KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
Zweiter Abschnitt: Romanische Weltanschauungs-elemente im Totentanz
- 101 Hon. Hier landet das schöpferische Menschentum. Bis dahin dringen die Künstler, Wissenschaftler und Dichter vor. Der Mittelpunkt des Kreissystems ist die siebente Region, der Besitz der Gottheit im eigenen Ich. Bis dahin kommt nur der Heilige. Aber auch im Kreise der deutschen Mystiker wurde die Gesetzlichkeit dieser Reihenfolge innerer Wesensringe nicht konsequent durchgeführt. So werden wir es mit einiger Bewunderung zur Kenntnis nehmen, dass Meister Eckhart das wahre Gotterlebnis in der Gefühlswelt aufzufinden glaubte. Er sagt : Das wahre Gott-Haben liegt im Gemüte und an einem innigen vernünftigen Hinwenden und Lieben Gottes, nicht an einem steten, gleichmässigen Freudengott" mit der „Himmlischen Minne" gleichbedeutend. Diese „Himmlische Minne" besingt Mechtild von Magdeburg in einem wundervollen Gespräche der „Königin Seele" mit der „trau Minne". Sieben Stufen der himmlischen Minne werden hier besungen. Die Seele wirft der „Frau Minne" — ganz von Gottesliebe ermattet — vor, warum sie ihr erst alles Irdische wegnahm, warum sie der Seele die Kindheit, und die Jugend raubte (2—3. Stufe), warum sie der Seele Gut, Freunde und Magen nahm (4. Stufe), warum sie die Seele so bezwang, dass nun der Körper von einem sonderlichen Erkranken gequält wird (6. Stufe). Als siebente Stufe folgt auch hier der Tod: die Seele wirft der Frau Minne vor, warum sie ihr Fleisch und Blut verAbb 28. Das mystische Ich-Erlebnis Gottes. Gedenken ... Der Mensch soll sich nicht mit einem gedachten Gott begnügen . .Dagegen behauptet er bei einer anderen Gelegenheit: „Mit dem Willen vermag ich alle Ding . . ." 2 Der Mensch ist also „unterbewusst" allmächtig I Warum ? Infolge der Unio Mystika mit Gott wohnt ja der Allmächtige im tiefsten Inneren des Menschenichs I Nur entdecken soll man ihn, und seine Gegenwartskraft nach der Innen- und Aussenwelt verwenden ! Diese Lehre klingt zwar pantheistisch. sie entspricht aber der germanischen Weltanschauung und der urgermanischen Religionsgeschichte. Die ersten Götter der Germanen waren ja Wanengötter, der Wane war der „Gefühlsgott" oder „Freudengott" katexochen. Aber bei Meister Eckhart ist dieser „christliche zehrt habe. Und dann folgt die letzte, die achte Stufe der inneren Seelenentwicklung und Neugeburt : Die Frau Minne gibt sich der Seele selbst hin. Es ist dies dann freilich wieder ein Besitz der Gottheit, — aber in der himmlischen Liebe I 3 Und diese „Gottesminne" wird bei Sense ganz nach germanischer Art gefeiert. Der einstige germanische „Wanengott" wird zu einem „Wonnengott", dessen Namen zu einem „Minnezeichen" dient. Eines Tages warf Seuse, — 1 Vgl. Johannes Bühler, Das deutsche Geistesleben im Mittelalter. Leipzig, Insel-Verl. 1927. S. 228—220; Re den der Unterscheidung. 2 Vgl Bühler, a. a. 0. S. 230. 3 Bühler. a a. 0. S. 224-225. 0