Nagy Ildikó szerk.: A Magyar Nemzeti Galéria Évkönyve 1992-1996 (MNG Budapest, 1998)

BUZÁSI, Enikő: EINIGE KAPITEL AUS DEM LEBENSWERK DES BILDNISMALERS ÁDÁM MÁNYOKI - Die erste Berliner Epoche (1703-1707)

bisherigen und neueren Kenntnisse darstellt. In diesen Bildnissen komprimierte er gleichsam all seine Erfahrungen, die die stilistische Vielfalt der Bildnismalerei um 1700 in jener Zeit zu bieten hatte. Die Bildnisfolge, die ihm eine ununterbrochene Arbeit von einem bis anderthalb Jahren brachte, gewährte ihm wahrscheinlich nicht nur finanzielle Sicherheit, denn er errang dadurch gewiß auch die Anerkennung des preußischen Hofes. Dies geht jedenfalls aus einem etwas späteren Brief an den Fürsten Franz II. Rákóczi hervor, in dem er sich selbstbewußt darauf beruft, daß er seinerzeit in Berlin seine günstige Lage („favorable Condition") aufgab, als er in den Dienst Rákóczis trat. 126 Zu dem entscheidenden Schritt dürfte er durch das Angebot seitens der Gattin und des Leibarztes des Fürsten bewogen worden zu sein, die sich in Berlin aufhielten. Der ihm angetragene Status des Hofmalers bedeutete die damals mögliche höchste Stufe einer Maler-Existenz, die ihm in Berlin trotz der persönlichen Anerkennung und des umfangreichen Auftrags von Friedrich Wilhelm I. kaum in Aussicht stand. Die bedeutenderen deutschen Fürstenhöfe waren zu jener Zeit bemüht, Maler französischer Herkunft oder Schulung als Hofporträtisten zu verpflichten. So erhielt 1711 der Franzose Antoine Pesne, der sich im Jahr zuvor in Berlin niederließ, seine Ernennung zum Hofmaler, und aus ähnlichen Überlegungen wurde Joseph Vivien - ohne sich in München aufzuhalten - offiziell zum Hofmaler des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern ernannt, obwohl er weiterhin in Paris lebte und auch für den Hof von Köln Bilder lieferte. Im Zeichen derselben Tendenz sollten etwa ein Jahrzehnt später Louis de Silvestre, der auf Einladung des Kurprinzen Friedrich August - des späteren August III. - 1716 von Paris nach Dresden übersiedelte, an die Spitze der höfischen Werkstatt kommen, und Pierre Goudraux, vermutlich ein Schüler Largillières, in Mannheim Bildnismaler des Kurfürsten von der Pfalz werden. 127 Angesichts der Umstände der Berufung Mányokis nach Ungarn warf Béla Lázár den Gedanken auf, daß der Maler in Berlin möglicherweise die Fürstin porträtiert habe. 128 Aufgrund dieser Annahme hielt er ein frühes Bild Mányokis, das aber - wie es sich inzwischen herausgestellt hat - eine unbekannte Dame darstellt, für das Bildnis der Fürstin Rákóczi. 129 Aus den bisher bekannten Quellen geht es zwar nicht hervor, daß ein Bildnis der Fürstin tatsächlich ausgeführt worden wäre, aber die Annahme liegt dennoch auf der Hand. Mányoki konnte ja seine Ausbildung und seine Erfahrungen im Genre des repräsentativen höfischen Bildnisses am ehesten durch ein vollendetes Bild vor Rákóczi unter Beweis stellen, wenn es um den Posten eines Hofmalers ging. Für die Identifizierung des in Berlin ausgeführten Bildnisses (Kat. Nr. 48) bot ein Bildnis der Fürstin von David Richter aus dem Jahr 1704 Anhaltspunkte. 130 Da sich die Fürstin und Mányoki später nie wieder begegneten, dürfte es zur Ausführung des Bildnisses 1707 in Berlin gekommen sein, sofern dieses Exemplar nicht eine spätere Replik des Malers ist. 131 Das Bildnis der Fürstin Rákóczi ist vermutlich eines der letzten Werke aus der Berliner Schaffenszeit Mányokis, das im Vergleich zu den 1706/07 ausgeführten Bildnissen der Offiziersgalerie erheblich zurückhaltender und in der Art der Gestaltung starrer angelegt ist. Während bei den Offiziersbildnissen im Sinne des Typs und der Bestimmung der Werke ein schwungvoller, zuweilen kraftvoller und sogar marzialer Charakter zugelassen wurde und sogar erforderlich war, spielten hierbei in erster Linie die formalen und stilistischen Anforderungen der offiziellen Herrscherporträts eine Rolle. Maßgebend und vorbildlich waren für Mányoki offensichtlich die repräsentativen Bildnisse Friedrich Wilhelm Weide­manns, vor allem seine Bildnisse von Friedrich I. von Preußen und seiner Gattin Sophie Charlotte von Preußen. 132 Am Bildnis der Fürstin Rákóczi bewahren nämlich nur die getönte Modellierung des Kopfes und die sorgfältige Herausarbeitung seiner Details jene malerischen Werte, die sich an den feiner ausgeführten Stücken der Offiziersgalerie (in den Bildnissen Bonnevald und Villadin) als persönliche Züge Mányo­kis erkennen ließen. Demgegenüber klingt in der mit zeichnerischen Glanzlichtem betonten Räche des Brokatkleides und vor allem des Umhangs sowie in der harten, linearen Konstruktion des Faltenwurfs einiges vom preußischen Repräsentationsporträt an. Vor allem diese Vereinfachung der Formbildung, der nachlassende kompositioneile Schwung und die Rücknahme der Plastizität zeigen an, daß Mányoki die frühere französische Eleganz seiner Bildnisse teilweise aufgab und sich am kargeren Geschmack der preußischen höfischen Bildnisse zu orientieren suchte.

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