KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
Zweiter Abschnitt: Romanische Weltanschauungs-elemente im Totentanz
— 100 — wandelte sich bei Dionysius Areopagita (ca. 500) in eine „Monadenwelt", während Scotus Eriugena (im IX. Jh.) das „Böse" als etwas nicht Existierendes betrachtete und im Logosbegriff einen Kreislauf von der Einheit zur Dreiheit und wieder zürück zur Einheit sah. Und dann kam die Dreifaltigkeitslehre des hl. Augustin (t 430) in das allgemeine Bewusstsein der spekulativen Mystik. „Memoria, intellectus" und „voluntas" sind bei ihm die Spiegelungen der Dreifaltigkeit. Ein Bernhard von Clairvaux" (t 1153) lehrte schon die „unio mystica' mit Gott, welche Lehre vom hl. Franziskus und vom Franziskaner Bonaventura (t 1274) schon in einer Art praktischer Verwirklichung im Rahmen des Alltags erscheint. Nach Bonaventura sind die Dreifaltigkeitsprojektionen : „cogitatio, contemplatio, meditatio" . Und diese werden als persönliche, mystische Tätigkeiten der nach Gott gerichteten Seele abgewertet. Wie ein Thomas von Aquin den Menschen als ein Ebenbild der Gottheit betrachtete, so sprach der grösste deutsche spekulative Mystiker, Eckehart von Hochheim (t 1327), schon von „drei Wegen", auf denen die nach mystischem Erlebnis lechzende Seele zu Gott emporschreiten kann. Es sind dies die „vita purgativa, illuminativa, unitivá". .. Er sprach schon von einer „Himmelsleiter", deren frühere Stadien oder Sprossen auch in den höheren Graden und Regionen ihre weitere Wirkung beibehalten. Nach Eckhart tritt dann in der dritten Etappe der deutschen Mystik bei Johannes Tauler (t 1361) die Bedeutung der Spekulation wieder in den Hintergrund, um der Gefühlsmystik wieder ganz den Platz zu räumen. Bei Tauler, wie auch bei Heinrich Seuse (t 1366), dem „Minnesänger der Gottesliebe", sowie schon auch bei Meister Eckhart, kommen die Eigenheiten der germanischen Weltanschauung immer mehr zum Vorschein. Sie sind besonders aus diesem Standpunkt gesehen sehr interessante Persönlichkeiten. Ihre Theologie ist eine „laizisierende", und besonders Meister Eckhart näherte sich sehr dem Pantheismus, besonders er verwendete in seinen Schriften Elemente des esoterischen Christenglaubens, sodass er natürlicherweise mit der offiziellen Lehre der Kirche in einen Konflikt geriet. Bei Eckhart können wir über die „sieben Stufen" der „mystischen Neugeburt" der Seele lesen'. Die erste Stufe ist : die fünf Sinne auf Gott lenken. In der zweiten Entwicklungsperiode wenden sich auch die „inneren Sinne" der Seele zu Gott. In der dritten „Region der Himmelsleiter" zieht Gott die Seele immer mehr und mehr zu sich empor. Die vierte Stufe : Die Seele fühlt eine Sehsucht nach Gott, will aus sich treten, da sie die mit einem Namen bezeichneten Wesen nicht mehr befriedigen ; daher erhebt sie sich zum „einzig Ungenannten", zu Cott. In der fünften Region der „irdischen Himmelsreise" wird die Seele Gott ähnlich und wie Gott in einer Natur drei Personen vereinigt, so strömen in die einzige menschliche Persönsönlichkeit drei Seelenkräfte. Die sechste Stufe : Gott und Mensch fliessen ineinander. In der Dreifaltigkeit dringen 1 Vgl. Gastau Landauer. Meister Eckharts mystische Schriften. Berk 1920, S. 95. der Vater und der Sohn ineinander, und diese Umarmung der beiden göttlichen Personen ist der Heilige Geist. So fliessen im Menschen Wahrheit und Güte ineinander, und machen die Seele vor Gott „schön". Siebente Stufe der „mystischen Neugeburt" der Seele bei Eckhart ist : der Besitz der Gottheit Freude und Oberfreude, Wonne und Oberwonne sind die bezeichnenden Eigenschaften dieses Seelenzustandes I In dem erwähnten Werke von Kennsbert' 2 wird die Reihe jener sieben Regionen dargestellt (vgl. die hier S. 101, Abb. 28. beigefügte Skizze dieser sieben Kreise des