KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

- Sí im Sumpfe umher zerstreut. Isis aber sucht alle Teile auf und begräbt ein jedes Stück an der Stelle, wo es von ihr entdeckt wurde. In der Stadt Busiris im Delta wurde sein Rückgrat be­stattet, sein Kopf in Abydos, wo auch der Aus­gangspunkt des Osiriskultes ist. Inzwischen ver­lässt Horus sein Versteck in Buto, rächt den Mord seines Vaters an Set, indem er ihn im Kampfe besiegt. Er verliert dabei ein Auge, wird aber von Dhoute, wie auch sein Gegner Set, geheilt. 1 Der besiegte Mörder des Osiris erkennt nun die Herrschaft des Horus, der die heilige Krone, Atef, aufsetzt und den Thron des Gottes Qeb besteigt. Horus herrscht von nun an über die Lebenden, sein Vater, Osiris, wird zum Kö­nig der Totenwelt, er wird der Erste des We­stens und Herr von Abydos genannt. Nach der Erklärung spätgriechischer und spätrömischer Schriftsteller sind aber freilich Osiris, Isis und Horus berühmte Grössen der ägyptischen Ge­schichte, die schon längst tot sind und erst nachträglich vergöttert wurden. Dasselbe meint auch Firmicus Maternus, der auch den Osiris­kult für einen gewöhnlichen Leichenkult hält. Selbst nach der Anschauung der Ägypter lebt Isis und Horus am Sternenhimmel weiter : Isis ist der Hundsstern, Horus der Orion. Die Seele des Osiris wird als der Vogel Benu, der Phö­nix-Vogel dargestellt (vgl. die Darstellung auf einem Grabe zu Hau.). Auf dem Baume des Osirisgrabes zu Abaton (von Plutarchos, de Iside 20. erwähnt) steht die Seele des Osiris als ein Vogel dargestellt und auch aufschriftlich als Osiris bezeichnet. 2 Während Isis, die Gattin des Todesgottes ebenfalls Herrin der Unterwelt und zugleich Göttin des Mondes wird, obwohl sie anfänglich das Walten der Lebenskräfte figu­rierte, befindet sich das Bild des Sonnengottes Horus, die beflügelte Sonnenscheibe über den ägyptischen Tempeltoren. Selbst die Osiris-Sage bietet wichtige An­haltspunkte zur Beurteilung eines wirklichlich existierenden altägyptischen Gisant-Typs. Der Um­stand, dass im Laufe derZeit durch den Osiris-Kult der gesamte Totenkult des klass. Altertums eine neue Blütezeit erlebt hat, bürgt für die Richtigkeit unserer Ansicht, dass der ägyptische Gisant-Typ als ein Hauptfaktor der Entstehung des griechisch­römischen Gisant-Typs betrachtet werden darf. Der Gesamtbereich jener ägyptischen My­then, welche über das Los der Seele in der Unterwelt sprechen, sowie die Gestaltung jenes unterweltlichen Gerichtsverfahrens, bei welchem der Tote mehrere, von Dämonen bewachte Tore des Gerichtssaales passieren und sich durch das Hersagen von Sprüchen aus der Macht der einzelnen Dämonen befreien muss, zeigt noch weitgehende Zusammenhänge mit der apokry­1 vgl. im Totenbuch 17, 30 ff.: Mariette, Karnak. Leipzig 1875; 36, 27.: Burgsch : Zeitschr. f. ägypt. Sprache und Altertumskunde 1876, S. 96 ff.; Ermen, a. a. 0. Bd. II. S. 365 ff. 431 ff. 351 ff. 2 Wilkinson, The manners and customs of the ancient Egyptians. New Ed. by S. Birch. London. 1878. 111. S. 349. phen Unterweltsvorstellung der frühchristlichen Jahrhunderte und mit der sog. „Seelenleiter" der Gnostiker, auf welche wir im Zusammen­hange mit der Zahlenmystik der Todes-Tanz­Motive noch zurückkehren wollen. Wie Horus einst durch die Worte, welche er zu Osiris sprach, diesen zu einem neuen Leben berief, wie Isis und Nephthys vor dem eigentlichen Totengott, vor dem die Leiche des Osiris haltenden Anubis kniend um Osiris fleh­ten, so wünschten die Ägypter durch die Wie­derholung der Worte des Horus für den Ver­storbenen dasselbe Glück, welches Osiris er­reichte. Nach dieser Umwälzung der Motive legte man die Leiche eines jeden Toten in die Arme des Anubis, Hess Isis zu seiner Gattin werden und den Toten mit Osiris identifizieren. Als Rückwirkung dieses Gedankenganges auf die Osiris-Sage wurde aus Osiris der Herr der Totenwelt, der in der „Halle der beiden Wahr­heiten", in seinem Gerichtssaale, dessen Tore von Dämonen gehütet werden, samt seinen 42 beisitzenden Dämonenrichtern über das Los der Seele eines Toten entscheidet. Wie Osiris „ein Mann der wahren Rede" war, weil doch seine Re­de im Streite gegen die Feinde sich bewahrheitet hat, so wird aus jedem Toten ein Mann der wahren Rede, wenn er sich vor jedem der 42 Dämonen, deren jeder das Vorhandensein ei­ner der 42 Hauptsünden an der Seele des To­ten erforscht, von allen 42 Sünden reinwaschen kann. Das Herz des Toten wird von Horus auf einer Wage abgewogen, mit der die Wahrheit symbolisierenden Hieroglyphe gleichgestellt. Die Göttin Ma'at überwacht die Richtigkeit des Vor­ganges und der Protokollschreiber-Gott Dhoute nimmt das Protokoll auf. 3 Nur die so abgeur­teilte und rein befundene Seele stellt Horus dem Osiris vor. Wie weit der Einfluss dieser Vorstellungen der Ägypter griff, beweist, dass unter den Ptolemäern mit jedem Heiligtum eim neues Osirisgrab verbunden war, aus Set (Verwe­sungsgott, der die Leiche zerfleischt) der Satan wurde und Serapis, wie auch Isis, betrachtete man seither als die höchsten Götter der ägypti­schen Mythologie. — Es ist also keine Übertrei­bung, wenn wir jene Bemerkung des Boscoreale­Kruges über „Schatten" oder „Geist" mit dieser altägyptischen Vorgeschichte des dreifachen Gi­sant-Typs in irgendwelche Verbindung bringen. Die Bedeutung des schon erwähnten „Bosco­reale-Kruges" ist in einer anderen Beziehung noch wichtiger. Seine Darstellungen könnten als Illus­trationender „Totengespräche" Luciansbetrachtet werden und zeugen für die grosse Verbreitung der Zynikerwitze, welche fürLucian und den Darstel­ler der früher entstandenen Becher gleichsam als Ausgangspunkt gedient haben mussten. Lucian wurde in Samosata am Eupjiratum 120 geboren, lebte längere Zeit in Asien, Ägypten, hatte als ein weltbereister Mann viel Gelegenheit, mit den ver­3 vgl. Erman, Bd. 1. S. 201 ; unteres Bild nach Lep­sius' Denkm. aus Ägypten und Äthiopien. 1849—1858, III. 78.

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