KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Zweiter Abschnitt: Romanische Weltanschauungs-elemente im Totentanz

und „re". . . Ich machte den Versuch, den „Nie­derfall" des „südhaften Menschen" „musika­lisch" zum Ausdruck zu bringen ! Seine tiefste und „verborgenste" Grundlage ist nicht Gott, sondern „Terra", „Mundus", die Erde, das „ir­dische Leben". Dieses bedeutete im C-Dur-Ak­kord das e 2 ! Versuchen wir also nun nach un­ten weiterzugehen, indem wir hier dieses e 2 als Grundlage des „Niederganges" betrachten 1 Dieses e 2 ist wirklich ein „mi", es liegt aber in verborgenen Tiefen des Lebens und ist ebenso ein „Mysterium", wie vorher das „kleine f", als Symbol der Gottheit. Denn es gibt ja auch ein „mysterium iniquitatis"! Nun bauen wir nach dem vorher beschriebenen Schema nach unten die zwei Quinten auf ! Es entsteht erst „la", d. h. a 1. Es ist das der Mikrokosmos, da ja der Sünder aus sich und aus egoistischer Lebens­auffassung ausgeht. Dann kommt beim Sünder der Makrokosmos, noch einmal eine Quinte : und wir bekommen ein „re", d. h. den Ton d 1 ! Wie wir es also sahen, war der Ausgang „mi", und nach zwei Quinten sind wir in „re". Nun zählen wir den „vierten Ton" aus. Er be­deutet den Sieg des Todes über den Menschen : es ist dies der Ton „a". Der sechste Ton aus dem „re" ist das „kleine f", mundus. Es be­deutet den Sieg der Welt über den Menschen. Vorher war „f" die „Gottheit": aber der Gott des Sünders ist ja „mundus"! Und dann ist der achte Ton aus „re" Symbol für Infernus, das „kleine d", und bedeutet den Sieg der Hölle über den Sünder. — Und nun sollten wir den „zwölften Ton" aus „re" nach unten aus­rechnen ! — Vorher war es leicht, denn der lateinische Text am Längsbalken sagte ja aus­drücklich : qui perseveraverit usque in „f", hic „si", wer also bis „f", also bis zur „Gottheit" aushält, der benütze (im Schema) die beiden „si", d. h. b 2 und h 2. . . Aber auf dem Quer­balken steht : ,,/atitudo sanctae crucis bona opera caritatis". .. Das „la" würde dann die „Guten Werke" bedeuten ... Und der Sünder baut tatsächlich auf „la" — wie wir gesehen ha­ben, — aber in einem egoistischen Sinne, fällt da­bei hinab bis zum „re", und gelangt beim,, achten Ton" in den „Infernus" — und nicht weiter ! Warum nicht weiter ? Weil es ja im Mono­gramm „Mors" heisst, man möge mit „M" und „R" anfangen und mit „0" und „S" forsetzen... Was ist das ? Soviel verstehen wir schon, dass man aus „mi" und „re" ausgehen soll... Aber in welcher Richtung ? Dies sollen die Buchstaben „0" und „S" bedeuten ... — nämlich : „in Occasu Signorum", das heisst: in der Richtung des „Unterganges der Sternbilder". Und dabei soll man kein „si" benützen 1 Denn „0" und „S" bedeutet auch „Omittitur Si". — Aus dem,, ach­ten Ton" (Infernus), also aus dem „kleinen d", führt kein Weg weiter über das „si" zum Uni­versum, also zum Besitze der Gottheit ! Wenn wir nun die auf der „Todesseite" entstandenen Akkordtöne überblicken, so kön­nen wir leicht sehen, das es sich hier um einen „d-moll-Akkord" handelt ! * * Das sind die „Geheimnisse" des KreuZ­bildes im Evangeliar der Uta ! Möglich, dass ich mich in dieser weitgehenden Interpretation geirrt habe ! Und doch glaube ich, dass etwas daraus richtig und glaublich ist ! Das mystische Christuserlebnis wird hier zu einer „musikalischen Inkarnation" in den Gesetzen des „cubus symphonicus". . . Nun möchte ich noch über Einzelheiten im Kreise der deutschen Mystik berichten, wel­che mit diesen „Kuriositäten" am engsten zu­sammenhängen, — und sie auch glaubwürdi­ger machen ! 3. Beiträge zu einem tieferen Verständnis der deutschen Mystik Keine „Geschichte" der deutschen Mystik möchte ich hier dem Leser vorlegen ! Nur jene Zusammenhänge der deutschen Mystik mit der mittelalterlichen germanischen und romanischen Weltanschauung möchte ich untersuchen, wel­che uns später in dem Verständnisse der To­tentanzkunst und -Dichtung vorwärtshelfen können. Drei Etappen der deutschen Mystik pflegt man im allgemeinen für nennenswert zu halten. Sie stehen in einem Nebeneinander und nicht in einem zeitlichen Nacheinander. Die erste Periode der auf deutschem Bo­den gepflegten mystischen Weltanschauung ist die sog. „Nonnenmystik" . Ihre Grundlage ist das religiöse Erlebnis. Zu nennen sind unter den „gelehrten Klosterfrauen" besonders die Rupertsberger Benediktineräbtissin Hildegard von Bingen (t 1179), dann eine Margarethe von Ypern (t 1237). Unter den Zisterzienser­nonnen vor allem „Gertrud die Grosse" (t 1302), d. h. die Äbtissin Gertrud von Hackeborn, de­ren lateinisches Werk, die „Institutiones divinae pietatis", ein Buch der Offenbarungen und Vi­sionen, ebenso weltberühmt war, wie das Buch „Liber specialis gratiae" der „jüngeren" Gertrud von Hackeborn (t 1298), und das „Fliessende Licht der Gottheit", ein mystisches Betrachtungs­buch der Begine Mechtild von Magdeburg (t 1283). Die zweite Periode der deutschen Mystik ist die Etappe der „spekulativen Mystik"... Die Geschichte der mystischen Spekulation ist, — wie wir es schon sahen, — sehr reich an merk­würdigen Erscheinungen. Ein Plotinos (t 269 n. Chr.) sagt schon ausdrücklich, dass die mensch­liche Seele ein Spiegelbild der Welt der Ideen, eine Projektion des „Grossen Einen", des £V sei. Der Mensch muss nach ihm aus dem yrj öv, aus der sinnlichen Welt der Materie, in eine trans­zendentale Welt emporstreben. Der Mensch soll sich Sew óyouo&fji'ca, der Gottheit annähern und ihr ähnlich werden. Dasselbe sagen ja später die „Mystiker". Diese Lehre des Plotinos ver-

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