Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Árpád Tímár: Mednyánszky in der ungarischen Presse, 1876-1919

war es möglicherweise auch neu, dass Justh die Anschauung und Philosophie eines Malers mit jener anerkann­ter Prominenter der Weltliteratur verglich, wie Tolstoi und Dostojewski, und dadurch sozusagen ein verwandtes Phänomen, eine spirituelle Parallele ansprach. Im Frühling 1894 berichteten die Zeitungen, dass Mednyánszky persönlich an der Gründung des Nationalen Salons (Nemzeti Szalon) teilnahm, 12 und auch zum Mitglied des ersten Gremiums des neuen Vereins gewählt wurde. 13 Größeres Aufsehen erregte jenes Bild, das Mednyánszky kurz darauf in der Frühlingsausstellung 1894 präsen­tierte: Vág völgye [Waagtal]. „Der Matador der Frühlingsausstellung, Baron László Mednyánszky. Die düstere, nebelige Stimmung, die schon seit Jahren in seinem Gemüt steckte und die er in einigen seiner Werke nahezu unverständlich ausdrückte, setzte sich nun im Bild Vág völgye [Waagtal] durch, abgeklärt, mit der Herrlichkeit der Poesie. Trotz der mittelmäßigen Ausmaße und des dissonanten Rahmens strahlt aus dem Bild die Stimmung mit einer Stärke, dass es unseren Blick beinahe fasziniert. [...] Das Bild Vág völgye [Waagtal] ist lediglich ein wild­romantisches Felsendetail, mit dem Wasser der Waag, das im Hintergrund in einem nebeligen Bereich zerrinnt. Einige Farbflecken der slowakischen Flößer verleiht dieser ossianischen, trübsinnigen Stimmung eine bizarre Lebendigkeit" - schrieb der Kritiker der Zeitung Pesti Hírlap} 4 Die im Sommer 1895 veranstaltete sog. Skizzenausstellung war in Mednyánszkys Laufbahn ein überragendes und eine breite Resonanz bringendes Ereignis. „Morgen wird im Feszty-Panoramasaal die Ausstellung mit den Skizzen, Studien und kleineren Bildern von Ödön Kacziány und Baron László Mednyánszky eröffnet. Es ist ein erster Versuch für die kunstkennende und kunstliebende Öffentlichkeit, wie es schon in Paris und in anderen Großstädten üblich ist. Es würde den Kunstfreunden wirklich gut tun, wenn man diese kleineren Ausstellungen etablieren könnte" - berichtete dazu das Blatt Hazánk. 15 Man bekommt auch über die von Mednyánszky ausgestellten Arbeiten einige Informationen: „Eine Art von krankem Zauber verbreitet sich auf seinen Werken, ein ständig wahrnehmbarer Schmerz, der ihn von allen, aber wirklich von allen unter­scheidet und abtrennt, irgendeine unmenschliche Qual außergewöhnlicher Sehnsucht, die in der Heide zu hören ist, in der er allein mit sich selbst ist. - Die Harmonie des Schmerzes tönt aus seiner gemalten Dichtung wie Musik. Ich verstehe es Wort für Wort: bei der Betrachtung seiner Werke hört man eine Art von Musik. Dabei sind es zumeist nachlässig hingeworfene Skizzen ohne technische Ausarbeitung, ohne jede Ambition, den scholastischen Anforderungen zu entsprechen. Aus der Nähe betrachtet ist es ein Geschmiere, als ob sich der Poet infolge seiner Zerstreutheit auf die Palette gesetzt hätte. Doch hier ist z. B. das Bild Beckói várrom [Burgruine von Beckov], das 10 cm breit und 7 cm hoch ist, worauf die Burgruine, der Gebirgsabhang, die Tiefe zu sehen sind, und einen Schritt vom Bild entfernt erkennt man ganz klar ein kleines Mädchen mit einem rotem Tuch. Das Bild Parkrészlet [Parkdetail] stellt den Teil eines Parks in herbstlicher Melancholie dar, durch den man bis zu einem Schloss sehen kann. Das