Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Katalin Geller: „Wir sollten uns aus dieser Welt der Sinnestäuschungen immer mehr heraushalten"

buddhistische Lesung zu. Der Rippenmann lüftet einen Vorhang zum unendlichen Himmel; nach den Buddhisten und den Theosophen bedeutet der Tod nicht das Ende des Lebens, nur die Wanderung aus einem Daseinszustand in einen anderen. Auf Viktor Olgyais Bild Der Weg der Zypressen spielt der aus Lichtbündeln gestaltete Himmel am Ende der Zypressenallee (die Zypresse ist ein Todessymbol), eine ähnliche Rolle. 50 Die Frage nach einer möglichen Verbindung zwischen der Kunst Mednyánszkys und Mihály Zichys kann besonders hinsichtlich der Werke mit Todesthematik aufgeworfen werden. 51 Die bei Zichy als lite­rarisches, romantisches Horrorthema erfasste Geisterstunde (1880, Abb. 3) und die modischen sentimental-symbolischen Bearbeitungen dürften Mednyánszky bei seinem Gemälde Waldgeist (Kat. 77) gleicherweise angeregt haben. Der im Wald flatternde, ahnungsvolle Schatten vermit­telt, selbst wenn man darin spiritistische Einflüsse vermutet, die Irrealität des Todes. Mednyánszkys Frühwerke, die die Trauer armer Menschen verewigen, lassen sich als Forsetzung von Zichys melodramatischen Themen (Das Grab der Mutter, Das Schicksal der Waisen) verstehen, bei Mednyánszky spielt der Tod aber nicht die ausschließliche Rolle wie bei Ödön Kacziány, und im Gegensatz zu Zichy, der sich auf die menschliche Figur konzentriert, wird bei Mednyánszky die Menschendarstellung von der Melancholie der Landschaft aufgewogen (Über dem Grab, Kat. 11). Ende des 19. Jahrhunderts malten französische und ungarische Maler das Thema Tod und Friedhof in weitem Umfang (vgl. bei Zichy das Bild Grabplünderer, Abb. 4), das bei Mednyánszky sowohl in einer den französischen Meister Millet heraufbeschwö­renden Bearbeitung, als auch als verängstigende Phantasie in Erscheinung tritt, die an Alfred Kubins und Odilon Redons Grafiken denken lässt. Mednyánszky widersteht bei der Mehrzahl seiner Landschaften der literarisch-philosophischen Erfassung des Themas - selbst bei einem Motiv der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts wie das von François René Chateaubriand geprägte Bild einer gotischen Kathedrale, die aus dem Wald entwickelt wird. Bei Mednyánszky vermengt sich in seinem Frühwerk Weihnachten (1883) in der Vergegenwärtigung eines in die Höhe strebenden Kirchenfensters Realität und Phantasie. 52 Die auf den Bildern deutscher romantischer Maler mehrfach wiederkehrende Metapher wirkte außerordent­lich lange nach. Viktor Olgyai, der am Priesterseminar in Kosice (Kassa, Kaschau) und auch am Wiener Pázmáneum studiert hatte und von Zeit zu Zeit die Versuchung verspürte, Priester zu werden, schuf „mehrere Kompositionen, die aus einem gotischen Gefühl heraus entstanden". 53 In seinem Gemälde Morgen im Wald (Abb. 5) beschwören die Bäume des Waldes die Säulen einer Kathedrale, die von der aufgehenden Sonne bestrahlt werden. 54 In seiner bereits erwähnten dunkeltonigen Grafik Beethoven Symphonie III. Marcia funèbre sulla morte, oder mit dem bekannteren Titel Weg der Zypressen sind die Königs-Sphinxen des Louvre zu sehen. Viktor Olgyais Lithographien mit nebligen, Dämmerungs­oder Schneelandschaften atmen Stille, unendliche Ruhe, die eine oder andere beschwört das Gleichnis der Kathedrale herauf, und die Einsetzung von Licht erinnert an Maler-Theosophen. 55 Außer einigen Verweisen finden wir auch bei ihm keine unmittelbar dargestellten theosophischen Symbole. Wie auch bei Mednyánszky über den Ursprung des ahnungsvollen symbolischen Inhalts meist gesagt werden kann, dass der Maler den Anblick über feine Anspielungen auf die Idee bezog und nicht umgekehrt. Mednyánszkys Landschaften nimmt man oft als reale Visionen auf. Selbst Károly Lyka, der ihm gegenüber den inhaltlichen Bezügen den malerischen Charakter der Landschaften hervorhob, schrieb über die Winterlandschaft, dass die Komposition zwar durch die rhythmische Anordnung der Zweige organi­siert wird, aber dennoch eine Darstellung ist, „die an das Maßwerk gotischer Kirchen erinnert." 56 Bei Malern, die von der Theosophie berührt worden sind, ist das Licht als Vision im Wald das häufigste Motiv. „Die Sonne ist das Symbol des Wortes", sie kann die Eingeweihten und Christus gleicherweise bezeichnen, schrieb Annie Besant. 57 Die ägyptische geflügelte Sonne, umgeben von zwei Schlangen, war ein häufig eingesetztes Zeichen, und Prometheus war der bevorzugte mythologische Held der theosophischen Kunst. Frantisek Kupka und Koloman Moser zeichneten Prometheus mit Lichtkonturen, im Gemälde Prometheus (1907) des von der Theosophie inspirierten Jean Delville zeichnet sich in den starken Lichtstrahlen ein fünfzackiger Stern gegen den Himmel ab. Demgegenüber sind Mednyánszkys Rembrandt'sehe Lichter von der Tradition angeregt. Trotzdem kann nicht behauptet werden, dass die Wirkung der mystischen Lichttheorien bei der Gestaltung von menschlichen Figuren, die aus dem tiefen Dunkel auftauchen, keine gedankliche Rolle gespielt hätte. Die Theorie von der Aura, die den Menschen umgibt, und die von Charles Webster Leadbeater zu einer Farbentheorie entwickelt wurde, übte besonders auf die abstrakten Maler eine große Wirkung aus. 58 Das Licht suggeriert auch ungewollt eine symbolische Bedeutung oder einen erhabenen Seelenzustand, das per­spektivische Bild einer sich verengenden Allee läuft bei den Landschaftsmalern der Zeit oft in einen ungewöhnlich glänzenden Farbfleck aus, dafür findet man sogar bei Mihály Munkácsy ein Beispiel. 59 Im unbetitelten Ölgemälde von Jean Delville wird die von hinten gezeigte Figur von der ungewohnt stark strahlenden Sonne zwischen den Bäumen des Waldes (von einer Lichtvision) herangezogen, verzaubert. In Walter Sigmund Hampels Abend (um 1900) sieht man einen Mann im dichten Wald, der vor dem Licht zurückschrickt. Die Lichtstrahlen sind in der Mitte gelb, dann rot, bis sich dann außen die beiden Farben vermischen. Unter den sonst realistischen Arbeiten von Róbert László Mednyánszky: Goldene Lichter im winterlichen Wald, 60,5 x 75 cm, Öl auf Leinwand, sign. r. u. (Repr. Budapest, Frühjahrsauktion Kieselbach, 1998, Kat.-Nr. 108, Privatbesitz) 10 László Mednyánszky: Reißender Bach mit Brücke, Öl auf Leinwand, 131 x 201 cm (Privatbesitz)

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