Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Katalin Geller: „Wir sollten uns aus dieser Welt der Sinnestäuschungen immer mehr heraushalten"

Fernand Khnopff: In Fosset. Rosafarbener Nebel, um 1916, Pastell auf Leinwand aufgeklebtes Papier, 50 x 50 cm (Privatbesitz) Fernand Khnopff: In Fosset. Abenddämmerung, um 1890/1895, Öl auf Leinwand, 37,8 x 66,5 cm (Bruxelles, Galerie Maurice Tzwern) Mensch die Dreifachheit des Geistes. In der Formulierung von Blavatsky: „Das Eine ist Zwei geworden, und das Zwei ist Drei geworden, und die Dreiheit hat sich manifestiert. [...] Das ist es, was im Buch Genesis geschrieben steht: ,Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde'." 43 Besant fügt die Erklärung hinzu: „Will man mit der Dreiheit die Einheit zum Ausdruck bringen, wird das Dreieck gebraucht, entweder eingefügt in einen Kreis oder frei stehend. Zum Ausdruck des Universums werden zwei ineinandergefügte Dreiecke gebraucht, das Dreieck, das die Dreiheit des Geistes zum Ausdruck bringen soll, steht mit der Spitze nach oben, jenes, das die Dreiheit der Materie zum Ausdruck bringt, mit der Spitze nach unten. Wird das Symbol gefärbt, ist das erste weiß, gelb, goldfarben oder flam­menrot, das andere hingegen schwarz oder hat eine andere dunkle Farbe." 44 Ein doppeltes Dreieck versinnbildlicht auch die Lebensphasen. Die obere Zacke des Sterns bedeutet das entstehende Leben, das Wachstum, die rechte obere das scheidende Leben und die Zirkulation, die linke untere das nach vorn strebende Leben, die rechte untere das nach unten strebende Leben, die Auflösung. In den Aufzeichnungen von Mednyánszky kommt das ineinandergefügte doppelte Dreieck auch als Bestandteil von Abzeichen theosophischer Gesellschaften vor. 45 Ich zitiere seine Bedeutung aufgrund der Zeitschrift Teozófia: „Das Dreieck mit der Spitze nach oben ist der Vater, das Feuer oder der Geist, während das Dreieck mit der Spitze nach unten die Mutter, das Wasser oder die Materie" bedeutet. Ersteres bedeutet die Dreiheit „Sein, Erkenntnis, Glück". Die Eigenschaften der Materie sind: „Widerstand, Bewegung, Rhythmus, Vibration". 46 Mednyánszky setzte in die Ecken des Dreiecks Symbole von Merkur (Weisheit), von Jupiter (Nacht) und der Sonne (die Bezeichnungen in Klammern stammen ebenfalls von Mednyánszky). Die Erklärung für das gemeinsame Auftreten der astrologischen und theosophischen Zeichen beruht auf der Gleichheit der Dreiheiten (Dreiergruppen von Eigenschaften), andererseits bedeuten „die zwölf gleichen Seiten, die durch die Kreuzung der Linien zustande kommen, die 12 großen Gottheiten der kaldäischen und anderer alter Religionen, die 12 Bilder des Tierkreises und die 12 Monate des Sonnenjahres." 47 Die Abbildung der „Natur" kommt in den Tagebüchern Mednyánszkys zweimal (auf Seite 251 und 262), in zwei Varianten vor. Auf Seite 262 zeichnete er unter dem Dreieck mit der Spitze nach unten in Kreisen die Zeichen von Saturn, Mars, Sonne und Mond. Daneben stehen Wörter bezüglich verschiedener Modalitäten der Perzeption: Klang, Tastsinn, Licht, Geschmack, Gefühl. Auf Seite 262 kommen die Wörter „Feuerluft", („Energie"), „Lichtäther", „Wassergeist", „Materie" vor. In einer anderen Gruppierung bezeugen die Zeichen von Quecksilber, Schwefel und Salz, dass Mednyánszky auch die Theorie der alchemistischen Konjunktionen kannte. Die Alchemie war auch in Indien bekannt, so konnte sie in den Interessenkreis der Madame Blavatsky geraten. Schwefel und Quecksilber (Erde und Luft, Feuer und Wasser, Mann und Weib) sind Elemente des „Großen Werkes", sie verkörpern die Grundgegensätze. 