KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ERSTER TEIL. Einführung in den Stand der neuesten Forschungsergeb nisse
oben die Vertreter der höchsten Stände sitzen und rechts alle Stände hinunterfallen. Unter dem Rad liegt der Vertreter des untersten Standes, der Bauer oder Leibeigner. Wenn „Everyman", der „Mensch" auch die Stände vertreten soll, so wird er meistens als ein König gezeichnet. Im Mittelalter wurde diese Gestaltungsform Everymans in die Standesreihe der „Vadomori"-Gedichte aufgelöst, in denen aber ausser dem König, Kaiser, Ritter, Reichen, auch der Greis, der Jüngling, das Kind — die Vertreter des Lebensrades — auftreten. Einzelne, von den Standesvertretern gesprochenen Monologe beginnen und enden mit dem Ruf : „Vado mori": „Ich werde sterben" (bisher fälschlich als „ich gehe sterben" übersetzt; „vado" ist im mittelalterlichen Latein eine Form der Futurum-Bildung). In der Entstehung der „ Everyman-Legende" spielt die durch mittelalterliche christliche Märchen- und Legendensammlungen ins Abendland verpflanzte (vgl. Barlaam und Josaphat) arabisch-orientalische „Freundschaftsprobe" die wichtigste Rolle. Ein reicher Mann liegt schon am Sterben, als er seinem Sohne die Lehre gibt, seine Freunde auf die Probe zu stellen und sie in einer fingierten Not um Hilfe, um Beistand zu ersuchen. Aber weder der erste Freund, die Welt, noch der zweite, die Verwandten, erklären sich bereit, ihm Hilfe zu leisten, nur der dritte, den der Jüngling am wenigsten geliebt und am meisten vernachlässigt hat, „die gute Tat," will ihn um jeden Preis retten. In späteren Fassungen wird aus der fingierten Not eine wirkliche. Der reiche Jüngling wird durch einen Boten vor den Richterstuhl des Königs geladen. Der König ist Gott und der Bote der Tod. Der Jüngling wird von seinen zwei liebsten Freunden, von der Welt und von seinen Verwandten verlassen und nur Christus will ihn bei Gott verteidigen. Aus den zwei untreuen Freunden Everymans werden mit der Zeit drei Freunde (Metz), die Personifikationen der drei „arabischen Nichtigkeiten", der Nichtigkeit des Reichtums, der Macht und Schönheit, — oder Macht, Schönheit, Weisheit. Die Legende vom sterbenden Everyman wurde in der Apokryphschrift „História Josephi fabri lignarii" christianisiert und durch die „Ars moriendi"-Bücher sehr verbreitet. Eine Ausnahmestellung in der Geschichte der Everymanlegende gebührt dem AlkestisDramades Euripides, in welchem, wahrscheinlich ebenfalls infolge eines orientalischen Einflusses, nicht nur das Motiv der Freundschaftsprobe zur Geltung kommt, sondern — wie erst in spätmittelalterlichen Varianten dieser Legende — auch die Personifikation des Todes auftritt. In der sog. „Everymanlegende" wird das Leben, der Tod und das Schicksal Everymans nach dem Tod in Szenen gesetzt, welche Erweiterungen der Ars-moriendi-Bücher und der História Josephi sind. Nach einer Darstellung des sündhaften Lebens Everymans erscheint der Bote Gottes, der Tod. Das Gespräch Everymans mit dem Tod ist der „Everyman-Dialog", der in einer späten, lateinischen Fassung des XV. Jahrhunderts mit der Frage Everymans beginnt : „Quis es tu, quem video ?" ... Die „EverymanDialoge" der früheren Jahrhunderte haben in der Entstehung der Gesamtlegende grosse Rolle gespielt. VI. D Der „Tod" Everymans ist der personifizierte „Todeszustand Jedermanns", er ist „das Totsein", das den Lebenden in eine Leiche verwandelt. Die älteste orientalische Darstellung des Todes ist ein Teufel mit Vogelklauen, mit Stierkopf und mit einem gemalten Totenschädel auf der Brust. Er ist der körperliche und seelische Tod. (Vgl. die mythologischen Darstellungen in Indien). Der „Jünglings-Tod" des klassischen Altertums ist der körperliche Tod, da er ein Leichnam ist, der seine Füsse, wie die Toten der antiken Sarkophag-Deckel, übereinander schlägt. Die lateinische „Mors" ist der schon im Leben wirkende Tod : Moira. Mors ist mit dem Lebensrad identisch und ihre Gestalt entstand auch aus dem Lebensrad. Wie es die Darstellungen des Lebensrades und der SündenfallSzenen beweisen, hat sich die Leiche, welche der Totenkörper des auf dem Lebensrad aufgestiegenen und vom Lebensrad gefallenen Everyman sein sollte und unter dem Rade lag, in die Gestalt des Todes verwandelt. „Everymans Totenkörper" wurde zum „Tod" Everymans. Ein Lebensrad, aus dem die Gestalt des Todes ent• Tod stand, war auch der antike Begriff von den drei Parzen (vgl. Lukianos). „Everymans-Tod" hat immer dieselbe Erscheinungsform, wie Everyman selbst. Ist Everyman weiblich, so ist der Tod eine Furie. Der „Manns-Tod" ist die Leiche eines Mannes. Ist Everyman ein Jüngling, so ist „sein Tod" der Leichnam eines Jünglings. Der Tod des greisenhaften Everyman ist selbst ein Greis. In der Bildung der Todesgestalt haben aber nicht nur die Entwicklungs-Stadien des lebendigen Körpers am Lebensrade, sondern auch die VerwesungsStadien am Gisant-Typ-Rade mitgesprochen. Die klassiche Kunst hat — wie das auch im Mittelalter der Fall war — den in schreckenhaften Umständen wütenden Tod nicht nur als eine Leiche, sondern auch als ein Skelett personifiziert. In der Todesgestalt der História Josephi wurde die orientalische Vorstellung von der Gestalt des Todes mit der klassischen Vorstellung des Christentums verschmelzt. Der auf einem Stier oder Büffel reitende mittelalterliche Tod und der Teufels-Tod mit Vogelklauen weist auf die Zusammenhänge mit der orientalischen Darstellungsweise.