Nagy Ildikó szerk.: ARANYÉRMEK, EZÜSTKOSZORÚK, Művészkultusz és műpártolás magyarországon a 19. században (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 1995/1)
KATALÓGUS / KATALOG - III. Állami műpártolás
3. Die staatlichen Goldmedaillen und Auszeichnungen Wettbewerbe zu veranstalten, die besten eingereichten Werke mit Preisen oder Medaillen zu krönen, war auch in Ungarn seit alters her üblich, besonders in der akademischen Struktur und im literarischen Leben. Die Preise waren im allgemeinen Geldbeträge, oft nicht in der gängigen Währung, sondern in Goldgulden festgesetzt. (So die von Mór Ráth ausgeseetzten 100 Gulden für die Széchenyi-Biographie im Jahr 1860; der Preis von 50 Gulden des Dramenwettbewerbs im Jahr 1865; der Preis des Blattes Nefelejts von 100 Gulden für die als Beilage veröffentlichten Lithographien von 1865 und 1866 usw.) Auch die Gesellschaft für Bildende Kunst bestimmte den Preis der Gesellschaft in Gold (200 Goldmünzen zu vier Gulden), die Goldstücke bedeuteten den ungarischen „Prix de Salon", der unter feierlichen Umständen in der Sitzung der Gesellschaft vergeben wurden. All das ersetzte aber nicht das System der anderswo üblichen Medaillen und befriedigte keineswegs die Künstler vom In- und Ausland. In den großen Kunstzentren wurden nämlich im allgemeinen jährlich mehrere Preise und Medaillen vergeben. In dem auch in dieser Hinsicht als Vorbild geltenden Pariser Salon wurden zum Beispiel laut den 1864 eingeführten Statuten jährlich 40 Medaillen im Wert von je 400 Francs vergeben und darüber hinaus zwei Ehrenmedaillen (médaille d'honneur) ausgegeben. Im Zusammenhang mit dem 25-jährigen Bestehen der Gesellschaft stiftete Kultusminister Trefort „zur Förderung der Zielsetzungen der Gesellschaft und zum Zeichen der Anerkennung seitens der Regierung" zwei Goldmedaillen im Wert von je 500 Francs, die jährlich vergeben werden sollten. Die Vergabe der Staatlichen Goldmedaillen war mit der Ausstellung der Gesellschaft für Bildende Kunst verbunden. Die Jury der Gesellschaft wurde zu diesem Anlaß durch den zuständigen Beamten des Ministeriums ergänzt und konnte mit 2/3 Mehrheit dem Ministerium einen Vorschlag machen. Die Entscheidung war dem Minister selbst vorbehalten. Aus den öffentlichen Verlautbarungen gewinnt man den Eindruck, daß die Minister im allgemeinen die Entscheidung der Jury angenommen haben. Trotzdem darf man nicht behaupten, daß die Vergabe der Staatlichen Goldmedaille auf der autonomen Entscheidung der Gesellschaft für Bildende Kunst beruhte. Einerseits war in der Jury ein Vertreter des Ministers zugegen, der von der Absicht des Ministers Informationen durchsickern lassen konnte, andererseits war es in manchen Fällen bekannt geworden, daß der Minister die Entscheidung für sich vorbehielt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist es auch vorgekommen, daß die Künstler-Mitglieder der Jury in einem offenen Brief protestierten und kundtaten, daß die Meinung der Jury und die Entscheidung des Ministers nicht übereinstimmten. Der Minister teilte seine Entscheidung bezüglich der Goldmedaille meistens in einem Erlaß, und in der Begründung berief er sich meistens auf den Vorschlag der Jury. Der Anspruch auf Auszeichnungen und Preise war im letzten Drittel des Jahrhunderts so sehr gestiegen, daß bald auch Kleine Goldmedaillen gestiftet wurden. Diese wurden nur vergeben, sofern sich in der Ausstellung kein Werk für die Große Goldmedaille für würdig gehalten wurde. Der Wert der Kleinen Goldmedaillen belief sich auf 200 Francs. Die Zahl der in Ungarn zu gewinnenden staatlichen Medaillen war auch so erheblich kleiner als im Ausland. Gusztáv Keleti berichtete zum Beispiel im Jahr 1892 von der Berliner Internationalen Ausstellung, wo eine internationale, 32-köpfige Jury 73 Goldmedaillen zweiter Klasse vergab, außerdem noch weitere 20 Große Goldmedaillen, bei deren Vergabe die Zustimmung von Kaiser Wilhelm nötig war (in einem Falle kam es auch vor, daß der Kaiser seine Zustimmung verweigerte). Der Rang der Goldmedaillen wurde noch von den nur in einigen Fällen ausgegebenen Ehrendiplomen überboten. Daneben wurden auch 100 Ehrenvolle Anerkennungen (mention honorable) von kleinerem Wert vergeben. Die Erhaltung solcher Preise war für die Künstler nicht nur wegen des künstlerischen Ruhms und der gesellschaftlichen Anerkennung von Bedeutung, sondern auch weil sie mit weiteren Vorteilen bei den Ausstellungen einhergingen: die meisten Preise sicherten nämlich dem Ausgezeichneten fortan Juryfreiheit. Es gab auch eine gewisse hierarchische Ordnung unter den Preisen und Medaillen, Medaillen erster Klasse wurden meistens nur Künstlern zugesprochen, die bereits anderswo, in irgendeiner ausländischen Ausstellung zuvor schon eine Goldmedaille erhalten hatten. Die Ausstellungsmöglichkeiten in Ungarn boten keine derartigen Vorteile. Gábor Térey, der angehende Direktor des Museums der Bildenden Künste, lenkte die Aufmerksamkeit darauf hin, daß die Teilnahme an ungarischen Veranstaltungen für ausländische Künstler durch die Stiftung weiterer Medaillen und Preise anziehender gemacht werden sollte. Wie er es formuliert hat, „die einzige Goldmedaille, die für ausländische Künstler bestimmt ist, hat keine ausreichende Anziehungskraft, um Ausländer an der Teilnahme an unseren Ausstellungen zu bewegen ... man müßte mehrere Medaillen ausgeben, darunter zwei große Goldmedaillen und weitere verschiedene Medaillen, ferner auch Ehrendiplome und Orden." (Műcsarnok, 1899, 358). Kultusminister Gyula Wlassics stiftete trotzdem keine weiteren Medaillen. Er wünschte den Rang der Staatlichen Goldmedaille dadurch zu erhöhen, daß er ab 1899 die Voraussetzungen der Vergabe beschränkte: ein Künstler durfte die Medaille nur einmal erhalten. Die Staatliche Goldmedaille brachte auch Vorteile für den Künstler, ewige Juryfreiheit und automatisch auch die Mitgliedschaft im Beratungsgremium, das dem Kultusminister zugeordnet war. Die Künstler durften neben den Medaillen und Preisen auch mit Auszeichnungen rechnen. Der Herrscher stiftete 1887 die Auszeichnung „Pro litteris et artibus", dabei erhielten sie manche Künstler für ihr Lebenswerk oder für herausragende Werke auch sonstige Auszeichnungen, und konnten gegebenenfalls auch geadelt werden. Mit der Vergabe von Auszeichnungen beabsichtigte man auch die Loyalität zum Herrscher zu stärken. Ein Teil der Künstler nahm aber - wie früher der Dichter János Arany - derartige Manifestationen dér Herrschergunst nicht gerade günstig auf. Über den gesellschaftlichen Wert der Auszeichnungen herrschte kein völliger Konsens. K. S.