Bild Havas út [Schneebedeckter Weg] ist eine Waldpartie; rechts und links sind wunder­schöne, große, kahle Bäume und in der Ferne des Weges nahen Menschen. Trotz seiner Bizarrerie ist Mednyánszky im Grunde genommen ein Urmensch. Beim Betrachten seiner Bilder hat man das Gefühl, er würde sein eigenes Eigentum malen. Es scheint so, dass der Mensch am Anfang doch ein Aristokrat gewesen ist." 16 Mehrere Zeitungen hielten diese Ausstellung für eine gute Gelegenheit, um den Menschen Mednyánszky, seine Gestalt zu beschreiben, seine Persönlichkeit zu analysieren. „Er ist bis zur Bizarrerie interessant, seine Tiefe ist wie Melancholie, infolge seiner Außerordentlichkeit ist er einer unserer faszinierendsten Landschaftsmaler. - Er ist selten zu Hause! Wer mit ihm am Montag in Budapest spricht, sollte sich nicht wundern, wenn er am Samstag hört, dass er durch irgendeine russische Wüste schlendert. Ich konnte seinen momentanen Aufenthaltsort nicht erfahren. Zuletzt hörte ich, dass er am Eisernen Tor (ein schmales Felsental, das die Donau durchfließt) den Fortgang der Bauarbeiten besehen wollte (da man dort die Arbeiter angeblich drakonisch beschäftigt). Als man ihm dies nicht gestatten wollte, begann er selbst mit den Tagelöhnern zu arbeiten. - Wenn man ihn in der Vacistraße mit einem seiner Familienmitglieder spazieren sieht, bleibt man stehen. Was für ein Mensch! Siehe da, der Mensch, Christus! Ein langer Bart, auf den oft Tränen fallen, eine breite Stirn, die vom Schmerz glän­zend geküsst wird, und Augen, die auch für andere weinen. Die ganze Person ist selten elegant, aber selbst in der unmöglichsten Bekleidung ordentlich. Er ist, wie ein russischer mystischer Schwärmer! An seiner Seite schreitet eventuell auch eine Dame. Denn - mit Verlaub, sehr geehrtes Publikum - ich vergaß hier zu schildern, was auch sie wohl interessieren mag, und womit ich unbedingt hätte beginnen müssen, László Mednyánszky - ist Baron. Er könnte jeden Augenblick Mitglied des Nationalkasinos werden! - Er aber ist Maler! Eine umherirrende Seele, die rastlos wandert, und sollte der Schmerz seiner Seele in irgendeiner Gegend, in einem fernen Land, unter einer fremden Sonne unter abenteuerlichen Menschen in Form der Poesie entspringen, dann setzt er sich hin und malt: ein Landschaftsbild. Er mag es wohl auch verkaufen können, dann aber kauft er sich einen Mantel, um ihn unter­wegs dem ersten zerlumpten Menschen zu schenken." 17 Auch hier wird eine Art von russischer Parallele formuliert. Anderseits wird offen bekundet, dass trotz der Besonderheiten beziehungsweise Seltsamkeiten vor allem Mednyánszkys aristokratische Abstammung und sein gesellschaftlicher Rang, der ihm (trotz der Ungewöhnlichkeit in Bekleidung und Verhalten) Zutritt zu den aller­höchsten Kreisen ermöglichte, eine große Rolle spielte. Mednyánszky nahm 1896 selbstverständlich auch an der großen, repräsentativen Millenniumsausstellung teil. Im Zuge der vielen Feierlichkeiten schrieb Bernát Alexander wohl am detailliertesten über die am 4. Mai eröff­nete Kunstausstellung (die zugleich die Einweihung des neuen Gebäudes der Kunsthalle im Stadtpark war): „Die László Mednyánszky: Szürkület [Dämmerung], ausgestellt im Jahr 1900, auf der Winterausstellung der Kunsthalle, Kat.-Nr. 3 (Heute UNG, Inv.-Nr. 1754, Öl auf Leinwand, 231 X 190,5 cm)

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