48 Auf Seite 243 setzte er an die nach oben gekehrte Spitze des Dreiecks das Zeichen von Jupiter. Links reihen sich die Zeichen der Planeten (Mond, Sonne, Mars, Saturn, Venus), einem jeden entspricht je ein Buchstabe des ungari­schen Wortes Geist. Rechts sind die Worte „Wille", „Geben", „Kraft", der Grund des Dreiecks steht für den Bereich der materiellen Welt, die weiter unterteilt ist: „Äther", „Eisen", „Feuer", „Wasser", „Erde". Ihr Verhältnis zueinander ist durch eine komplizierte geometrische Figur verdeutlicht. Die Zeichen und Ausdrücke aus der Astrologie, der Alchemie und der Theosophie auf den erwähnten Seiten verweisen auf die materielle und geistige Einheit, auf die Entsprechungen der Welt, in engem Verhältnis zum Menschen. Die Theosophie, die die Kategorisierung und Inventarisierung indischer und griechischer Quellen wiederbelebt, schuf ein Weltbild, in dem jede Manifestation des Lebens, jede geistige und physische Erscheinung ihren Platz und eine geheime oder offenbare Entsprechung hatte. Die Erneuerung der esoterischen Lehren erfolgte eben in der Hoffnung auf die Wiederherstellung der zerfallenen Einheit und Harmonie. Aufgrund dieser Aufzeichnungen kann festgestellt werden, dass die Sehnsucht nach der Einheit, nach dem Goldenen Zeitalter auch in Mednyánszky lebte, dass ihn die mystische, esoterische Renaissance der Epoche beeinflusste. Das ist aber bereits eine andere Frage, inwieweit, auf welche Weise, und in welcher Tiefe die mystischen Lehren in Werken, die dem Barbizoner Realismus, der Wiener Stimmungsmalerei und Lichtmalerei zugewiesen werden, erschlossen werden können. Lässt es sich behaupten, dass die Struktur der Kompositionen auf dem theosophischen Dreieck oder Pentagramm beruht? Soviel steht allerdings fest, dass sich unter seinen Landschaften keine imaginäre oder Traum landschaften finden lassen wie Paul Ransons Nabi-Landschaft (1890). Im Gegensatz zu den Malern, die die buddhistischen und theosophischen Symbole unmittelbar einbauten oder verarbeiteten, erscheinen in Mednyánszkys Bildern weder Buddha noch die Extase der Eingeweihten, wie in den Werken von Paul Sérusier, Paul Ranson, Piet Mondrian, Frantisek Kupka, Odilon Redon beziehungsweise Robert Nádler und Béla Gy. Takách. Ebensowenig finden sich bei ihm Werke, die sich den theosophischen Phantasien von Sándor Nagy, zum Beispiel der didaktischen Folge der Geschichte der Seele (A boldogság országa [Das Land des Glücks] I-XVII, vor 1909), an die Seite stellen lassen. Die Wirkung mystischer Theorien ist in erster Linie in Werken symbolischen Inhalts zu suchen, Mihály Sarkantyú analysiert in seiner Monographie die symbolistischen und allegorischen Merkmale der frühen Malerei Mednyánszkys und registriert von der Mitte der neunziger Jahre an die Anzeichen einer „direkten malerischen Allegorisierung eines mystischen Tons". 49 Unter diesen Werken lässt das Gemälde Der Vater des Künstlers im Sterben (Kat. 75) auch eine

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