KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

- 52 ­schiedensten Kulturen seines Zeitalters in Be­rührung zu kommen (t ca. 180). In seinen „Dialogen" („Dialoge der Götter", „Dialoge der Toten"; „Auktion der Philosophen" usw.) finden sich neben Sophistik und Zynismus auch man­che Reminiszenzen orientalischer Gelehrsamkeit. In der Form der Gespräche der Toten in der Unterwelt wendet sich Lucian mit scharfer Kritik, beissender Ironie gegen die Mode, gegen die phi­losophische Auffassung, gegen den alten Aber­glauben und die Schwächen seiner Mitmenschen. Die halb ernste, halb humoristische Darstellung des überirdischen Lebens der Toten ist Weiterbil­dung der in allen indogermanischen Mythologien verbreiteten Auffassung, dass der Tote sein irdi­sches Treiben auch in der Unterwelt fortsetzt. Ein Mensch, der die Belustigungen im Diesseits gern gehabt hat, der möchte auch in der Unterwelt sehr fidel leben und hätte Wein, Weib, Gesang und Tanz am liebsten. Die Darstellung eines tanzen­den Skelettes ist hierauf zu beziehen. Auf einem Achat bei Gori 1 bläst ein Alter die Doppelflöte, zu deren Tönen ein Toter (ein Skelett) tanzt. Den eigentlichen Sinn dieser Darstellung zu erklären ist heute kaum möglich. 2 Dar Alte, welcher die Doppelflöte bläst, kann „der König der Unter­welt" sein, der den Toten aufspielt und dem alle tanzend gehorchen. Der Tod des Altertums wur­de ja auch als ein Greis charakterisiert (s. Taf. IV. Fig. 6.). Ebenso kann aber auch ein Zusam­menhang mit den orientalischen „Toten- oder Schlangen-Zauberern" möglich sein, wie wires noch später zeigen wollen (s. I. Kön. 28 7—20.). Es wird erzählt, dass Demokrit in Abdera ein Grabmal zur Wohnung wählte und die Abderiten ihm dadurch einen Schreck einflössen wollten, dass sie schwarze Kleider angelegt und Toten­masken vorgesteckt um das Grab tanzten, in dem Demokrit wohnte. Dieser nächtliche Tanz der Toten ist mit den germanischen Sagen ver­wandt, die man im XVI. Jahrhundert mit der Idee des „Todes-Tanzes" verwechselte. Auf der Darstellung des Grabdenkmals in Cumae will die Tänzerin den Tanz, den sie im Leben am liebsten hatte, auch in der Unterwelt nicht las­sen. 3 Diese mythologische Auffassung, welche 1 im „Museum Florentinum" I. Tab. 91.; Langlois pl. VII. 2 J. E. Wessely : Die Gestalten des Todes und des Teufels in der darstellenden Kunst. Leipzig 1876. S. 33. 3 vgl. weiter über den Toten vor dem die Doppel­flöte blasenden Alten angeführt in den Inscript. antiqu. quae in Etruriae Urbibus extant. Par. 1. cap. I. Nr. 17.; und S. 382 bei Gori auf einem Marmor in Florenz „Tabula, in qua sub titulo sculptum est canistrum, binae corollae, foe­mina coram mensa tripode in lectisternio decumbens, Plu­to quadriga vectus animam rapiens, praeeunte Mercurio petasato et caduceato qui rotundam domum intrat, prope quam jacet sceletus" (der Körper des Verstorbenen im Grabe.) Nur eine Gestalt, der Körper des Gestorbenen, wurde als Skelett gezeichnet, die übrigen Gestalten sind volle Figuren. Es ist die Darstellung der Fahrt der Seele vom Leichnam zur Unterwelt. Merkur ist der Seelenführer. Auch bei G. Kastner : Les danses des morts . .. Paris­Brandus. 1852. Fig. 9: wird die Fahrt der Seele in die Unterwelt dargestellt. Die Seele in der Gestalt eines Ske­lettes fährt auf einer Quadriga in die Totenwelt. Der Wa­auch aus den Darstellungen der Unterwelt in der Aneide und Odyssee bekannt ist, war die Vorlage Lucians. In einem seiner Totendialo­ge (hg. Firmin Didot. Paris 1867, S. 113, Nr. 25.) erscheinen vor dem als Skelett geschil­derten Geist des zynischen Philosophen Menip­pus, zwei andere männliche Geister (ebenfalls in Skelette verwandelt) und ersuchen ihn, in ihrem Streite, welcher von beiden der schönere sei, ge­recht zu entscheiden. Der eine ist Nireus, der nach Homer neben Achilles der schönste unter allen Griechen in Troja war. Im Streite zitiert er sogar über sich die Stelle aus der Ilias : n"Og y.á'líiorog dpr-g vtio "Ihov fjtöev. " (II. II. 673.) Der andere, Thersites dagegen, wird eben­falls in Homers Ilias als der „abschreckend hässlichste Mensch unter den Griechen, die nach Troja kamen" (II. II. 216.) erwähnt. Der Zyniker Menippus aber lacht die zwei Streitenden aus und meint, dass in der wohleingerichteten Demokratie des Hades sich kein Mensch mit seiner Schönheit rühmen darf und niemand sich wegen seiner Hässlichkeit schämen muss, denn jeder Toten­schädel, jedes Skelett ist ja gleich hässlich. Im Britischen Museum wird ein Relief eines Grab­„Cippus" aus dem III. vorchristlichen Jahrhun­dert aufbewahrt, auf dem die Aufschrift nebst einer Skelett-Darstellung den Vorübergehenden frägt, ob er vom nackten Skelett sagen kann, wer er im Leben war : der schöne Hylas oder der hässliche Thersites (Hylas hier statt Nireus; Hylas war so schön, dass ihn die Najaden — als er einst Wasser holte — in den Brunnen hinabgezogen haben, so dass er nie mehr von Menschen gesehen wurde). Von den XXX Dialogen sollen hier nur jene inhaltlich genauer behandelt werden, die über die jenseitige Gestalt der Toten und über ihr überirdisches Leben näher berichten. Bedeu­tend ist es, dass der antike dreifache Gisant-Typ in den Totengesprächen Lucians eingehend besprochen und das Wesentliche im Unterschied der Darstellungen der Lemuren, Larvae vollstän­dig aufgeklärt wird. In der Untersuchung wer­den hier jene Ausdrücke, die Wieland in seiner Übersetzung benützte, grösstenteils beibehalten. 4 Wieland nimmt an, dass auf die Entstehung dieses Werkes von Lucian Homers Nekro­mantie oder das XI. Buch der Odyssee grossen Einfluss hatte. Wie es aber aus seinen Zitaten in den Dialogen und im Werk „Die Überfahrt.. . usw." ersichtlicht ist, hat die Auffassung Lucians durch die Mysterienspiele zu Eleusis einen mächtigen orientalischen Impuls erhalten. 5 Es folgen nun einige Dialoge : gen wird aber statt von Merkur von einem Skelett geführt, das vor dem Wagen steht. Die Seele verliess soeben den Kör­per, der in der Form eines Skelettes unter dem Seelen­wagen liegt, s. Taf. II. Fig. 7; III. Fig. 1, 3—4, 5. 4 Lucians von Samosata sämtliche Werke, übers, und erläutert von C. M. Wieland II. Teil. Leipzig 1788. S. 195. ff. Nexgixol diáXoyoi : Guilielmus Dindorf. Luciani Samosatensis opera graece et latine. Paris 1840. S. 85—119. 5 s. im Abschnitt über die Entstehung der Everyman­Legende.

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