Nagy Ildikó szerk.: ARANYÉRMEK, EZÜSTKOSZORÚK, Művészkultusz és műpártolás magyarországon a 19. században (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 1995/1)

TANULMÁNYOK / BEITRÄGE - KIRÁLY Erzsébet: „Laudatio artis" 19. századi képzőművészetünk dicséretének egykorú emlékei

in fremden Ländern erworbenen künstlerischen Ruf auch seinem eigenen Volke die Seligkeit bringt. In diesem vom Redner erweckten und mit rednerischen Mitteln unterstützten Ideenkreis wird Munkácsy zu einem modernen Teilnehmer einer Heldenmythologie uralten Ursprungs, zu einem Kulturheros. Wir sind hier Zeugen einer neuen Erscheinung, die nicht mehr durch die aus der Antike stammenden Topoi der laudatio zu erklären ist: das Lob der Kunst tritt in den Dienst von nationspolitischen Zwecken. „Ein Fuhrwerk trägt den Meister Lötz in den Himmel" Ein Fest und eine Nachruf Sammlung zu Ehren von Károly Lötz Am Abend des 27. Februar 1898 fand in der Vorhalle des Kunstgewerbemuseums eine glänzende Festlichkeit zu Ehren von Károly Lötz statt. Wie es die Sonntagszeitung, die Vasárnapi Újság, am 6. März bekanntgab, huldigte nun die Elite der Künstler und der gebildeten Gesellschaft dem Meister, und verherrlichte dessen unsterbliche Verdienste. Das Fest begann mit den Eröffnungsworten von Árpád Feszty, und setzte sich mit der würdigenden Rede von Gusztáv Keleti fort. Während dieser Zeit ging eine Delegation für den Gefeierten. Der Grundgedanke „des kurzgefaßten Panegyrikos" von Keleti bestand darin, daß es dank „der öffentlichen Meinung und der öffentlichen Gesinnung" der heimischen Künstler zu diesem Ereignis gekommen ist. Dank dem Konsens also, der - unabhängig von dem künstlerischen Glaubensbekenntnis eines jeden - die menschliche und schöpferische Größe von Lötz einheitlich würdigen konnte. Dem Redner nach bildet eben dies, das heißt die öffentliche Meinung der Künstlergefährten, die sicherste Quelle des Rufes des Künstlers und die solideste Grundlage der verdienten Popularität. Die Künstlergesellschaft, wenn sie auch die offiziellen Vertreter des staatlichen Lebens protokollgemäß einbezogen hat, hat ihrer betonten Absicht entsprechend am Lotz-Abend sich selbst gefeiert. Sie hat den von ihr anerkannten Künstlergefährten auf die Schulter genommen, und sie hat sich dabei das Recht, das Maß zu bestimmen, die Kompetenz, über Kunst und Künstler zu urteilen, gänzlich vorbehalten. Dies ist ein Prinzip, das schon das Verhalten des nach der Jahrhundertwende charakteristisch werdenden, sich zurückziehenden, sich an sich selbst klammernden oder sich in eine schicksalsgefährtliche Gemeinschaft integrierenden Künstlers vorwegnimmt. Gusztáv Keleti zitierte auf dem Höhepunkt seiner Rede aus dem an Lötz gerichteten Begrüßungsbrief vom im Ausland lebenden Mihály Zichy. Dann zog der Meister bei den Tönen des Rákóczi-Marsches ein, und das Publikum begrüßte ihn mit Verbeugung. Danach folgte das zentrale Ereignis des Festes, die Huldigung der einzelnen Künstlerkörperschaften. Dies bestand darin, daß Delegationen - der Zahl nach vierzehn - traten an Lötz heran, und begleitet von den kurzen Reden ihrer Führer, übergaben sie ihren je eigenen Kranz und ihre Erinnerungsstük­ke. Die Kränze der Körperschaften folgten als Zugabe zu einem ersten Kranz, den auch die Eröffnungsrede des Vorsitzenden als das höchste und wertvollste Geschenk erwähnte, und der die einheitliche Huldigung „der Gesamtheit der Künstlergefähr­ten" zum Ausdruck brachte. Nach