KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ERSTER TEIL. Einführung in den Stand der neuesten Forschungsergeb nisse

man drei Freunde, von denen er verlassen wird. In Cremona hat Everyman schon Eremitenklei­der angelegt und steht neben dem alten Eremi­ten, der ihn bekehrt hat. In Metz sitzt der Eremit rechts im Walde und Everyman naht sich dem Kreuze, während seine drei Freunde von drei Toten gepeinigt und erschreckt werden. So bildet sich langsam eine interressante Legende heran, die wir „Gesamtlegende" nen­nen, weil sie in sich den gesamten Inhalt der Everyman-Legende und der Legende von den drei Lebenden und drei Toten vereinigt. Diese Legende hat eine „Todeslegendenform" und eine „Totenlegendenform." Die Todeslegendenform wird durch die Bilder in Pisa und Subiaco, sowie durch einen Teil des „Spiegelbuches" und durch die „Augs­burg-Münchener" Legende vertreten. Nach der Todeslegende wird Everyman durch die Betrachtung der Leichname (Pisa) zu einem Eremiten, während seine Freunde, wel­che die lustige Jagd fortsetzen, von der Todes­furie niedergemäht werden. Nach der Version des „Trier-Homburger" Spiegelbuches wird Eve­ryman von seinen drei Freunden wegen seiner Bekehrung verspottet und misshandelt. Every­man sucht bei Gott gegen seine aus Freunden gewordenen Feinde Schutz und Gott gewährt ihm, den Tod seiner drei Feinde zu sehen, welche der Tod der Reihe nach dahinrafft. Wie der Tod der drei Freunde Everymans in St. Gallen, Trier-Homburg, Donaueschingen und auch der Tod des einen Freundes in der Augsburg-Münchener Form dargestellt wird, das ist eine Übertragung der einstigen „Everyman­Legende" vom unvorbereitet sterbenden Jüng­ling auf die Freunde Everymans. Das Gespräch des Reichen mit dem Tod in der Berliner, Avi­gnoner und Fuldaer Handschrift ist eigentlich die Darstellung des Todes Everymans und der Nichtigkeit der Macht und des Reichtums. In der Trier-Homburger und Augsburg-Münchener Form stirbt Everyman nicht, er sieht aber den Tod der „Macht", der „Schönheit" und des „Reich­tums", seiner drei untreuen Freunde, die vom Tod ebenso getötet werden, wie in den älteren Fassungen Everyman selbst. Jeder einzelne Freund liegt am Ende einer jeden Szene als ein Leichnam im Grabe und spricht dieselben Worte, die einst der jammernde Tote der Ur­form der Gisant-Typ-Legende sprach. Diese Form der „Gesamtlegende" heisst Todeslegen­de, da in ihr die drei Freunde Everymans von der dreimal erscheinenden Todesgestalt abge­holt werden. Dies gilt nur für die textlichen Be­arbeitungen. Auf den Bildern, wie z. B. in Su­biaco, werden die untreuen Freunde Everymans von der auf einem fahlen Ross (s. Apokalypsen­Petrarca-Illustrationen) reitenden weiblichen Ske­lettgestalt des Todes auf einmal überfallen. In der Totenlegende zu Trient, Basel, im Berliner Kupferstichkabinett und im „Breviári­um Grimani" steigen auf das Gebet des von seinen Freunden bedrängten Everyman die To­ten des Kirchhofes aus ihren Gräbern und über­fallen die Freunde Everymans, die in Trient (im flandrischen Livre d'heures : Bibl. Communale Cod. fol. 1761 122v—123r) Vertreter der „Eitelkeit" (Spiegel), „Kraft" und „Schönheit" sind. Diese Legendenform ist also eine Weiterbildung des Freskobildes in Metz, während die Todeslegen­denform durch die Übertragung des mittelalterli­chen „Everyman-Dialoges" auf die drei Freunde Everymans entstand. VIII. Die Erweiterung der Gesamtle Der Einfluss der Petrarca-Trionfi und Schon in einzelnen französischen Hand­schriften wurde das Vadomori-Gedicht mit der Urform der Gisant-Typ-Legende, mit dem Jam­merruf des im Grabe liegenden Toten, mit der Darstellung der Vergänglichkeit des Reichtums in der Form der Parabel vom Reichen und ar­men Lazarus, mit der Legende von den drei Lebenden und drei Toten in dieselbe Hand­schrift aufgenommen. 1 Die Ursache dieser Vereinigung ist die zentrale Lage der Todes- und Toten-Legenden­Motive, welche diese in der Contemptus mundi­Literatur nach dem Vorbild der Barlaam und Josaphat-Legende und der apokryphen Augu­stinus- und Cyrillus-Briefe einnahmen. Der Avignoner Everyman-Dialog folgt in der Handschrift 302 des XIV. Jahrhunderts nach 1 Paris Bibl. Nat. Catalogue aus 1868. ms. fr. 957 (XIV. Jh.\ ms. fr. 1555 (XIV. Jh.), ms. fr. 378 (XIII. Jh.), ms. fr. 1109 (aus d. J. 1310), ms. fr. 1446 (XIV. Jh.), ms. fr. 995 (XV. Jh.), Cambridge Magdal. College Coli. Pepys 1938 (XIV. Jh. mit ms. fr. 957 zu vergleichen). gende durch die Vadomori-Gedichte der erste Todes-Tanz und Toten-Tanz einem Vorbild der Vadomorigedichte, nach einem Werke des Papstes Innozenz III. „De contemp­tu mundi" (Ende des XII. Jahrhunderts). Da die Legende von den drei Lebenden und drei Toten die Darstellung der Vergänglichkeit der Macht, des Reichtums, der Schönheit usw. ist und die Monologe der Standesvertreter der Vadomorigedichte den dreifachen Nichtigkeits­gedanken in eine Standesreihe zerlegen, konn­te in der Fuldaer Handschrift (Ständische Lan­desbibl. Cod. Aa. 136 fol. 105b ff.) die Legende von den drei Lebenden und drei Toten durch ein Vadomorigedicht ersetzt werden. Die dem Va­domori hier vorangehende Szene ist die Dar­stellung der Vergänglichkeit des Reichtums in der Form des Gespräches der Todesgestalt mit einem Freund Everymans, mit dem „Reichtum". Die Anweisung zur Illustration vor dem Text des Todes beweist, dass diese Form aus einer illu­strierten Handschrift des XIII. oder XIV. Jahrhun­derts abgeschrieben, aber nicht illustriert wurde. Nach den Todesszenen des Trier-Homburger

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