Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Anna Szinyei Merse: Mednyánszkys Beziehungen zur Kunst seiner Zeit

zu seinen eigenen Bestrebungen gewiss seine Aufmerksamkeit erregten. Von den für ihn interessanten Belgiern und Österreichern gab es besonders im Sommer 1885 in der Internationalen Kunstausstellung der Kunsthalle in Budapest ein reiches Material zu sehen, ferner in der Herbstausstellung von 1888, wo er endlich selbst einen Preis gewann. 44 Von seinem erneuten Frankreichaufenthalt, der im Herbst 1889 begann, wissen wir aus den Erinnerungen seiner Schwester folgendes: Er fuhr aus Paris „nach Barbizon in die alte Malerkolonie. Dort wurde er mit einem aus Indien heimgekehrten Theosophen bekannt. Monsieur Chevrillon führte ihn zuerst in die theosophischen buddhistischen Lehren ein. Nach Barbizon ging er dann nach Sucy-en-Brie, wo er ein ausgezeichnetes Atelier mieten konnte. Dort malte er fast ein Jahr hindurch." 45 Aus dieser Zeit könnte das bei Malonyay auf Seite 94 reproduzierte Gemälde Am Ufer der Marne stammen. Das Tal der Marne, die unterhalb von Charenton in die Loire mündet, und das Städtchen Sucy-en-Brie, das von Wäldern umgeben ist und in seinen alte Schlösser barg, lagen näher zu Paris als Barbizon, weshalb anzunehmen ist, dass Mednyánszky während seines langen Aufenthaltes auch die Hauptstadt einige Male besuchte. Die im Frühjahr 1889 eröffnete Weltausstellung konnte er wahrscheinlich noch nicht sehen, ebenso wenig die synthetistische Ausstellung der Gruppe um Gauguin im Café Volpini, wohl aber den fünften Salon des Indépendants im Herbst, wo ihm Seurat, Van Gogh, Toulouse-Lautrec und Henri Rousseau gewiss viel zu denken gaben, sofern er diese Schau tatsächlich besichtigte. Die Impressionisten wurden allmählich akzeptiert: Nach Manet ist im Salon von 1890 endlich auch Renoir erschienen. In der Galerie Durand-Ruel waren im März 1890 von Odilon Redon, der nach seiner schwarzen Periode langsam zu den Farben zurückkehrte, das durch­geistigte Bild Geschlossene Augen, 1891 Monets Heuschober-Zyklus, 1892 der Reihe nach die Retrospektiven von Pissarro, Monet und Renoir, ferner die berühmte Schau der Rosenkreuzer zu sehen. Von letzterer wissen wir mit Gewissheit, dass sie Mednyánszky besucht hat, denn er war es, der die Aufmerksamkeit von Sándor Nagy auf diese Gruppe hinlenkte. 46 Verschiedene Richtungen des Symbolismus haben sich um diese Zeit europaweit verbreitet und manche Werke haben auch das Interesse unseres Meisters geweckt, denn auch er versuchte sich in dieser Richtung, besonders nach dem Tod seines Vaters. Er fühlte sich auch gewiss von den mystischen Nocturnes von Whistler angezogen. Die Mode der Nachtstücke gipfelte - wie auch von einer Anzahl polnischer Nocturnes, vor allem von Pankiewicz (Abb. 9) bezeugt - zur großen Freude Mednyánszkys gerade in den 1890er Jahren. Ende August 1892 kehrte er heim und berichtete interessanterweise von anderen Erscheinungen: „Er erzählte viel von Pariser Malern, am meisten begeisterte er sich für Puvis de Chavannes." 