Takács Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1973-1974 (Budapest, 1975)

Gestaltung des Rapsanbaus in Ungarn im XIX. Jahrhundert

GESTALTUNG DES RAPSANBAUS "IN UNGARN IM XIX. JAHRHUNDERT von ATTILA SELMECZI-KOVÁCS Im XIX. Jahrhundert war in Ungarn eine der wichtigsten Ölpflanzen der Raps. Sein Anbau wurde entscheidend in den Grossgrundbesitzen betrieben, wo er sich ohne Schwierigkeiten in das überlieferte Fruchtwechselsystem einreihte. Den Raps begannen in der Mitte des XVIII. Jahrhunderts die deutschen Neubauern des Banats (im Komitat Temes und Torontál) anzubauen. In den übrigen Landesgebieten verbreitete er sich erst anfangs des XIX. Jahrhunderts, in erster Reihe in den modernisierten, sich auf intensive Wirtschaft einrichtenden Grossbesitzen. Einer der bedeutendsten Grossbesitze, der sich mit dem Anbau von Raps befasste, war das Gut von Josef Lüien in Ercsi (Komitat Fejér), wo ab 1812 jährlich ung. 3000 Joch Raps angebaut wurden. Die Rapsernte verarbeitete die eigene Ölmühle des Gutes. Rapsproduktion von ahnlichem Ausmasse wurde auf dem tieflandischen Károlyi-Gut (Komitat Csongrád, Békés) betrieben. Anfang des XIX. Jahrhunderts beschäftigten sich mit dem Rapsanbau neben den Grossgrundbesitzern auch noch die deutschen Neubauern, vor allem in dem Komitaten Tolna und Baranya. Im Komitat Tolna verarbeiteten 30 Ölmühlen in Dorf Gyönk die Rapsernte. Die Rapsproduktion der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts ist uns in Ermangelung der statistischen Angaben - zahlenmässig nicht bekannt, die wirtschaftlichen und geschichtlichen Aufzeichnungen sprechen aber von einer ständigen Ausbreitung des Rapsanbaus. Die Anbaugebiete erstreckten sich landschaftlich auf den Banat, auf Transdanubien und auf das Tiefland (Abb. 1.). In der ersten Hälfte des Jahrhunderts erschienem und verbreiteten sich auf den Grossbesitzen rasch einige spezielle Gerate des Rapsanbaus, wie die Rapssamaschine (Abb. 2-3.) und der zum Transport des geernteten Rapses dienende Zugwagen (Abb.4.) Der Aufschwung des Rapsanbaus erfolgte Mitte des XIX. Jahrhunderts, was aus dei. Ernteertragen von 1854 und 1857 ersichtlich ist. Eine sehr wichtige Rolle spielten in der äusserst schnellen Verbreitung des Rapsanbaus nach 1848 die massenhaft ins Leben gerufenen Bauern-Kleinbesitze, Nach Aufhebung der Leibeigenschaft machte auch die Bauernschaft - auf Wirkung der Kapitalisierung - den Versuch, arbeitsintensivere Pflanzen, so auch den Raps, anzubauen. Diese Pflanzen sicherten ein höheres Einkommen. Die Nachfrage nach Raps war Mitte des Jahrhunderts bedeutend, da damals sein öl noch das wichtigste Beleuchtungsmittel war. Rapsöl wurde aber auch auf anderen Gebieten der Industrie verwendet. Der hohe Preis des Rapsöles hat - ausser den Kleinbesitzern - auch die kapitalsarmen, extensiv wirtschaftenden Grossbesitze zum Rapsanbau angespornt. In diesen Wirtschaften konnte der entsprechende Anbau von Raps nur in den seltensten Fallen gesichert werden. Die meisten Bauern bauten ihn in ungedüngertem Brachfeld an, jedoch mit wechselndem Erfolg. Die äusserst starken Ernteschwankungen der, der Witterung gegenüber sehr empfindlichen Pflanze wurden auch durch die unbestadige Anbaulust hervorgerufen. Die Ernte fiel nämlich nach je einem Rekordjahr auf mehrere Jahre wieder äusserst zurück. Die Gestaltung des Rapsanbau-Ausmasses charakterisierte bis zu den 1880-er Jahren die grosse Schwankung: die oft äusserst hervorragenden Ernteertrage und der danach folgende mehrjährige Rückfall. Diese, etwa dreissig Jahr andauernde Epoche des Rapsanbaus gut als seine Blüntenzeit; in dieser Zeit erstreckte sich sein Anbaugebiet fast auf das ganze Land. Von der Mitte der 1880-er Jahre angefangen zeigen die Statistiken den Rückgang des Rapsanbaus. Das Anbaugebiet verminderte sich ständig und auch die Ernteertrage zeigten keine Schwankungen, wie in den früheren Jahrzehnten. Das Rapsöl wurde von den modernen Beleuchtungsmitteln (Petroleum, Gas, elektrisches Licht) abgelöst und in der Industrie trat als Konkurrenz das Sonnenblumenöl an seine Stelle. Ende des Jahrhunderts haben die Kleinbetriebe mit dem unsicheren Rapsanbau massenweise aufgehört und begannen - zur Dekkung des Ölbedarfes - Sonnenblumen anzubauen. Der Rapsanbau bedeutete auch für die extensiv wirtschaftenden Grossbesitzen keinen entsprechenden Nutzen mehr. Das Aufhören der Kleinbesitze mit dem Rapsanbau bedeutete gleichzeitig auch die Quantitats- und Gebietsverminderung dieser Pflanze. Im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts hat sich der Rapsanbau wieder auf die Grossbesitze im Banat, Transdanubien und Tiefland konzentriert (Abb. 5. und Anlage). Die ständige Verminderung des Rapsanbaus wurde anfangs des XX. Jahrhunderts durch die Kriegskonjunktur aufgehalten.

Next

/
Thumbnails
Contents