den offiziellen Achtungsbezeigungen sind die anwesenden Damen einzeln vor dem Meister vorübergezogen, indem sie ihm je eine Blume überreichten. Unter den Erinnerungsstücken befand sich eine silberne Medaille, eine in eine Ledertafel gebundene Begrüßungsschrift, die als erster Mihály Munkácsy unterzeichnet hatte, und auch ein „nach der Natur verfertigter" massiver silberner Lorbeerast. Das Freudenfest wurde mit einem Festmahl und mit einer bis zum Tagesanbruch anhaltenden Tanzunterhaltung abgeschlossen. Zur Erinnerung an das Fest wurde der Lotz-Preis gestiftet. Diesmal bildete sich auch jene Damenkommission, die später - Lötz für die aus seinen Werken strahlende „weibliche Anmut" und „Poesie" Dank zu erweisen - ein Ehrenalbum im Großformat mit in Licht- und Holzstichen reproduzierten Wandgemäl­den des Meisters veröffentlichte, unter Begleitung von erläuternden Ausführungen, die von Frigyes Riedl stammten. Sechs Jahre später, anläßlich des im Jahre 1904 erfolgten Todes von Lötz stellte dem Maler-Pädagogen ein Buch ein Andenken, das die Trauerreden von Schülern, Kunstschriftstellern und Berufsgefährten enthielt. 39 Die Widmung des Heraus­gebers gilt den Schülern der Künstlerschulen. Wie es im Vorwort Elek Koronghi Lippich schreibt, „muß das heilige Beispiel von Lötz den anfangenden Künstlern Anweisung geben", da „es leuchtet über der ungarischen Kunst kein reineres Licht ausstrahlender Stern als sein Andenken". Zu den Texten gehören je ein oder mehrere Bilder. Die sprachliche Rhetorik der die rednerische Aufgabe der Würdigung erfüllenden Trauerreden, die hier angestimmte laudatio, hat sich diesmal mit der Rhetorik der bildlichen Darstellung vereinigt. Ein gemeinsamer Zug der Zeichnungen besteht darin, daß sie nicht mit dem allgemeinen Gedanken der künstlerischen Unsterblichkeit argumentieren, sondern persönlich mit derjenigen von Lötz. Indem die in den Dienst des Gedächtnisses gestellte Hommage seinen Geist beschwört oder eines seiner Werke zitiert, flößt sie das überirdische Seligwerden des Meisters, seine in einem heidnisch-olympischen oder christlichen Ideenkreis gehaltene Hochpreisung ein. Über der Rede von Bertalan Székely (Abb. 4) tragen zwei Putti das in eine Medaillon-Form gefaßte Bildnis von Lötz, um es der Gunst einer die Unsterblichkeit personifizierenden, auf Wolken schwebenden Frauengestalt zu empfehlen. Am Ende der Rede sieht man ein Gegenstück zu dieser Szene (Abb. 5). In den im Text oft erwähnten „Höhen von reiner Atmosphäre" ist das verklärte Abbild des Meisters, das heißt er selber, schon heimgegangen. 40 Die Trauerrede des Ministers für Religions- und Unterrichtswesen Albert Berzeviczy ist durch eine Zeichnung von Pál Vágó und ein zu dieser Zeichnung gehörende Ornament des Künstlers Sándor Aigner illustriert (Abb. 6). Im spitzenbogenartigen Rahmen können wir eine Komposition von Lötz wiedersehen - und zwar paraphrasiert. An einer Szene des Wandbildzyklus der Jungfraukirche in der Ofener Burg hat Lötz die Szene vom Leben des heiligen Königs László dargestellt, wo das den König tragende Fuhrwerk mit Hilfe der Engel sich in den Himmel erhebt. Die Inschrift des Bildes heißt dort in der Kirche: „EIN FUHRWERK TRÄGT DEN LEICHNAM DES HEILIGEN LÁSZLÓ NACH NAGYVÁRAD". 41 Die für das Buch verfertigte Graphik von Pál Vágó hat - unter Beiseitelassung eines einzigen Motivs - diese Komposition wiederholt, sie behielt die

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