47 Der allgemein verehrte Meister des für Mednyánszky unerreichbaren allerdings auch nicht beanspruchten ruhigen Klassizismus hat viele in seinen Bann gezogen. Unter den Ungarn in Paris, István Csók, Béla Iványi Grünwald und Károly Ferenczy, die die Académie Julian eben verließen, übte diese Strömung vor allem auf den letzteren eine große Wirkung aus. Wir wissen nicht, ob der unruhige Baron bereits damals in Paris mit seinem künftigen Budapester Ateliernachbarn Ferenczy und dessen Gefährten zusammenkam, wie es auch bis jetzt keinen Anhaltspunkt dafür gibt, ob er mit Rippl-Rónai in Berührung kam. Dabei ist es durchaus möglich, dass Mednyánszky, gleich Rippl­Rónai, durch Vermittlung der Gäste von Munkácsy in die Bretagne und die Normandie kam. 48 Die Einzelheiten dieser Reisen sind leider in völlige Dunkelheit gehüllt, obwohl es interessant wäre zu wissen, ob er die hauptsäch­lich von Amerikanern und Skandinaviern frequentierten Künstlerkolonien von Pont-Aven und Concarneau jemals besuchte. 49 Eugène Carrière, von dem sich Rippl-Rónai später gegenüber Béla Lázár äußerte, dass „die seelische Verwandtschaft zwischen ihnen im Geschmack und in der Beobachtung von verhüllten Dingen bestand", 50 kann auch für Mednyánszky nicht uninteressant gewesen sein. Er hatte die Silbermedaille der Weltausstellung gewon­nen und veranstaltete im Frühjahr 1891 mit 42 Jahren seine erste Einzelausstellung bei Boussod-Valadon, wo darauf im Herbst die Schau Whistlers folgen sollte. Es war eine Zeit des Stilpluralismus, der Geburt immer neuer künstlerischer Bestrebungen, deren Abdrücke sich bei den meisten Künstlern bald zu erkennen gaben. Nicht so bei Mednyánszky. Seine Freilichtmalerei erreichte um diese Zeit einen Zauber der leichten Farbigkeit, von dem er zuvor nicht einmal zu träumen wagte: Nun sind seine ununterbrochenen Experimente herangereift, die Ergebnisse der Festhaltung des Anblicks bzw. die Erfahrungen, die sich aus den Ausstellungserlebnissen gewinnen ließen. Nach seiner Heimkehr folgte wieder eine Zeit der Wanderungen, aber von da an lassen sich in seinen Tagebuchaufzeichnungen die Gedankensprünge ebenso verfolgen, wie die fast mit wissenschaftlicher Gründlichkeit analysierten Beobachtungen und die daraus abgeleiteten Gesetzmäßigkeiten. 51 Wir sind Zeugen seiner inneren Kämpfe um Ideen und technische Fragen, seines Dilemmas hinsichtlich der Themenwahl, der Erweiterung seines künstlerischen Instrumentariums. Die hie und da auftauchenden Namen, darunter solche von Malern, zeugen auch von seinen menschlichen Beziehungen. So manche lakonische Aufzeichnungen bleiben aber ungedeutet: Wir wissen zum Beispiel nicht, worauf die Wortzusammensetzung „Diaz-Barbizon" in einer Pester Aufzeichnung von 1895 anspielen soll, 52 obwohl es für unser Thema von Belang wäre. Nachdem er verschiedene Orte des Oberlandes, Marmarosch, Mukacsevo (Munkács), Budapest, Krakau, das Hernádtal, Dalmatien, Montenegro und Norditalien durchwandert hatte, kehrte er im August 1896 - ein letztes Mal - nach Paris zurück. Nach Malonyay wohnte er auf dem Mont Rouge, laut eines Briefes an seinen Schwager auf dem Boulevard Montparnasse, unter Nr. 49. 53 Er berei­tete sich unter großen Anstrengungen auf seine erste Einzelausstellung vor, die am 20. April 1897 in der traditions­reichen Galerie Georges Petit in der Innenstadt eröffnet wurde. Bedenkt man, dass Sisley im selben Jahr in der­selben Galerie von seinen 146 ausgestellten Bildern nur wenige verkaufte und die Presse dazu völlig uninteressiert Louis Dubois (1830-1880): Morast bei Campine, 1863 (Gent, Museum voor Schone Künsten)

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