KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

ja diese Stelle selbst wird später auf den Gesamtlegen­denfresken in Subiaco und Pisa illustriert. In Clusone finden wir dieses Motiv wieder. Auch die personifi­zierte Todesgestalt tritt in diesem Psalm auf. Der Tod ist der Hirt der Unterwelt. Er treibt die Seelen der Toten in die Unterwelt. Der Tod weidet sie, wie die Schafe, und die Gerechten triumphieren in der Unterwelt über jene Menschen, die als sie auf Er­den in hohen Ehren lebten, den Tod vergessen haben. Es folge das Todeslied : (2.) „Höret dies, ihr Völker alle, vernehmet es alle Bewohner des Erd­kreises, (3.) alle ihr Erdgeborenen und Menschen­kinder, alle miteinander, reich und arm ! (6.) Warum soll ich mich fürchten am Unglückstage, wenn die Bosheit meiner Nachsteller mich umgibt, (7.) welche auf ihre Macht vertrauen, und der Menge ihrer Reich­tümer sich rühmen ? (8.) Es kann kein Bruder los­kaufen, kein Mensch, und keiner Gott das Lösegeld für sich erlegen, (9.) noch für sein Leben einen Lösepreis, wenn er sich auch in Ewigkeit abmühte,... (11.) Nicht hat er das Ende vor Augen, wenn er Weise sterben sieht; Toren und Unverständige kom­men miteinander um und hinterlassen Fremden ihre Reichtümer. (12.) Ihre Gräber sind ihr Haus auf immer, ihre Wohnungen von Geschlecht zu Geschlecht, man pries ihren Namen in ihren Ländern. (13.) Doch der Mensch erkennt es nicht, da er in Ehren ist, be­denkt er es nicht ; er wird den unverständigen Tie­ren gleich und wird diesen ähnlich ... (15.) Sobald die Schafe in die Unterwelt versetzt werden, führt sie der Tod auf die Weide. (Wie Schafe fahren sie zur Unterwelt, der Tod rafft sie hinweg ; mors de­pascet eos); die Gerechten triumphieren über sie gar bald, und ihre Hilfe schwindet dahin in der Toten­welt, nachdem ihre Herrlichkeit vergangen . . . (17.) Fürchte nicht, wenn ein Mensch reich wird, und wenn sich die Herrlichkeit seines Hauses mehrt ; (18.) denn wenn er stirbt, nimmt er nichts mit sich, und seine Herrlichkeit fährt nicht mit ihm hinab. 1 Für die mittelalterliche Entwicklung der Todesgestalt ist die Vision der Offenbarung von jenen vier apokalyptischen Reitern, die nach den noch zu besprechenden vielen Interpreta­tionen teilweise mit Teufeln indentisch sind, von grosser Wichtigkeit. Als das Lamm die ersten vier Siegel des Buches öffnet, erschei­nen nach der Reihe vier geheimnisvolle Reiter, die das Nahen des Jüngsten Gerichtes ankün­digen. Ich entnehme die Interpretation der heu­tigen Auffassung der Bibelforschung aus der Übersetzung der hl. Schrift von Allioli. 2 Der erste Reiter reitet auf einem weissen Ross, das als Streittier die Auszeichnung des Siegers ist. Da in den Offenbarungen Christus erst 19, 11 her­abkommt und mit dem Lamm identisch ist, kann dieser Reiter nicht Christus, sondern mit Bezug auf Matth. 24, 7 ff. nur das siegreiche Evangelium sein, das in einem Triumphzug durch die Welt ..zieht. Dieser Reiter ist ge­krönt. Mit der Öffnung des zweiten Siegels gleichzeitig erscheint ein feuerrotes Ross und dem mit einem Schwerte bewaffneten Reiter wird verliehen, den Frieden von der Erde zu nehmen. Die rote Farbe bedeutet Blut, Mord. 1 vgl. Ps. 38. 5-s. 2 hg. von Augustin Arndt S. J. 10. Aull. v. Allioli, Regensburg, Pustet, 1903. III. Bd, S. 954-955. Der zweite Reiter ist also „der Krieg." Der dritte Reiter erscheint auf einem schwarzen Ross und hält eine Wage in der Hand. Die schwarze Farbe will eine Plage darstellen, die vor dem Gericht die ganze Menschheit quälen wird. Durch das Abwägen des sonst abgemessenen Getreides wird die „Teuerung" vorgestellt. 8 Ein Mass war zur Zeit der Entstehung der Offen­barung ein Gewicht von 552 Gramm Einheit. Die Teuerung wird also so gross sein, dass auf einen Menschen täglich, nur ein Mass Weizen, auf die Armen nur drei Mass Gerste fallen ; dabei wird ein Mass Weizen, sowie drei Mass Gerste ein Denar kosten ; Denar ist der damals übliche Tagelohn. Während man aber zur Zeit der Offenbarung für einen Denar zwölf Mass Weizen, und für einen halben Denar zwölf Mass Gerste bekommen hat (Cicero Verres III), wird sich zur Zeit der Vorbereitung auf das Jüngste Gericht das tägliche Brot beträchtlich teuern. Nur das Ol und der Wein wird sich nicht teuern und daher wird auch die Versuchung und die Schwere dieser Heimsuchung der Mensch­heit mit dem Hunger einerseits, mit Aus­schweifungen andererseits verbunden. Mit der Öffnung des vierten Siegels erscheint der Tod auf einem fahlen Ross reitend. Das fahle Ross will den vom Tod getöteten Leichnam der Men­schen andeuten, der Tod ist also hier „der kör­perliche Tod." Aber diesem körperlichen Tod folgt die Unterwelt, das Totenreich, das ihm dient. Die Unterwelt muss ihm nachfolgen, um die von ihm getöteten Menschen sofort aufzu­nehmen. Diesem körperlichen Tod wurden vier Mittel gegeben, die Menschen töten zu können: Schwert, Hunger, Pest (Krankheiten), und wilde Tiere. Mit diesen Waffen wütet der Tod nach allen vier Seiten der Welt. Diese Szene hat auf die Triumphszene in den Petrarca-Triumphen grossen Einfluss gehabt. Schon hier in der Apokalypse liegen die vom Tod getöteten Men­schen zu Füssen des triumphierenden Todes. Diese Szene wird in Subiaco, Pisa, Clusone mit dem Gedanken der Petrarca-Trionfi vereinigt. Als das Lamm das fünfte Siegel öffnet, sieht der Seher die Seelen (nicht die Körper) der Märtyrer unter dem Altare. Sie rufen Gott an, ihren Tod zu rächen und die Welt zu richten. Einer jeden Seele wird ein weisses Kleid ange­tan. Mit der Öffnung des sechsten Siegels wird die Vision des Weltgerichtes verbunden. Sonne, Mond, Sterne fallen vom Himmel. Erdbeben erschüttert die Welt. Apok. 6, 1—13: (1.) „Und ich sah, dass das Lamm eines von den sieben Siegeln geöffnet hatte, und ich hörte eines der vier Wesen wie mit Donner­stimme sprechen : Komm und siehe ! (2.) Und ich schaute, und siehe, ein loeisses Ross, und der dar­auf sass, hatte einen Bogen, und es ward ihm eine Krone gegeben, und er zog als Sieger aus, um zu siegen. (3.) Und als es das zweite Siegel geöff­net, hörte ich das zweite Wesen sagen : Komm und siehe ! (4.) Und ein anderes Ross zog aus, feuerrot, 3 vgl. 3. Mos. 26. 26. Ezech. 4, io, 16.

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