Geist um 1245 verfasst. 4 H. Walther widmet in seinem schon öfters genann­ten Werke über die Streitgedichte einen besonderen Ab­schnitt den Darstellungen des Kampfes zwischen den Tu­genden und den Lastern, 6 Er weist vor allem auf die bei­den Stellen Galat. 5l7 ff. und Ephes. 611 —17 des Neuen Testaments hin, wo nicht nur eine Reihe von Tugenden und Lastern aufgezählt wird, sondern dem Menschen auch die „armatúra Dei" als die sicherste Gegenwehr gegen die 1 München, 1920, S. 108 ff. 2 Walther. a. a. 0. S. 108—109; ed. Legser. Hi­stória poetarum etc. S. 453—496; viele Hschriften vorhan­den. 3 „Controuersia Hominis et Fortune", ed. Cypria­nus Popma 1570 und 1584 Coloniae ; vgl. Kuno Francke, Zur Gesch. der lat. Schulpoesie des XII. und XIII. Jhs." München 1879. S. 50-54. 4 Vgl. Walther, a. a. 0. S. 110; Karlsruhe Cod. 354, saec. XV. fol. 1. 5 Vgl. Walther, a. a, 0 S. 110-126,

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