Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Árpád Tímár: Mednyánszky in der ungarischen Presse, 1876-1919

László Mednyánszky: Virágzó fák [Blühende Bäume], ausgestellt im Jahr 1899, auf der Winterausstellung des Nationalen Salons, Kat.-Nr. 46 (Verbleib unbekannt, Repr. Vasárnapi Újság, 1899. 293) der Bäume neigen sich mit Geziertheit von der linken und rechten Seite des Bildes gegeneinander, als ob sie über einem Waldweg zusammengeführt würden. Doch ist dieses nicht das beste Bild Mednyánszkys, obwohl auch hier die Kraft, der expressive Geist, und das dem Künstler innewohnende Gefühl den Betrachter mitreißt. Im großen Saal aber ist das Bild A szélmalmok [Die Windmühlen] zu sehen, eines der schönsten Landschaftsbilder, mit einer ausgesprochen kreativen Invention gemalt. Das Bild ist einfach, aber wahrheitsgetreu, ein schön dargestellter Zug der Natur. In aller Eile erinnern wir uns gar nicht, wann wir das letzte Mal von unseren einheimischen Malern eine mit so viel Entschlossenheit und Inbrunst gemalte Landschaft gesehen haben, die einen so großen Einfluss auf die Stimmung auszuüben vermag. Es ist eine Landschaft aus der Tiefebene, mit Überschwemmungen. An einigen Stellen wächst Ried. Fischer arbeiten an ihrem Netz. Im Hintergrund sind einige verschwommene Windmühlen zu sehen. Der Himmel ist bewölkt, aber ein Teil der Wolken wird von der Sonne bestrahlt. Dieses Licht wird auch auf dem Wasser widergespiegelt. Die Perspektive, die reine Luft, das Licht sind sehr friedlich und sanft. Die Figuren sind nur grob gemalt, und durch ihre Plazierung hat der Künstler die Wirkung der Perspektive günstig gesteigert. Das Wasser glänzt, und man kann das stille Laufen der Wolken auf seiner Oberfläche nahezu fühlen. Nichts auf dem Bild ist überflüssig, es ist so natürlich, als ob der Rahmen des Bildes der Rahmen eines Fensters wäre, und man dadurch die Landschaft beobachten würde. Auch die Formation der Wolken ist natürlich, sie schweben in der Luft. Der Maler traf das günstige Maß, wie viel man von einem Stück der Natur zeigen soll. Er malte auch keine kleinen Einzelheiten, überlässt das Finden der Ausgangspunkte unserer Phantasie, überlässt es uns, das Bild zu ergänzen, zu erweitern, und erzielt dadurch einen lebendigen Eindruck. Mednyánszky fiel schon bei den vorigen Ausstellungen durch Mut, Eifer und Geist der Darstellung in seinen Landschaften auf. Seine Landschaftsbilder bleiben selbst im Falle der einfachsten Motive interessant. Die Stimmung ist immer poetisch, es ertönt jeweils ein Akkord der Natur. Er wirkt nicht mittels fleißig gemalter Einzelheiten, Bäumen von vornehmer Form, aus­gearbeitetem Vordergrund, glatter Pinselführung, gefälliger Farben, sondern durch die künstlerische Harmonie des ganzen Bildes, den Charakter einer Landschaft, oder gerade durch die wahre Innigkeit eines Zeitpunktes. Bislang schwankte er oft. Anfangs sahen wir figürliche Werke von ihm. Sein wirkliches Talent zeigte er in seinen Landschaftsbildern. Hier können wir von ihm viel erwarten, seine Originalität, Poesie, Schöpfung." 