Nagy Ildikó szerk.: ARANYÉRMEK, EZÜSTKOSZORÚK, Művészkultusz és műpártolás magyarországon a 19. században (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 1995/1)

TANULMÁNYOK / BEITRÄGE - KIRÁLY Erzsébet: „Laudatio artis" 19. századi képzőművészetünk dicséretének egykorú emlékei

Akademie der Wissenschaften war eine Formalität gewesen; nach den in Rom erworbenen Verdiensten hat dies ihm gebührt. Das mit vielen Mißerfolgen belastete Lebenswerk ist sogar abgebrochen, als im Jahre 1847 Ferenczy sich endgültig in seine Geburtsstadt zurückzog. Das als Atelier dienende Gartenhaus, das nach dem im Jahre 1856 erfolgten Tode Ferenczys die letzten Werke unberührt bewahrte, blieb im allgemeinen Bewußtsein als eine nicht einmal eingeweihte, traurige Gedenkstätte erhalten. Vilmos Győry 32 schrieb in der dritten Nummer des Jahrganges 1862 des Blattes Vasárnapi Újság ein Gedicht an sie, das von der Zeichnung János Jankós illustriert wurde (Abb. 3). Die in lamben und in Reimen verfaßte Elegie bildet ein romantisch klingendes Lob des vom Künstler zuletzt bewohnten heiligen Ortes und seiner unvollendeten Werke, seiner Reliquien, und endet mit der Verdammung von Zeit und Vergessen, beziehungsweise mit einer Ermunterung zur Erinnerung. Die am Boden herumliegen­den Steinstücke sind nach dem Gedicht Symbole des vergänglichen Ruhmes. Sie tragen die Bedeutung, die in der Geschichte der Kunst von den Ruinen verkörpert wurde: sie sind die Symbole des Unterganges. Die gebrochene Säule, der halbfertige Menschenkopf, die unvollständige Halbrelief-Tafel - ob sie eigenhändige Schöpfungen sind, oder gesammelte Antiquitäten - gehören schon der Verwesung zu. Die Idee des monumentum aere perennius verliert hier die Unbedingtheit, die ihr bei Horaz eignete: der Künstler und das Werk seiner Hände sind nur dann unsterblich, wenn die Nation sie als ihre eigenen Schätze ansieht, und ihnen Hochschätzung entgegenbringt. Der gebrochene Baumstamm, den das Efeu, das heißt der Lorbeer, schon vergebens umrankt, beschwört im Gedicht die tragisch hochgepriesene Gestalt von Ferenczy. „Erfüllung" und „Unterstützung" sind dem Lebenden nötig, sagt der Dichter mit Pathos, weil der Künstler ohne sie nur allzu leicht verkümmert. Dieses die Gestalt des Künstlers in einen sakralen Vorstellungskreis hebende, einen sentimentalen-beklagenden Ton anstim­mende Gedicht läßt Ferenczy nachträglich Gerechtigkeit widerfahren. Das triumphierende Motiv der einstigen Bekränzung hatte keinen Platz in diesem Kontext, obwohl die Erinnerung an sie noch lebendig war. Die agitativen Teile weisen darauf hin, daß das Gedicht nicht für die Bestellung der offiziellen Kulturpolitik verfertigt wurde, vielleicht eher zu einer Druckausü­bung auf sie, doch auf jeden Fall aus einer privaten Huldigung, oder zur Dolmetschung des im Publikum lebenden Gefühles der Pietät. 33 „Munkácsy unter den großen Ahnen" Die rednerische Würdigung des Künstlers bei seinem im Jahre 1882 organisierten Fest Die Aspekte der schöpferischen Sakralität wurden ein für allemal in das tatsächliche oder symbolische Gewinnen des Lorbeerkranzes hineinkodiert. Die Gegenstände des Heiligpreisens umfassen alle Momente des Schaffens: heilig ist der Künstler, der auf eine göttliche Weise schafft, heilig ist das Werk, welches er ins Leben ruft, geheiligt ist der Ort, wo er schafft, heilig die Stunde, in der das Werk zur Welt kommt. 