Nagy Ildikó szerk.: A Magyar Nemzeti Galéria Évkönyve 1992-1996 (MNG Budapest, 1998)

BUZÁSI, Enikő: EINIGE KAPITEL AUS DEM LEBENSWERK DES BILDNISMALERS ÁDÁM MÁNYOKI - Arbeiten für den Dessauer Hof sovie für Auftraggeber in Dresden und Leipzig. In Nachstichen überlieferte Werke (1714-1723)

es aus der Sammlung Spahn in die Dresdener Galerie gelangte, andererseits ist die traditionelle Bestimmung des Dargestellten schwerlich akzeptierbar, da der Harnisch eher für einen Offizier oder Aristokraten als für einen Kämmerer spricht. Die neuen ikonographisehen und typologischen Varianten sind in dieser Periode an Bildnissen aus zwei sich voneinander deutlich unterscheidenden Schichten zu beobachten: aus der Aristokratie und den zum Hof gehörenden gesellschaftlichen Kreisen, andererseits aus dem Freundeskreis von Mányoki und seinen Künstlerkollegen - die sich leider nur aus Nachstichen beurteilen lassen. Nur als Kupferstiche sind folgende Bildnisse überliefert: Johann Benedict Hoffmann (1714; Kat. Nr. 65), Johann Christoph Freund (1720-1723; Kat. Nr. 97), Johann Melchior Dingi inger (1721-1723; Kat. Nr. 103) sowie Friedrich Siegmund Striebel (nach 1721; Kat. Nr. 106). Diesen läßt sich - zeitlich - noch ein Bild zuordnen, das Brustbild des Architekten Joachim Daniel Jauch aus den Jahren 1714, das man Mányoki zueignen kann (Kat. Nr. 66). Das Bild wird im Warschauer Nationalmuseum mit Fragezeichen Johann Samuel Mock zugeschrieben, aber dieser Attributionsvorschlag ist durch keine Argumente oder Analogien untermauert. Das Bildnis Jauch unterscheidet sich aber in seinem malerischen Wesen deutlich vom kühlen, dekorativen Stil Mocks, der in erster Linie nach Schlachtenbildern, Allegorien und großfigurigen Szenen bekannt ist, 247 dafür zeigt es sowohl stilistisch als auch in seiner Anschauungs­weise überzeugende Übereinstimmungen mit Mányokis Werken aus den Jahren nach 1710 (Bildnisse von Krongroßmarschall Bieliriski und Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg, 1714). In manchen Bildnissen der Freunde und Künstlerkollegen kommt - es gehört ebenfalls zur Charakteristik dieser Periode - dem tieferen Sinn der Bilder eine wichtige Bedeutung zu. Absichten, die über das bloße Verewigen hinausweisen, sind vor allem an den beiden Künstlerbildnissen Johann Melchior Dinglinger und Johann Christoph Freund zu erkennen. Ein gemeinsamer Zug liegt in der Erscheinung des Modells und in der häuslichen Kleidung, die seitens des Meisters auch als Manifestation der Freundschaft verstanden werden kann. Das negligehafte Äußere zeigt jedenfalls eine solche Absicht an, obwohl in der Wahl des Types und der Vorlage des Bildnisses Dinglinger, das nur aus dem Nachstich Bodenehrs bekannt ist, auch ein weiterer, nicht minder wesentlicher Gesichtspunkt zur Geltung kam, nämlich der Beruf des Goldschmieds, ­wenn auch nicht in der gewohnten Weise. Während an Dinglingers sonstigen Bildnissen - von Pesne und Kupezky - der Beruf über Attribute zum Ausdruck kommt, 248 verweist Mányoki mit der äußerst sorgsam ausgesuchten ikonographischen Vorlage auf den Beruf des Goldschmieds. Auch diesmal verwendete er eine Komposition Largillières, ein Bildnis, das den Ersten Stecher der Pariser Münze, Joseph Roettiers, einen Förderer Largillières verewigt. Diese Darstellung von intimer Stimmung konnte über Cornelis Vermeulens Nachstich aus 1700 Mányoki bekannt gewesen sein. 249 Der Bildtyp mit der Verhüllung des Körpers durch eine reiche Draperie und mit der Anhebung der Hand vor die Brust gehört zu den Künstlerdarstellungen, die in Van Dycks „Iconographia" geprägt und durch diese verbreitet wurden: Der Künstler als „virtuoso" war im Laufe des 17. Jahrhunderts der häufigste und am meisten verbreitete Darstellung. 250 Ich vermute, daß der Stecher des Dinglinger-Bildnisses, Johann Georg Bodenehr, nicht nach der Praxis Bernigeroths arbeitete, also keine Motive aus fremden Vorlagen in den Kupferstich einarbeitete, sondern tatsächlich die Komposition Mányokis in Kupfer stach. Das heißt, daß es Mányoki selbst war, der die Idee Largillières durch die Vermittlung des Nachstichs von Vermeiden übernahm und einigermaßen umformte. Diese Annahme wird dadurch bekräftigt, daß dasselbe Motiv der an die Brust gedrückten Draperie - dem ursprünglichen ikonographischen Sinn entfremdet ­auch am Halbfigurenbildnis der Gattin Dinglingers, Maria Susanna Gutermann, wohl als Pendant­Lösung, auftritt. Das Bildnis selbst entstand gewiß gleichzeitig mit dem Halbfigurenbildnis des Gatten, wurde aber nicht von Bodenehr, sondern von Christian Albrecht Wortmann nachgestochen, vermutlich ebenfalls als treue Nachbildung des Originals von Mányoki (Kat. Nr. 104). Im Falle des Bildnisses des Malers Johann Christoph Freund läßt sich die ikonographische beziehungsweise typologische Vorlage weniger genau zurückverfolgen. Die Darstellung Freunds ist nur aus dem Stich Rosbachs bekannt, wie auch das Bildnis des kursächsischen Hofrats und Leipziger Buchhändlers Moritz Georg Weidmann (Kat. Nr. 92). Die beinahe übereinstimmende häusliche Kleidung der Dargestellten und der „Neglige"-Auftritt erschweren die Beantwortung der Frage, inwieweit der völlig gleiche Charakter der beiden Bilder dem Stecher zuzuschreiben ist. Auf jeden Fall erscheint das Neglige auf der freundschaftlichen Darstellung Freunds genauso wie auf dem Bildnis Weidmans aus der geistigen Elite Leipzigs - ganz gleich ob aus Mányokis oder Rosbachs Invention - als unterscheidendes Merkmal geistiger, intellektueller Vornehmheit.

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