Nagy Ildikó szerk.: A Magyar Nemzeti Galéria Évkönyve 1992-1996 (MNG Budapest, 1998)
BUZÁSI, Enikő: EINIGE KAPITEL AUS DEM LEBENSWERK DES BILDNISMALERS ÁDÁM MÁNYOKI - Arbeiten für den Dessauer Hof sovie für Auftraggeber in Dresden und Leipzig. In Nachstichen überlieferte Werke (1714-1723)
Die Bildnisse Weidmanns oder Christian Friedrich Boerners, des Rektors der Leipziger Universität (Kat. Nr. 80) - letzteres entstand vermutlich nicht in offiziellem sondern in persönlichem Auftrag - zeugt davon, daß Mányokis Auftraggeberkreis zunehmend aus der Leipziger Intelligenz und - wie wir vorhin gesehen haben - aus der oberen Führerschicht der Stadt, der bürgerlichen Elite, zusammensetzte. Der Umstand, daß seine Auftraggeber aus dieser gesellschaftlich vornehmen Schicht hervorgingen, bringt nicht nur die Anerkennung seiner Malerei zum Ausdruck, sondern zeigt - im Gegensatz zu den örtlichen Malern (David Hoyer, Elias Gottlob Haussmann), die unter den Bedingungen und Vorschriften des Zunftwesens arbeiteten - seine Sonderstellung an: Der Hofmaler genoß in Leipzig als „Hofbefreiter" die gleichen Privilegien, die ihm in Dresden zustanden. Neben Dresden als Residenz und als Zentrum der Verwaltung und der Administration funktionierte Leipzig, wegen seines Handels und seiner Manufakturen der bedeutendste wirtschaftliche Faktor des Kurfürstentums, als eine Art zweite Residenz. Die Stadt war auch in dem Sinne eine „Nebenresidenz", daß während der jährlich dreimal veranstalteten Leipziger Messen August II. seinen Hof nach Leipzig verlegte. 231 Die gelegentlichen Aufenthalte Mányokis in Leipzig und die Übernahme von Aufträgen in der Messestadt sind also gewiß nicht als Rückzug, als .Ausklammerung aus dem Kreislauf des Dresdener Kunstlebens, als selbstauferlegtes Exil zu verstehen, vielmehr sicherten die laufenden kulturellen und künstlerischen Verbindungen der beiden Städte, das gleiche Niveau der künstlerischen Ansprüche der Auftraggeber dem Hofmaler des Kurfürsten auch in der Bürgerstadt das Interesse der höchsten Gesellschaftsschicht. Allerdings sind in dieser Periode, in der er abwechselnd Leipziger Arbeiten und Aufträge von Dresdener Amtsträgern und aus höfischen Kreisen übernahm, die bürgerlichen Züge seiner Porträtauffassung erstarkt. Dies läßt sich am deutlichsten an der Parallele zweier weiblicher Bildnisse nachweisen, die den Eindruck erwecken, als wären sie Stücke derselben Folge, obwohl die eine die Gräfin Dönhoff, die Mätresse des Kurfürsten, die andere hingegen Charlotte Friderica Zeumer, die Frau eines kursächsischen Hofrates und Kreisamtmannes von Thüringen (Kat. Nr. 82, 89) verewigt hat. Von der Dargestellten des letzteren war bis vor kurzem nur der Name bekannt, ihre Person und ihren gesellschaftlichen Rang gelang es mir, aufgrund des Nachstiches des jüngeren Bernigeroth näher zu bestimmen. Der Stich war in der Mányoki-Forschung bis jetzt unbekannt, da die Inschrift den Namen des Malers nicht angibt. Da Mányokis Bildnis der Frau Zeumer signiert und 1718 datiert ist, kann man das Porträt der Gräfin Dönhoff aufgrund der Übereinstimmungen in der Auffassung und der fast völlig übereinstimmenden stilistischen Züge überzeugend auf die gleiche Zeit datieren. Die genauere Datierung des Bildnisses der Gräfin in Karlsruhe bietet zugleich auch einen Anhaltspunkt zur zeitlichen Unterbringung einer weiteren Darstellung derselben Dame, der kompositionell dem Bild in Karlsruhe eng verwandten Variante in Warschau 252 (Kat. Nr. 75). Die Zeit um 1720 bedeutet die besten Jahre im künstlerischen Schaffen Mányokis mit ununterbrochenen Aufträgen und Werken von gleich hohem Niveau. Dieser wohlausgeglichene Vorgang wurde 1724 dadurch unterbrochen, daß der Maler mit der Absicht nach Ungarn zurückkehrte, seine wegen seiner Teilnahme am Rákóczi-Freiheitskampf konfiszierten Güter zurückzugewinnen und sich hier niederzulassen. Es gelang ihm nicht, diese Vorstellungen zu verwirklichen. Nach Dresden zurückgekehrt, konnte er sein inzwischen verlorenes Amt des Hofmalers erst um 1735/36, nach einem langwierigen Verfahren, nach wiederholten Bittschreiben zurückzuerhalten, aber es hat den Anschein, daß man am Hof nicht mehr mit seiner Arbeit rechnete. In seiner letzten Schaffensperiode traf seine Kunst in jenem Kreis auf Verständnis und Anerkennung, der in seinen Werken die schon immer vorhanden gewesenen bürgerlichen Werte zu schätzen wußte. Er wurde von der Dresdener „Intelligenz" entdeckt, Christian Ludwig Hagedorn beehrte ihn mit seiner Freundschaft, sein spätes Schaffen, die weitere Gestaltung seines Stils stehen bereits mit dem Interesse des Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzenden bürgerlichen Kunstsammelns und Geschmacks im Zusammenhang.