menschlichen Daseins und Wesens), welche sich wie sieben Krusten um das menschliche Ich. breiten. Nach Kennsbert sind die vier äusseren Ringe die Äusserungen der materiellen Welt. Dies ist sicherlich ein Fehler, denn so müsste ja die menschliche Vernunft als eine Funktion der Materie betrachtet werden. Dies widerspricht den Tatsachen und auch jenen Parallelerscheinungen, welche ich schon oben besprach. Nach dieser Skizze ist das Menschliche Ich als der gemeinsame Mittelpunkt und die gemeinsame Achse konzentrischer Kreise und Ringe zugleich auch „unterbewusst" der Sitz der Gottheit. Christi Wort, „das Reich Gottes ist in euch selber", soll nach Kennsbert so zu verstehen sein, dass die Gottheit im menschlichen Ich selber verborgen und unaufhörlich anwesend ist, ganz gleich, ob der Mensch davon etwas wahrnimmt oder nicht. Kennsbert irrt sich, wenn er glaubt, dass er in diesem Schema nur ein Kreissystem der allgemeinen Magie oder der Theosophisterei der Gegenwart mitgeteilt hatte. Es stellt vielmehr klar und eindeutig jene Anschauung über das wahre Wesen des Menschenichs dar, welche einzig allein den deutschen spekulativen Mystikern eigen war. Nach den Mystikern soll der Mensch die „Himmelsreise" nicht in einer Reihe von „Planetenringen" zurücklegen, sondern vielmehr innerhalb des eigenen Ichs zum „Besitze der Gottheit" gelangen. Das Unsichtbare wird hier also versinnlicht, — ganz nach der Art germanischer weltanschaulicher Einstellung (vgl. S. 54). Und diese inneren Wesensringe des menschlichen Ichs bestehen alle zu gleicher Zeit und wirken auch dann weiter, wenn der Mensch in seiner Entwicklung schon in eine nächste Region überschritt. Während also Dante auf seiner „Himmelsreise" in der Aussenwelt vom Mittelpunkt zur Peripherie wandelte, beginnt bei den deutschen Mystikern die „Fahrt ins eigene Ich", und zum Besitz der Gottheit in diesem eigenen Ich, in der Aussenwelt. Die erste Region ist die physische. Hier befindet sich die Mineralwelt, welche in der Materie des Körpers weiterwirkt, wenn auch die Seele, diese Kruste durchdringend, in eine tiefere Region überging. Der tote Stein, die toten Chemikalien füllen diesen ersten Ring aus. In der nächsten Region, in der sog. Atherregion, lebt die „anima vegetativa". Es ist die Welt der Pflanzen, der Vegetation, welche auch im menschlichen Körper noch weiter die Funktion des Körpers reguliert, wenn auch die Seele in die nächste Region vorwärtsdrang. Die dritte Region ist der Sitz der „anima animalis". Es ist die Astralregion der Tierwelt, in welcher die Instinkte vorherrschen. Diese Instinkte wirken auch dann weiter, wenn sie von der Seele besiegt werden. Denn in einem jeden Merchenkörper lebt das Tier noch weiter, wenn sich auch die Seele ganz in das letzte, siebente „Haus", in die Wohnung der Gottheit, zurückzog. Diese ersten drei Regionen bedeuten für den Menschen die Aussenwelt und den Körper. Nun folgt aber schon die erste geistige Region. Sie ist die Ich-Welt, der Sitz der menschlichen Vernunft, der Lebensraum der „anima rationalis" . Es ist dies die Region der menschlichen Gedankenwelt, welche den Menschen dem Tiere gegenüber zu einem Menschen macht. Die fünfte Region ist dann die „Kausalweit". Ursachen und Folgen sind der Gegenstand des menschlichen Willens. Während in der vierten Region nur primitives Menschentum Platz hat, entsteht in dieser fünften Region schon der Staat, die menschliche Gesellschaft mit allen ihren Gesetzen. Bis dahin kann ein jeder Mensch hineindringen. Die weiteren zwei Regionen sind aber nicht für jedermann zugänglich. In der sechsten Region befindet sich die menschliche Gefühlswelt, das Reich der himmlischen Liebe, während die irdische Liebe in der dritten Region wirkt. Die sechste Region ist die Welt der Intui2 Vgl. a. a. 0. S. 33 ff. und 61.