Nagy Ildikó szerk.: A Magyar Nemzeti Galéria Évkönyve 1992-1996 (MNG Budapest, 1998)
BUZÁSI, Enikő: EINIGE KAPITEL AUS DEM LEBENSWERK DES BILDNISMALERS ÁDÁM MÁNYOKI - Die erste Berliner Epoche (1703-1707)
behandelten vierzig Dargestellten der Bildnisse erhielten mit einer Ausnahme alle im Jahr 1706 oder davor jenen Rang, der in der Inschrift angegeben ist. Die einzige Ausnahme bildet der zuletzt erwähnte Kapitän Fink von Finkenstein, der 1707 zum Kapitän befördert wurde. Auf dieser Grundlage läßt sich sein Bildnis mit einigen diesem nahestehenden Stücken der letzten Phase zuordnen. Die Möglichkeit der Datierung aufgrund von Rang und Beförderung wird nach dem Bildnis des Kapitäns Fink von Finkenstein im Jahr 1707 unterbrochen, da es danach keine Darstellung mehr gibt, die sich stilistisch mit der letzten oder mit irgendeiner der vorangegangenen Gruppen in Verbindung bringen ließe. Das heißt, daß sich unter den als Arbeiten von Mányoki betrachteten Stücken, die ein Datum nach 1707 tragen, kein einziges erkennen läßt, das in der Malweise oder in stilistischer Hinsicht auch nur die geringste Ähnlichkeit mit den erwähnten zeigen würde. Neben den 38 Bildern in Charlottenburg haben sich weitere 11 Bildnisse erhalten, die hinsichtlich der Rangerhöhung folgende Reihenfolge ergeben: Leutnant Klingesporn (seit 1700), Leutnant Gorne (seit 1705), Fähnrich Marwitz (seit 1706), Fähnrich Götsch (seit 1708), Leutnant Bock (seit 1709), Kapitän Derschau (seit 1710), Leutnant Blankensee (seit 1711), Leutnant Foigt (seit 1711), Fähnrich Jeetz (seit 1711), außerdem gibt es noch zwei weitere Bildnisse ohne Datumangabe, die von Fähnrich Bülow und Fähnrich Gotthilf.' 21 Durch diese Angaben ist es mit Sicherheit nachgewiesen, daß bis zum Juli/August 1707, also bis zum Abgang Mányokis, nicht alle Bildnisse der damals beim Regiment dienenden Offiziere ausgeführt wurden, und daß mit der Fortsetzung jemand anderer beauftragt wurde. Unter diesen Stücken stammen die Bildnisse Klingesporn, Gorne, Marwitz und Bülow von einer und derselben fremden Hand. Das als letztes zu betrachtende Bildnis von der Hand Mányokis, das von Kapitän Fink von Finkenstein, weist aber nachträglich gestärkte Konturen am Gesicht sowie ungeschickt angebrachte Glanzlichter am Haar auf, die von einer fremden Hand zu stammen scheinen. Es ist daher anzunehmen, daß Mányoki dieses Bild nicht mehr vollendete, wie auch das Bildnis des Fähnrichs Below nicht voll ausgearbeitet wurde und übereilt anmutet, hier bricht sogar die Inschrift ab. Die Originalinschrift der als Mányoki betrachteten Stücke der Folge zeigt übrigens - zuweilen mit einigem Größenunterschied - bis zuletzt das gleiche Schriftbild, die der Handschrift Mányokis ähnlich ist, was ebenfalls dafür spricht, daß diese Stücke von der gleichen Hand stammen, während sich auf den elf späteren Bildnissen ein ganz anderer Schrifttyp in Erscheinung tritt. Für die erheblichen Unterschiede in der Farbgebung und die sonstigen Abweichungen in der Ausführung, die von der detailfreudigen Sorgfalt über die großzügige, kraftvolle Pinselführung bis zur übereilten Arbeit reichen und den Gesamteindruck der einzelnen Bilder bestimmen, bieten die Entstehungsumstände - die Bildnisse wurden laufend, nacheinander ausgeführt und kamen, entsprechend den Gewohnheiten der Zeit, in einer Anordnung von mehreren Reihen gleich auf ihren endgültigen Platz - eine mögliche Erklärung. Aufgrund der angeführten Gründe bin ich der Meinung, daß der überwiegende Teil der überlieferten Stücke der Offiziersgalerie von Mányoki stammt und daß sich die Rolle Samuel Theodor Gerickes auf seinen starken Einfluß auf Mányoki beschränkt hat, etwa bei einem Drittel der bekannten Stücke. Bedeutend, obwohl zahlenmäßig beschränkter ist die Wirkung Weidemanns, der manche bezeichnende Züge der englischen Bildnismalerei in Berlin einführte, und zwar nicht nur mit seinen eigenen Bildern: Er trug über seine Kopien nach Kneller auch direkt zur Weitervermittlung der Wirkung des englischen Porträtisten bei. 122 Dabei darf man auch damit rechnen, daß Mányoki auch unmittelbar mit der Malerei von Kneller bekannt werden konnte. Knellers halbfiguriges Bildnis des Prinzen Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach im Harnisch, das aus der Sammlung von Salzdahlum stammt und im Typus mit den Bildnissen der Offiziersgalerie übereinstimmt, wird nämlich bei Tobias Querfurt in der ersten Beschreibung der Galerie Salzdahlum 1710 bereits angeführt. 123 Von der zeitgenössischen Bildnismalerei begegnete Mányoki vermutlich außer den Werken der bereits erwähnten Meister auch den Arbeiten von Michael Schröck, der ebenfalls aus Ungarn stammte und von 1698 bis zu seinem Tod im Jahr 1706 in Berlin tätig war. Sein einziges bekanntes Werk, ein halbfiguriges Bildnis des Markgrafen Albert Friedrich von Schwedt, das deutlich unter dem Einfluß von David Richter d. Ä. steht und im Typus und in der Komposition ähnliche Lösungen wie die Offiziersfolge aufweist, ist aber im Sinne Richters in der Gestaltung härter gehalten. 124 Angesichts der weicher und pastoser ausgeführten Stücke der Offiziersgalerie kommt ferner auch die Kenntnis der Arbeiten von Johann Heinrich Rundt in Frage, der in Hamburg und in der Umgebung von Hannover tätig war, und dessen Bildnisse von einer gelösten, breiten Pinselführung gekennzeichnet sind. 12 ' 1 Aufgrund all dessen darf man behaupten, daß die Offiziersgalerie des Kronprinzen Friedrich Wilhelm für Mányoki nicht nur die bedeutendste Aufgabe der Berliner Jahre bedeutete, sondern auch die Summierung seiner