9 Mednyánszkys Kollektion erweiterte sich in der zweiten Reihe der Herbstausstellung. In den dazu verfassten Berichten wird auch ein weiteres Figurenbild erwähnt „Das Gemälde Mindszentek napján [Zu Allerheiligen] ist von seiner Stimmung her rührend. In einem ländlichen Friedhof kniet eine alte slowakische Frau an einem Grab, auf dem drei Kerzen brennen. Rundherum werden durch das trockene Gras, die einsamen Gräber, das Zwielicht der Abenddämmerung, die graue Herbstluft, die glimmernden Kerzen so viele Elemente einer düsteren, trübseligen Stimmung zusammengefasst, dass das alte Mütterchen unser Mitleid erwecken muss. Der eine oder andere Preis der Kunsthalle wird vermutlich Mednyánszky gehören" 10 (Abb. 1). Diese Prophezeiung (sie kann auch als eine Empfehlung betrachtet werden) sollte in Erfüllung gehen. Mednyánszky erhielt seine erste offizielle Anerkennung: den zweiten Preis der Landesgesellschaft für bildende Kunst (Képzőművészeti Társulat), in Höhe von 400 Forint. Außerdem berichteten die Zeitungen vom Ankauf mehrerer seiner Bilder. Für die öffentliche Meinung, die sich vom Maler Mednyánszky in der Folge bildete, war der Artikel entschei­dend, den sein Freund Zsigmond Justh in der Zeitung A Hét im Jahr 1890 publizierte. Die „Extravaganz", auf die schon früher hingewiesen worden war, wurde nun konkretisiert, denn sowohl Mednyánszkys Lebensführung und Erscheinung, als auch seine Weltanschauung, seine „Philosophie" fanden Erwähnung: „Er versucht für andere zu leben, als ob er für sich selbst allein nicht leben könnte. Alles, was er hat, gibt er denen, die darauf angewiesen sind. Einmal, inmitten des Winters, sind wir auf ihn gestoßen, und er trug nicht einmal einen Mantel... Diesen Winter hat er wohl schon seinen zweiten Mantel verschenkt. Manches Mal haben wir ihn in einem Zustand ange­troffen, in dem er wohl kaum jemand anderem hätte helfen können". Justh charakterisierte in diesen Zeilen die Gestalt, das sonderbare Auftreten des Malers, der zwischen Stadtstreichern und Not leidenden Menschen lebte. Für wichtiger aber befand er die Weltanschauung, die sich hinter diesem Verhalten verbarg: „Seine Malerei ist trotzdem voller Philosophie. [...] Was lebt, ist zum Trösten geboren worden, dies ist die Philosophie des Malerpoeten..." Man fühle, „dass dieser Mensch träumt, in einer Welt der Träume etwas sucht, was er im Leben noch nicht gefunden hat. Man fühlt auch: dieser Mensch leidet, mehr als die anderen Menschen, und aus diesem Grund kann er auch viel besser trösten, als die anderen. Man fühlt, dass dieser Maler anders ist, als die meisten, und deshalb bleiben seine Bilder trotz ihrer Klarheit für immer und ewig mystisch. Einige seiner Werke trösten, wie das ausgespro­chene Wort einer unserer Religionen." Die Bedeutung, die Botschaft der Bilder hat Justh in Gattungen gegliedert und dadurch konkretisiert: „Aus den düsteren herbstlichen Stimmungen, den ,Genres' spricht die Poesie der Trübsal, die zugleich die Religion des Leidens der Menschen verkünden, genauso, wie die Werke von Tolstoi oder Dostojewski. Aus seinen Bildern wird man durch die Vergänglichkeit angesprochen, von den Genres des Leidens. Er ist einer unserer intensivsten und zugleich am schwersten verstehbaren Maler." Justh fügt allerdings noch fol­gendes hinzu: „Einige von uns haben mittels seiner Werke mit tiefer Stimmung sein Bekenntnis verstanden, seine Lebensphilosophie ersehen..." 11 Die hier angebotene Interpretationsmöglichkeit wurde selbstverständlich nicht mit einem Schlag allgemein gültig, ihre Wirkung entfaltete sich nach und nach, und sicherlich überschritt sie damals die Ansprüche der Öffentlichkeit und der täglichen Kritik. Neben der verständnisvollen Akzeptanz des sonderbaren Lebensstils

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