KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ERSTER TEIL. Einführung in den Stand der neuesten Forschungsergeb nisse

lauter traditionelle Motive, die nur im Orient be­kannt waren, die von den Grostikern in den er­sten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung im Abendland verbreitet wurden und von der amtlichen Kirche zwar mehrmals verfolgt im Volksglauben bis insXIII. —XIV. Jahrhundert hin­auf reiche Ausbildung genossen haben. Das Mo­tiv von den in der Musik und im Tanz verkleide­ten Urkräften der Natur fasste mit anderen, eben­falls irgendeiner häretischen Weltanschauung entsprungenen Todes- und Totenmotiven im Ver­borgenen der Weltanschauung der mittelalter­lichen lateinischen und germanischen Völker so tiefe Wurzeln, dass man sie auf die Gestalt Christi und des Todes übertrug, ohne den wah­ren, im Orient üblichen Sinn zu kennen. Tra­ditionell ist die Sichel und die Sense des Todes, welche auf einigen Bildern mit der Mondsichel verglichen wird. Die Mondsichel, ein Totenkör­per des Weltalls, wird in der Hand des als To­tenkörper verbildlichten Todes nicht nur zum Symbol des Mordes, sondern auch zur Waffe des personifizierten Todes. Traditionell ist die Jünglings-, Greisen-, Leichnams- und Skelett­Gestalt des Todes. Ebenso traditionell orienta­lisch ist die Teufelsgestalt des Todes. Die Wir kung der Tradition ist in den Legendenresten am Anfang und am Ende der Todes- und To­ten-Tänze zu erkennen. Wir geben hier die Entwicklung der tra­ditionellen Motive auf Grund der allgemein menschlichen Ideen. IV. D Die Darstellung des Toten als eines Leich­nams oder Skelettes ist allgemein menschlich. Aber die Gegenüberstellung eines Leichnams mit einem Lebenden ist schon neu und kann nur durch Tradition verbreitet werden. Diese Gegenüberstellung des Lebens und des Todes in einem Lebenden und einem To­ten nennen wir den „Gisant-Typ", da die To­tengestalt in Gisant-Stellung, d. h. liegend darge­stellt wird. Wenn der Leichnam eines soeben gestor­benen Menschen neben einem halb verwesten Leichnam und einem Skelett dem lebenden Menschen gegenübergestellt wird, so nennen wir diese Reihe das „Gisant-Typ-Rad". Das „Gisant-Typ-Rad" wird auch durch weitere Ge­stalten des Lebens erweitert und dann entsteht die Reihe : Kind, Mann, Greis, soeben Gestor­bener, halb verwester Leichnam und Skelett. Auch dies ist noch ein Gisant-Typ-Rad, obwohl wir ihm den Namen „Lebens-Rad" geben. Im Orient war das Skelett ein okkultistisches Zauberzeichen, dessen sich die Magier bedien­ten. Schon die Ägypter, Griechen, Römer kann­ten den Gisant-Typ und wussten die Arten der Gespenster nach ihrer Leichnams- oder Skelett­gestalt zu unterscheiden. Um die Vergänglichkeitsgedanken zu fixie­ren, werden die Totenkörper schon im alten Testament und später bei arabischen Dichtern, r Tote bei Lukianos und Petrus Alphonsus sprechend aufgeführt. Die Erzählung von König N'omán, der mit dem Dichter A'dá Ben Seid mehrmals an einem Kirchhof vorüberritt, vom Dichter die Sprache der Toten erfuhr und sich bekehrte, ist die Grundlage der Legende von den drei Toten, in welcher der alte Spruch der Toten immer wiederholt wird : „Was wir sind, das werdet ihr". Die Legende von den drei Leben­den und drei Toten ist eigentlich eine Wieder­holung der N'omän-Sage in der Form des „Gi­sant-Typ"-Rades oder Lebensrades, da die drei Könige, die in dieser Legende auf drei in of­fenen Särgen — als Vertreter der drei Verwe­sungsstadien — liegende Tote stossen, selber die Vertreter des Jünglings-, Mannes- und Grei­senalters sind. Zu dieser Zergliederung der einen königlichen Gestalt N'ománs in den späteren Formen der Legende gab die N'omán-Legende selbst den sichersten Anhaltspunkt, da N'omán mehreremal an den Gräbern vorüberreitet und der Dichter A'dá Ben Seid jedesmal noch ein­dringlicher den Spruch der Toten wiederholt. Aus dem dreimal abgebildeten einen König wurden drei Könige und die Legende von den drei Lebenden und Toten besteht daher aus ein und derselben Szene, welche dreimal wiederholt wurde. Zum endgültigen Festhalten an der Dreizahl der Toten mag vor allem die Hiero­nymus-Legende beigetragen haben. V. Evi Nackt kommt der Mensch auf die Welt und nackt muss er aus dem Leben scheiden. Dieser Satz kommt schon im Alten Testament vor und ist der Grundsatz des Lebensrades. Schon in der Genienreihe der Etrusker wird das von der Mutter gepflegte nackte Kind dem vom bösen Genius getöteten nackten Mann ge­genübergestellt. Der „nackte oder reine" Mensch ist Everyman. Er ist „der Mensch" ohne Stan­des* und Altersunterschied und entstand durch die in eine Person gedrängte Darstellung des „Lebensrades". Die Gestalt „des Menschen" kann auch die Personifikation der Standesreihe sein und dann ist sie eine Vereinfachung des sog. „Glücks­rades", auf dem links die Stände emporsteigen,

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