KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ERSTER TEIL. Einführung in den Stand der neuesten Forschungsergeb nisse
Einzelne Bilder bleiben, was sie im mittelalterlichen Totentanz waren, symbolische, allegorische Szenen. Aber der eigentliche Begründer des modernen Totentanzes ist Holbein durch jene Szenen geworden, in denen der Tod nicht mehr der Vollstrecker des Sterbens ist und der Mensch indirekt, durch eine natürliche Ursache getötet wird. Die Schiffbrüchigen sterben nicht durch die Todeshand, sondern infolge des verhängnissvollen Sturmes. Die Realisierung der Totentanzmotive ist in der 47. Szene am auffälligsten. Der kranke Bettler stirbt auf der Strasse von allen Menschen verlassen und der Tod erscheint überhaupt nicht mehr. Die Entwicklung des modernen Totentanzes ist eigentlich die Ausbildung jener Ideen, welche schon im Holbeintotentanz vorhanden waren. Dem mittelalterlichen Totentanz entsprechend wird nach Holbein nicht nur der „TodesTanz", sondern auch der „Toten-Tanz" fortgesetzt. Der „Everyma n-T ode s-T a n z" lässt den Tod in symbolischen Einzelbildern auftreten. Die in den Holbeinbildern angedeutete Symbolik wird von den Dichtern getreu wiederholt und variiert. Durch den Einfluss der Realisierungsbestrebung wird der symbolische Rahmen mit einem Märchen, mit einer Sage ersetzt. Aber schon am Ende des XVII. Jahrhunderts und im XVIII. Jahrhundert tritt die Everyman-Todesgestalt des neuzeitigen „EverymanTodes-Tanzes" in einem historischen Rahmen auf. Das Opfer des Todes wird zu einer historischen Persönlichkeit. Der „germanische Toten-Tanz" entstand durch die Identifizierung der Toten der Sage mit den Totengestalten des mittelalterlichen Totentanzes. Die Dichter bearbeiten irgendeine Sage, in der ein Toter oder mehrere Tote auftreten und geben der Sagenbearbeitung den Titel „Totentanz". Durch die Vermittlung der germanischen Totensagen ist die sog. „germanische Todesgestalt" entstanden, der germanische „Q u ä 1 g e i s t - T o d", der „W andere r". Wie im späteren mittelalterlichen Toten-Todes-Tanz, spielt auch im modernen Toten-Tanz der Tod die Rolle des Toten der Sage. Der germanische Tod wird der Anführer des „wütenden Heeres", der „Wilde J ä g e r". Auch der germanische Toten-Tanz wird durch historische Motive realisiert. Die im „wütenden Heer" oder in dem Kirchhof nächtlich erscheinenden germanischen Toten sind die Gespenter historischer Persönlichkeiten. Die bisher erwähnten Totentanzarten waren nur Einzelbilder. Auch die Einzelbilderreihe Holbeins fand ihre moderne Ausbildung in der „allegorischen" und „historischen" Einzelbilderreihe. Die „allegorische Einzelbilderreihe" besteht aus mehreren „Everyman-Todes-Tanz-Szenen", in denen die Handlungen des Todes symbolische Bedeutung haben. Die leere Allegorie war zur Weiterbildung nicht geeignet und die späteren Vertreter der allegorischen Einzelbilderreihe haben die Symbolik mit Elementen der historischen Einzelbilderreihe gemischt. Die historische Einzelbilderreihe ist die Darstellung der Geschichte der Menschheit. Als Hauptperson der historischen Handlung tritt der germanische „W andererTod" auf. Diese Dichtungsart vereinigt alle Motive des Everyman-Todestanzes und des germanischen Totentanzes. Die vollständige Realisierung der Motive tritt erst im sog. „Lebens-Tanz" ein. Der Tod tritt nicht mehr auf. Nur das Leben wird charakteristisch und meist tragisch dargestellt, ohne die alten Motive zu wiederholen. Zu dieser „allgemein menschlichen Totentanzauffassung" gelangen wir durch die Vermittlung einzelner Übergangsstufen. Als einen Übergang zum „LebensTanz" müssen wir das „einheitlich allgemein menschliche Bild" betrachten, das in sich indifferente Handlungen zu einem Symbol des Lebens der Menschheit erhebt, indem es nach altem Muster noch den Tod oder einen Toten auftreten lässt. Nach der modernsten „allgemein menschlichen Totentanzauffassung" kann jeder Roman, jedes Drama, jede Novelle, die einen tragischen Schluss hat, als ein „Totentanz" gelten und so verschwinden auch die letzten Reste der alten Motive. X. Der ungari Das vorliegende Werk sollte ursprünglich nur eine eingehende Darstellung der Geschichte des ungarischen Totentanzes sein. Erst nachdem sich auf der Suche nach ausländischen Mustern und Parallelerscheinungen langsam ein Arsenal von wichtigen Beobachtungen und Angaben heranbildete, wurde der Verfasser gezwungen, das Hauptgewicht der Untersuchung auf das gesamte Bereich aller europäischer Toten;he Totentanz tänze zu legen. Auf diese Weise war es selbstverständlich auch viel leichter, die ungarischen Produkte totentanzähnlichen Inhaltes in ein richtiges Licht zu stellen. An der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Totentanzmotive und des mittelalterlichen Totentanzes hat sich die altungarische Literatur und Kunst kaum beteiligt. Vor allem befindet sich in den altungarischen Märchen-