Takács Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1975-1977 (Budapest, 1978)
P. Hartyányi Borbála: Középkori budai lakóház mellékgödrében talált növényi maradványok
IN DER NEBENGRUBE EINES MITTELALTERLICHEN WOHNHAUSES IN BUDA VORGEFUNDENE PFLANZENRESTE vonP. BORBÁLA HARTYÁNYI Auf dem Grundstück Nr. 1. des Hess Andras-Platzes auf dem Gelände der Burg in Buda wurden von Frau Katalin Holl Gyürky die Reste eines Hauses aus dem 14. - 15. Jahrhundert erschlossen, das von den einstigen Bewohnern 2 Jahrhunderte hindurch als Müll- und Fekaliengrube benützt wurde. In der Felsenhöhlung befanden sich - neben Scherben und sonstigen Abfällen und mit den vermischt auch mit Fekalien verschmutzte Pflanzen-bzw. Obstkerne. Im Befund waren folgende Pflanzenarten vorhanden: 1 St. Pyrus sp., 4 St. Malus sp., 5 St. Rubus caesius, 2 St. Rubus sp., 19 St. Fragaria vesca, 3 St. Rosa sp., 170 St. Cerasus cf. vulgaris, 57 St. Cesarus cf. avium, 1 St. Prunus spinosa, 3 St. Prunus sp., 365 St. Vitis vinifera, 2 St. Foenicula cf. vulgare, 1 St. Sambucus nigra, 18 St. Citrullus lanatus, 73 St. Cucumis cf. Melo, 1 St. Büderdykia Convolvulus, 65 St. Morus nigra L., 258 St. Ficus Carica, 2 St. Cannabis sativa, 1 St. Triticum sp., 1 St. Panicum sp. Bei den archeologischen Erschliessungen befanden sich unter den pflanzlichen Resten, - ähnlich wie bei den vorangehenden mittelalterlichen Burgausgrabungen-, in der Mehrzahl Traubenkerne. Neben den Archivdokumenten beweist auch dies einen schon damals vorhandenen, entwickelten Weinbau an den Ofeber Hügelabhängen. In dieser Periode wurde die Weintraube hauptsächlich zu Wein verarbeitet. Die im Befund vorhandenen Kerne weisen jedoch auch auf einen direkten Konsum der Früchte hin. Dieselben sind morphologisch verschieden und bestätigen das Vorhandensein mehrer Sorten. Ebenfalls in grosser Anzahl wurden die winzigen Kerne der Ficus Carica vorgefunden. Schon bei den früheren mittelalterlichen Burgausgrabungen konnten diese aufgefunden werden. Der früheste Feigenbefund im Karpaten-Becken stammt aus einem Verbrennungsgrab der Früheisenzeit im Győr. Obwohl die Pflanze wärme bedürftig ist und in den kälteren Wintertagen in Ungarn Schutz benötigt, ist es doch nicht auszuschliessen, dass man bereits in der Römerzeit ihre Akklimatisation versucht hat. Die Feige war bei uns im Mittelalter als eine Südfrucht bekannt. Im königlichen Palast war sie eine beliebte Delikatesse, ausserhalb des Palastes in der Stadt wurde sie jedoch auch von Händlern angeboten. Obwohl aus dem Befund nicht festzustellen ist, woher die Frucht stammt, es ist doch wahrscheinlich, dass im Mittelalter an den Ofener Hügelabhängen auch schon Feigenpflanzungen vorhanden waren. Vor einigen Jahren wurden mehrere Studien über den Ursprung der an den Abhängen der Ofener Burg damals vorhandenen Feigenbäume veröffentlicht. Diese wurden von den zeitgenössischen Fachautoren als verwüderte Nachwüchse der von den Osmanen angelegten einstigen Pflanzungen angesehen. Die bei den archeologischen Erschliessungen ans Licht gebrachten, bisherigen Befunde stammen jedoch noch aus der vor osmanischen Zeit, sodass es möglich sein kann, dass man mit der Anpflanzung der Feige an den Hügelanhängen von Buda bereits früher begonnen hat. Diese Annahme ist auch deshalb wahrscheinlich, weil bei den Erfassungen der letzten Jahre 175 Sorten der Ficus Carica in Ungarn registriert wurden und deren grösserer Anteil aus Italien stammt. In der Spätperiode des Mittelalters waren auch die Sauerkirschen und Kirschen sehr beliebt und bekannt. Bei der Namengebung von etlichen Ortschaften wurden beide Obstarten oft verwendet, was darauf hinweist, dass diese als allgemein geschätzte Frucht oder charakteristisch für die Landschaft angesehen wurden. Bei den Ausgrabungen in Buda sind auch ihre Steinschalcn ans Licht gekommen, morphologisch sind sie aber nicht gleich, und auch von kleinerem Masse. Wahrscheinlich ähnelte die Grösse der Frucht der später untersuchten Kerne mit der Frucht der Wildarten. Die unterschiedlichen morphologischen Merkmale an den beiden Fruchtarten lassen auf ein Vorhandensein von mehreren Sorten folgern. Bei dem untersuchten Befund sind unter den Gartengemüsen die Kernenmenge der Zucker- und Wassermelonen auch von Bedeutung. Die Wassermelone gelangte aus Südosten in den Karpaten-Becken und laut Meinung der Fachautoren würde sie von den landerobernden Ungarn als „beliebte Nationaldelikatesse" aus der asiatischen Heimat mitgebracht. Sprachdenkmäler weisen ebenfalls auf die frühe Kenntnis dieser Frucht hin.