34 Auch die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts verzichtet nicht auf die Zeremonie der Zum-Dichter-Krönung, das heißt auf die Zum-Künstlerfürsten-Weihung 35 , die klassischen Muster werden jedoch langsam zu einer dem selbstgesetzlich schaffenden Genius, einer dem modernen Genie geltenden Huldigung umgewandelt. Der nicht mehr mit Hilfe von Regeln, sondern mit Hilfe von Erlebnissen und der Phantasie schaffende, sich erschließende Künstler ist eine bevorzugte Persönlichkeit, die das Publikum mit einer kultischen Ehrfurcht umgibt. Das Genie ist kundig von himmlischen Geheimnissen, und es selber ist auch ein Rätsel. Die laischen Mengen organisieren und erleben die Begegnung mit ihm in der Form eines Festes, und zur Bezeigung ihrer Verehrung sagen sie auch einen kleineren oder größeren Anspruch erhebende, niedergeschriebere oder improvisierte Reden. Diese in Prosa vorgetragenen Ehrenbezeigun­gen sind hinsichtlich ihrer literarischen Kunstgattung Gelegenheitsansprachen, festliche oder Prunkreden, mit denen man den Akt des Jubilierens, der Einsetzung, der Einweihung, der Begrüßung, der Verabschiedung, des Gedenkens begleitet, und in denen, ähnlich wie in der verherrlichenden Dichtkunst, der seit Gorgias entstandene Toposbestand der laudatio, des griechischen enkomions weiterlebt. Die Geschichte der Künstlerfeierlichkeiten in Ungarn ist noch nicht erschlossen. Es scheint, daß man in einem Teil der Fälle die erhabene Mission des Künstlers tatsächlich ernst aufgefaßt und den Gefeierten mit einer würdevollen Szenierung umschwärmt hat, ein andermal nahm man sie als ein Rollenspiel und man zwinkerte aus ihr heraus. Wegen der Vielfältigkeit der Motive der Zeremonien wollen wir im weiteren eher die Dimensionen der Ehrung betrachten, und dementsprechend möchten wir zwei Typen der verherrlichenden Ansprachen unterscheiden. Der eine Typ begleitet die in staatliche Dimensio­nen annehmenden und in das Ganze der Ehrung auch das Ganze der Nation einzubeziehen wünschenden Ereignisse oder Ereignisserien, der andere Typ besteht aus einer beschränkteren, intensiveren Repräsentation, mit der hauptsächlich die Künstlergesellschaft dem Künstler huldigt. Für den ersteren erwähnen wir in diesem Kapitel, für den letzteren im nächsten Kapitel je ein Beispiel. Die am 1 2. Februar 1882 gehaltene Eröffnungsrede des Vorsitzenden Arnold Ipolyi an der Generalversammlung der Ungari­schen Gesellschaft für Bildende Kunst, mit der er das großangelegte Munkácsy-Fest auch stimmungsmäßig vorbereitete, bewegt sich tatsächlich in nationalen Dimensionen. 36 Der Vorsitzende hat hier das Ankommen des Bildes des Malers Christus vor Pilatus angekündigt, und zwar in einem hochpreisenden-heroisierenden Grundton, der auch den späteren „Triumphzug" charakterisierte. Der hochgebildete Wissenschaftler, Kunstpolitiker und Kunstverständige, der die Kunstgriffe der rhetorischen Argumenta­tion, des rhetorischen Effekts und der Eloquenz überhaupt besser kennen mochte als der Durchschnitt seiner Zeitgenossen, hielt eine nach klassischen Vorbildern aufgebaute epideiktische Ansprache. 37 Wir wollen hier vor allem den Aufbau dieser Rede ins Auge fassen.

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