KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

und dem, der darauf sass, wurde verliehen, den Frieden von der Erde wegzunehmen, und sie einan­der morden zu lassen, und es ward ihm ein gros­ses Schwert gegeben. (5.) Und als es das dritte Siegel geöffnet, hörte ich das dritte Wesen sagen : Komm und siehe I Und siehe, ein schwarzes Ross, und der darauf sass, hielt eine Wage in seiner Hand. (6.) Und ich hörte wie eine Stimme aus der Mitte der vier Wesen sagen : Ein Mass Weizen um einen Denar, und drei Mass Gerste um einen Denar ; das Ol aber und den Wein schädige nicht I (7.) Und als es das vierte Siegel geöffnet halte, hörte ich die Stimme des vierten Wesens sagen : Komm und siehe I (8) Und siehe, ein Fahles Ross und der auf demselben sass, heisst Tod, und das Totenreich folgte ihm ; und es ward ihm Macht gegeben über die vier Teile der Erde, zu töten durch Schwert, durch Hunger und durch Pest und durch die wilden Tiere der Erde. (9.) Und als es das fünfte Siegel geöffnet hatte, sah ich unter dem Altare die Seelen derjeni­gen, die um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, an welchem sie hielten, getötet wurden. (10.) Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen : Wie lange, o Herr I (du Heiliger und Wahrhaftiger I) richtest du nicht und rächest nicht unser Blut an den Bewohnern der Erde? (11.) Und es ward ihnen, einem jeden, ein weisses Kleid ge­geben ; und es ward ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit ruhen möchten, bis die Zahl ihrer Mitknechte und Brüder erfüllt würde, die noch ge­tötet werden sollten, ebenso wie sie. (12.) Und ich sah, als es das sechste Siegel geöffnet hatte; siehe, da entstand ein grosses Erdbeben, die Sonne ward schwarz, wie ein härener Sack, und der ganze Mond ward wie Blut ; (13.) und die Sterne fielen vom Himmel auf die Erde, wie der Feigenbaum seine unzeitigen Feigen fallen lässt, wenn er von starkem Winde geschüttelt wird ..." usw. Leider wissen wir nicht, wie sich der Se­her die Gestalt des Todes vorgestellt hat. Er berichtet nur über das fahle Ross des Todes. Diese Todesgestalt ist sicher „der körperliche Tod", da nach einer anderen Stelle der Offen­barung der zweite Tod nur der Tod der Sünder ist, während die hier auftretende Todesgestalt alle Menschen tötet. Der zweite Tod ist ja die Hölle und der Teufel : Offb. 20, 6 : „Selig und heilig, wer Teil hat an der ersten Auferstehung; über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm tausend Jahre herrschen." Offb. 21. 8: „Den Feigen aber, und Ungläubi­gen, mit Greueln Befleckten, Mördern, Unzüch­tigen, Zauberern, Götzendienern und allen Lüg­nern soll ihr Teil werden in dem Pfuhl, der vom Feuer und Schwefel brennt : dies ist der zweite Tod." Der erste Tod ist der körperliche Tod und dieser kommt wie ein Räuber : Offb. 3, 3. „Wenn du nun nicht wachest, so werde ich über dich kommen wie ein Dieb, und du sollst nicht wissen, um welche Stunde ich über dich kom­men werde." Die Darstellungsform jener Todesgestalt, die als vierier apokalyptischer Reiter erscheint, hängt auch von der Darstellungsform der Sterbestunde ab, da hier der Tod durch Schwert, Hunger, Pest und wilde Tiere tötet. Die Gestalt Every­mans und „des Todes Everymans", „des Men­schen", wird aber nicht nur in der hl. Schrift, sondern auch in der griechisch-römischen Kunst aufeinander bezogen. 2. Die Todesgestalt der Griechen und Römer Die griechisch-römische Kunst wurde schon im christl. Altertum und frühen Mittelalter chri­stianisiert und in den christlichen Kunstformen adoptiert, wie das auch mit anderen heidnischen Kulturelementen geschah, mit denen das Christen­tum in Fühlung kam. Die zufällige Überein­stimmung der klassischen und christlichen Mo­tive ist dabei nicht zu übersehen. Auch die klassische Kunst kennt eine besondere Form für die Darstellung des körperlichen Todes. Auch „der Tod des Guten" und „der Tod des Sünders" hat typische Formen. Seitdem G. E. Lessing in seiner grossen Studie über die antike Todesdarstellung „Wie die Alten den Tod gebildet .... Nullique ea tristis imago I Statius." 1 — das Vorhandensein und auch die Möglichkeit der Skelettdarstel­lung in der antiken Kunst überhaupt bestritt, wurde diese Frage mehrmals schon als das wichtigste Problem der Ikonographie der Todes­gestalt erklärt. 2 Allein der schon erwähnte Grundsatz hilft uns die Sachlage dieses Problems zu klären. Durch die Anwendung jener Regel, dass die Darstellung der Todesgestalt mit dem Sterbezu­stand „des Menschen" zusammenhängt, wird hier gezeigt, dass die antike Jünglingsgestalt, mit den übereinander geschlagenen Füssen, so­wie die Skelett- und Furiengestalt bei den Anti­ken gleichzeitig vorhanden war und dass alle drei Darstellungsformen aus dem schon bespro­chenen „Lebensrad" oder „Gisant-Typ-Rad" her­ausgewachsen sind. In den folgenden Untersuchungen benütze ich nicht nur jene Angaben, die Lessing in der erwähnten Studie anführt, sondern auch jene, die von P. Weber-Holländer, 3 von Ed. Dobbert 4 und von J. B. Hornung 5 bearbeitet wurden. Klotz hat in der Vorrede zum zweiten Teil der Abhandlungen des Grafen Caylus behaup­tet, dass Lessings Meinung : „die alten Artisten haben den Tod nicht als ein Skelett vorgestellt" 6 und „die Alten haben nie eine Furie und nie schwebende Figuren ohne Flügel gebildet", un­richtig sei. Klotz hat sich dabei auf folgende 1 1769 : G. E. Lessing's gesammelte Werke Bd. 5. S. 272-335. Leipzig 1856. ä vgl. Herder, Wie die Alten den Tod gebildet ? Sämtl. Werke Tübingen. 1809. XI. S. 427—494, weiter Ju­lius Lessing : De Mortis apud veteres figura. Bonn 1866. 3 Des Todes Bild, Berlin 1923. 4 Der Triumph des Todes im Campo Santo zu Pisa. Repert. f. Kunstwiss. Janitschek Bd. IV. Stuttg. 1881. S. 1-45. 5 Ein Beitrag zur Ikonographie des Todes. Diss. Frei­burg i. Br. Bühl. 1902. 6 Laokoon S. 122 : ebenda Bd. VI. S. 92.

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