Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Wellmann, Imre: Die neuzeitliche „landwirtschaftliche Revolution" und ihre Anfänge in Ungarn
schaft, die nicht nur die Unterbindung der Naturkräfte, sondern, auf die Errungenschaften der Agrarwissenschaft und der technischen Revolution gründend, auch die maximale Ausnutzung der verwertbaren Kräfte der Natur anstrebt. Und dies kann sie in um so breiterem Kreise tun, da — anstatt schritt mehr erfolgen konnte. CHAMBERS und MINGAY verlegen dagegen — aufgrund der damals bedeutend erhöhten landwirtschaftlichen Produktion, die sich auf der erweiterten Nutzfläche und den völlig erneuerten Methoden beruhte — die eigentliche Umgestaltung nach 1750. Wie die Letzteren, stellt auch FUSSELL fest, daß die Erneuerung der englischen Landwirtschaft um die Mitte des 18. Jh. noch nicht abgeschlossen war, sondern in der Form einer kontinuierlichen Entwicklung — verkörpert durch neue Nutzpflanzen, durch Einhegungen, durch verbesserte Geräte, Feldsysteme und Viehzucht sowie durch Tierheilkunde — zur „high farming" der Jahre 1840 bis 1880 führte. Was den — von FUSSELL mit behandelten — Kontinent (mit Ausnahme eines großen Teils von Niederland und Belgien) betrifft, verlief die Entwicklung hier etwas anders. Im allgemeinen konnte hier die verbesserte Landwirtschaft keineswegs auf eine Vergangenheit von Jahrhunderten zurückblicken, sondern wurden ihre Neuerungen größtenteils seit dem 18. Jh. von England übernommen. So erfolgte die mit der kapitalistischen Entwicklung einhergehende landwirtschaftliche Revolution in Westeuropa von der zweiten Hälfte des 18., in Ostmitteleuropa — einstweilen von den noch bestehenden feudalen Einrichtungen behindert — vom 19. Jh. an. So liegt bei diesem wesentlich kürzeren Verlauf der Umwandlung der unmittelbare Anschluß an die Nutzanwendung der Errungenschaften von Biologie, Chemie und Mechanisierung auf der Hand. Ich glaube nicht, uns über die beiden letztgenannten Faktoren damit hinwegsetzen zu können, daß sie auf die industrielle Revolution zurückzuführen sind, wie es KERRIDGE tut; das Wesentliche ist nicht in der Abstammung, sondern in der Tatsache der Umwandlung zu suchen. Auch kann man seiner Ansicht schwerlich beipflichten, laut der die landwirtschaftliche Revolution in England mit der „up-andclown husbandry" und ihrer Weiterentwicklung bereits vollbracht war und daß es nach Mitte des 18. Jh. zu keiner weiteren grundlegenden Umgestaltung der Landwirtschaft mehr kommen konnte, da die Möglichkeiten dafür schon erschöpft waren (KERRIDGE, op. cit. 337—345; Agricultural History 43/4: 1969. 470, 475). Indem er seine Argumente getrennt dagegen anführt, den Einhegungen, der Abschaffung der Brache, der Norfolker Fruchtfolge, der Zuchtwahl, den neuen Geräten, der Drillkultur usw. je eine grundlegende Bedeutung in Hinsicht auf die landwirtschaftliche Revolution beizumessen, zeigt er wenig Verständnis für die gegenseitig fördernde Verflechtung dieser Faktoren. Wie es scheint, beschränkt sich KERRIDGE bei der Bewertung der Umwandlung allzusehr auf die Verbesserung von Fruchtfolge und Viehzucht, die weiteren Zusammenhänge und breiteren Perspektiven vor Augen verlierend. So erübrigt es sich vielleicht nicht, zur weiteren Begründung der Anwendung des Terminus „neuzeitliche landwirtschaftliche Revolution" im von uns oben angewandten Sinne — und in erster Linie für das Gebiet von Ostmitteleuropa — bloß andeutungsweise auf folgende Konsequenzen von erheblicher Tragweite hinzuweisen. Feldfutterbau, Stallfütterung, intensive Düngung, produktivere Pflanzen- und Tiergattungen, günstige Bodenstruktur erzielende Bearbeitung, von einander kettenreaktionsartig immer wieder gefördert: irreversibel gesteigerte, sich massenartig entfaltende landwirtschaftliche Produktion. Vormals Selbstversorgung, d. h. Produktion für den Eigenbedarf und Herstellung aller im Betrieb und Haushalt benötigten Gegenstände — nach und nach zunehmende Arbeitsteilung, Beschaffung von Industrieartikeln, aber — im Falle der sich entfaltenden Spezialisierung und einer Monokultur — auch von landwirtschaftlichen Erzeugnissen von außenher, Abhängigkeit vom auch durch die Revolution des Verkehrs erweiterten Markt, von Konkurrenz und von Vermittlern, auch der den Selbstverbrauch ablösenden und immer mehr industrieartigen Warenproduktion zufolge. Anstatt Begnügen mit den natürlichen Kraftquellen des eigenen Betriebs Angewiesenheit auf Erzeugnisse der Industrie, der hingegen von Seiten der Landwirtschaft zunehmende Rohstoff- und