Nagy Ildikó szerk.: ARANYÉRMEK, EZÜSTKOSZORÚK, Művészkultusz és műpártolás magyarországon a 19. században (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 1995/1)

TANULMÁNYOK / BEITRÄGE - KIRÁLY Erzsébet: „Laudatio artis" 19. századi képzőművészetünk dicséretének egykorú emlékei

In der Einführung (prooemium) deutet der Redner auf das Herannahen eines Ereignisses hin, das eine würdige Bekrönung der vorhergegangenen Ausstellungen und zugleich eine glänzende Ouvertüre der weiteren Zukunft sein werde. In der folgenden Einheit der Rede (narratio) spricht er darüber, daß das Gemälde bereits nach einer siegreichen Weltreise nach Ungarn ankommt. Daß dies tatsächlich ein Meisterwerk sei, sucht er im argumentierenden Teil der Rede zu erweisen. Er bezieht sich darauf, daß das Gemälde von der Kunstkritik bis dahin schon auf das Höchste bewertet wurde. Die Kunst habe im 19. Jahrhundert, ja überhaupt seit Rembrandt, nie Größeres, Bedeutenderes zustande gebracht. Den Namen von Munkácsy könne man nur neben den Größten, neben den Namen von Michelangelo und Raffaello nennen. Desto überzeu­gender sei diese Anerkennung, weil sie ja nicht vom Redner selbst stamme. Nicht er sage dies, und auch nicht die Kompatrioten; das wäre „noch ein bescheidenes Maß" für das Lob Munkácsys. Solche Leute behaupten es, die für unsere Nation, falls sie sie überhaupt kennenlernten, nicht begeistert sein würden. Für die Lobpreisung, sagt er, hat der siegreich vollbrachte Rundgang des Gemäldes diesseits und jenseits des Ozeans den ersten Grund gegeben, im Laufe dessen andere, ernste Sachverständige, eifersüchtige Künstler und strenge Kunstrichter von sich höher als uns haltenden Nationen die Kritik durchgeführt haben konnten. Wir sehen, daß der Topos des Rufes sich hier durch die moderne Bedeutung des Weltrufes erweitert: das große Talent kann auf eine universelle Achtung, selbst noch auf die der Rivalen, Anspruch erheben. Dann folgt in der Rede ein Exkurs (egressio) zum Abwehren der Beschuldigung wegen übermäßigem patriotischem Stolz und Chauvinismus, und hier gibt die häufige Wendung der vorzeigenden Reden, manchmal ihr selbständiger Inhalt, die Geißelung (vituperatio) den Ton an. Sind wir voreingenommen, behauptet der Redner, so gewiß nicht in der erwünschten Richtung. Während die ganze Welt zur Verherrlichung von Munkácsy bereit stehe, hätten wir uns mit der Begeisterung beinahe verspätet. Mit diesem dem Publikum bestimmten Vorwurf erhält in der Sprache der Rhetorik wiederum die Vorzüg­lichkeit des Schaffenden einen Nachdruck: seine Vorzüglichkeit habe ihn über die Menge hinausgebracht, da doch gerade die Kompatrioten unfähig seien, sich zu den Schöpfungen des großen Künstlers zu erheben. Dann folgt die Klausel des Exkurses: „ ... wir kommen als letzte in der Reihe, das Talent und den künstlerischen Triumph unserer Nation und unseres eigenen Blutes anzuerkennen und in Ehren zu halten." Die Argumentation geht nach dem Exkurs weiter, und zwar mit einem Rückverweis auf den geschichtlichen Ursprung des Ruhmes: was dem Griechentum einst Olympia war, das ist heute für die Welt Paris. Das der Stadt geltende Lobpreisen (laudatio urbis), das früher Rom ausgezeichnet hatte, gebührt jetzt als ein rednerischer Kunstgriff der französischen Haupt­stadt: diese „ist die heutige Metropole der Weltkunst", der neue Schauplatz des Gewinnens der Palmen. Der Triumph wird also dadurch gesteigert, daß Munkácsy hier, in dieser Stadt, in den Wettbewerb zog und hier siegte. Diese herrliche Stadt - setzt sich der Gedankengang fort - feierte laut Munkácsy, und auf welche Weise, ist nicht einmal nötig