KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ERSTER TEIL. Einführung in den Stand der neuesten Forschungsergeb nisse

én koporsó-paripám"), das Leben ist ein Ab­messen jenes Gottesackers, in welchem wir einst begraben werden („Nagy sírkertet mérünk"), das Leben eine rasende Fahrt im Todesauto­mobil („A halál automobilján"), das Leben ein schwarzes Klavier, auf dem der blinde „Meister Tod" die Melodie des Lebens zu Ende spielt („A fekete zongora"). Der Lebens-Tanz kommt im interessanten und sehr poetischen Roman von Berde Mária 1 ebenfalls in der Form eines einheitlich sym­bolischen Bildes zum Ausdruck. Die ganze Welt gleicht einem schweizerischen Sanatorium. Das Leben der Kranken in einer Heilanstalt wird gezeichnet, um uns zu zeigen, wie krank­haft der Mensch in dieser Welt lebt, wie blind er seinen kleinlichen Zielen nachgeht und nicht 35 ­merkt, dass der Tod der ganzen Menschheit aufspielt und sie zu einem mächtigen, vernich­tenden Lebens-Tanz zwingt. Obwohl in diesem Werke, das trotz des „Lebens-Tanzes" noch immer „Todes-Tanz" heisst, der Tod nicht han­delnd und sprechend auftritt und von einem Tanze, vom „Lebens-Tanz" erst am Schluss des Romans die Rede ist, wurde dieser Dar­stellung von der Schriftstellerin mit Recht der Totentanzcharakter zugesprochen, da der allge­mein menschliche Totentanzbegriff der modern­sten Totentanzwerke eine solche Verallgemeine­rung zulässt. Die ungarischen Totentänze gedenken wir samt den Totentanzarten nach Hol bein noch einer eingehenderen Untersuchung zu unter­ziehen. XI, Die Geschichte d Mit einem Heinweis auf die Broschüre von A. Dürrwächter : Die Totentanzforschung 2 sol­len hier die verschiedenen Theorien der Lösung des Totentanzproblems geprüft werden. Schon im XVIII. Jahrhundert fand der geheimnisvolle Entwicklungsgang der Totentanz­motive einen fleissigen Forscher im lutherischen Theologen, Paul Christian Hilscher, der zwei­mal — im Jahre 1705 und (ausführlicher) 1718 — je ein Werk der Totentanzforschung widmete. 3 Mit dem zuwachsenden romantischen Geist der Zeit, und im Einklang mit der pessi­mistischen Weltauffassung wächst auch das In­teresse des Volkes, der Dichter, Künstler und Forscher nicht nur für Totentanzdichtung und Gemälde, sondern auch für die Lösungsmöglich­keit des Totentanzproblems. Während des Weltkrieges und in den Nachkriegszeiten fand der Totentanz eine sehr günstige Zeitstimmung und darum war und ist das Problem seiner Entstehung eine der aktuellsten Fragen unse­rer Zeit. Nach Hilscher blieben die Forscher über ein Jahrhundert stumm. Ausser der kleinen Ar­beit von Ludw. Suhl 4 wurde nichts Neues ge­schaffen. Diese Zeit war ja auch für die Ent­stehung neuer Totentanzarten ungünstig. Offenbar war diese grosse Lücke der ste­tigen Uberlieferung der Totentanzidee die Ur­sache, dass die Erfolge der Forschung von 1820 bis 1908 in Bezug auf die Lösung des Pro­blems unbedeutend sind. Während dieser lan­gen Pause ist vieles in Verlor gegangen und 1 Haláltánc, Budapest 1924. 2 Kempten, München 1914. 3 Beschreibung des Todten-Tanzes an H. Georgens Schlosse in Dressden. Leipzig, 1705. Beschreibung des so­genannten Todten-Tanzes, wie selbiger in Dressden an Herzog Georgens Schlosse als ein kurioses Denckmal menschlicher Sterblichkeit zu finden. Dressden, 1718. 4 Der Todten-Tanz nach einem 320 Jahre alten Ge­mälde in der Marienkirche zu Lübeck auf einer Reihe von acht Kupfertafeln. Lübeck 1783. r Totentanzforschung alles unverständlich geworden. Die Lösung des Problems der vielseitigen Entwicklung des To­tentanzes in Kunst und Literatur konnte nur durch eine ausführliche Sammelarbeit des voll­ständigen Materials ermöglicht werden. Aus einer Sammlung aller Angaben ergibt sich von selbst ein System, welches als Grundlage der Lösung dienen kann. Die Forscher nach 1820 haben in dieser Beziehung viel geleistet ; sie suchten aber zur Lösung ein einziges Prinzip, ohne die Vielseitigkeit der Totentanzliteratur zu beachten. Jene Theorien, welche nach 1820 von Forschern erfunden wurden, die nur einzelne Texte oder Bilder untersuchten und über die Gesamterscheinungen der Totentanzmotive mei­stens nur sehr oberflächliche und phantastische Meinungen geäussert haben, wurden von Karl Künstle in der bis 1908 erweiterten Bibliographie seines Werkes über die Legende der drei Le­benden und drei Toten ausführlich beurteilt. 5 Die bibliographische Arbeit Künstles, die für jede wissenschaftliche Untersuchung der Toten­tanzfrage grosse Bedeutung hat, wurde von W. Stammler ergänzt. 6 Bei Stammler werden nicht nur die wissenschaftlichen Werke, sondern auch selbst die Totentänze der Kunst und Literatur bis 1922 aufgezählt. Hauptsächlich der moderne Teil der Bibliographie der Totentanzbilder und Gedichte ist höchst wertvoll, zwar wird in ihm ein Ausblick in die Weltliteratur leider ver­misst. Schon W. Seelmann machte den Versuch eines bibliographischen Systems aller europäi­schen Totentänze bis in das XVI. Jahrhundert. Hierauf folgte die Arbeit von H. F. Massmann, 7 der alle Ausgaben der mittelalterlichen Totentänze 5 Die Legende der drei Lebenden und der drei To­ten und der Totentanz. Freiburg im Br. 1908. S. 63—68. 6 Die Totentänze des Mittelalters. München. 1922. Einzelschr. zur Bücher- und Handschriftenkunde Bd. IV. S. 47-64. 7 Litteratur der Todtentänze. Leipzig, 1840.

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