darzustellen, weil es jedermann weiß. Dennoch beschreibt es der Redner zum Nachdruck: in der Presse, in öffentlichen Banketten, in Prosa, in Gedichten, in Leitartikeln, in Feuilletons wurde das Lob des Künstlers laut usw. Nach so vielen Merkmalen des Ruhmes folgt ein auf die Gefühle der Zuhörerschaft appellierender, ein wenig vorweggenom­mener Abschluß (peroratio). Dieser Redeteil zieht die höchste moralische Lehre aus der Ansprache; er saugt fast alle bisherigen Elemente der der Person des Künstlers gewidmeten laudatio in sich auf. Die oben erwähnten Stationen des Triumphzuges von Munkácsy wären nämlich alle nichtig, falls der Künstler seinem Vaterland gegenüber gleichgültig wäre. In seinem Falle jedoch - wie es heißt - hat sich der Genius der Kunst mit dem Genius der Nation vereinigt, nicht so, wie bei anderen berühmten, doch „in ihrer Seele und in ihrer Kunst, in ihrem Gedanken und in ihrem Gefühl fremd gewordenen Künstlern von uns." Auch zu diesem rednerischen Teil gehört ein Exkurs, der als Widerlegung einer alten Gnome einer lehrenden-moralischen Absicht dient. Es ist nicht wahr - sagt der Redner -, daß „Altäre, Könige, und alles, was groß ist, in Trümmer zerfallen". Dieser Gedanke bedeutet die Entthronung der fama und der gloria, die In-Frage-Stellung ihres Sinnes im Hinblick auf die Vergänglichkeit, - ein Gedanke, der ebenfalls einen antiken Topos bildet, genau wie ihre Setzung als Werte. Der Philosophie des Orators gemäß gibt es nämlich eine wahre Gottheit, und diese ist der Genius der Kunst; das dieser Gottheit dargebrchte Opfer flammt auf dem Altar. Sie hat Munkácsy in die Reihe der großen Ahnen, neben Tiziano, Michelangelo und Rembrandt, erhoben. 38 Eine separate Einheit der Rede bildet das dem Gemälde geltende Hochpreisen (laudatio tabulae). Das Gemälde selbst bildet in der Würdigung des Redners ein Dokument der persönlichen Fähigkeit des Künstlers, ein Zusammentreffen der Realisierung und der Idealisierung auf hohem Niveau herbeizuführen. Die Klausel der Rede kehrt zur Idee der Nation zurück. Der im Namen aller Menschen zum Ausdruck gebrachte Wunsch des Redners besteht darin, daß Munkácsy nach den Bildern aus dem Volksleben mit „erhabenen Bildern aus der heiligen und teueren Geschichte" des Vaterlandes seiner Laufbahn die Krone aufsetzen möge. Es sei ja doch eine der Darstellung würdige Tat dieses eine Handvoll großen Volkes gewesen, sich ein Heimatland, eine Nation, einen Staat zu erschaffen, sich unter so vieler Not zu erhalten und einen Künstler wie Munkácsy der Welt zu geben. Das Lob der Person (laudatio personae) verflicht sich derart in der Rhetorik von Ipolyi mit dem Lob des Vaterlandes (laudatio patriae). Zuletzt erweitert sich noch der rednerische Vortrag durch zwei klassische Momente. Das eine besteht in einer an das Publikum gerichteten Aneiferung (exhortatio). Dies wird derart formuliert, daß es eine Pflicht der Anwesenden bildet, jede Manifestation des Talents, besonders wenn sie ein Weltereignis bedeutet, der an einer Krise der Mattheit leidenden Nation vorzuweisen. Das andere besteht in einem dem Ganzen der ungarischen Kunst geltenden Lob (laudatio artis), das bereits die letzten Sätze der Rede bildet. Demgemäß fehlt es noch viel daran, daß unsere Bildung einen großen Schwung nehmen könnte, doch unsere Kunst, siehe dal, hat sich schon erhoben. Die die landesbreite Festlichkeit vorbereitende, enthusiastische Rede Ipolyis bildet, unter dem Vorwand des verherrlichten Bildes, eigentlich die Apotheose der Nation. Der in die große Welt gepilgerte Munkácsy kehrt derart heim, daß er mit seinem

Next

/
Thumbnails
Contents