Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Wellmann, Imre: Die neuzeitliche „landwirtschaftliche Revolution" und ihre Anfänge in Ungarn

Natur verlassende, ihren für geheimnisvoll gehaltenen Kräften machtlos ge­genüberstehende, denn anstatt erlernter systematischer Kenntnisse auf der Tradition basierende feudalistische Wirtschaft. Auf der anderen Seite steht die in die natürlichen Prozesse aktiv, umgestaltend eingreifende neue Landwirt­Jh. in einer fortlaufenden Entwicklung erblickt. (Ebenso in seiner sehr aufschluß­reichen Schilderung „The Transformation of European Agriculture", in: The Cambridge Economic History of Europe, vol. VI, ed. by H. J. Habakkuk and M. Postán. Cambridge 1966, 604—672.) Dagegen wenden MINGAY (loc. cit. 133; und: Dr. Kerridge's „Agricultural Revolution": A Comment. Agricultural History 43/4: 1969. 479—480), G. E. FUSSELL (The Agricultural Revolution, 1600—1850. In: Technology in Western Civilization, vol. I. ed. by M. Kranzberg and C. W. Pursell, Jr. Univ of Wisconsin 1967. 128—142.), E. KERRIDGE (The Agricultural Revolution. London 1967; und: The Agricultural Revolution reconsidered. Agricultural History 43/4: 1969. 463—475), J. D. CHAMBERS und G. E. MINGAY (The Agricultural Revolution 1750—1880. London 1968) den Terminus „Revolution" an; W. SLATER (The Re­volution in Agriculture. Agriculture 68: 1961. 341, 403) spricht sogar von Revo­lutionen, Vgl. auch AUGÉ-LARIBÉ, MICHEL. La révolution agricole. (L'Évolution de l'Humanité, LXXXIII.) Paris 1955. 5—8. Die Divergenz der Auffassungen ist — abgesehen davon, daß manche sich davor hüten, das übermäßig gebrauchte Wort „Revolution" (s. DOVRING, Agricultural History 43/1: 1969. 181) anzuwenden — teilweise auf die unterschiedliche Be­griffsbestimmung zurückzuführen. Auf der einen Seite wird diesbezüglich der plötzliche und radikale Charakter der Umwandlung als unzureichend betrachtet, da er das Ergebnis einer langbefristeten Entwicklung sein kann, und statt dessen werden als Kriterien einer landwirtschaftlichen Revolution die unerwartete und unvorgesehene Eigenart oder die strukturell bedeutungsvolle Verflechtung der Wandlungen als Hauptmerkmale bezeichnet (SLICHER VAN BATH, loc. cit. 169; DOVRING, ibidem 181—182). Auf der anderen Seite hingegen wird zwar zugegeben, daß man unter Revolution ein plötzliches Ereignis versteht, welches einer Explosion von ungebändigter Kraft, einem Umsturz entspricht, doch ist der Ausdruck für die Bezeichnung einer längeren Periode bereits angenommen worden und soll auch in diesem Sinne als Terminus für eine langsame, intermittierende und Wechsel volle Wandlung gebraucht werden (FUSSELL, loc. cit. 128); oder aber wird lediglich der radikale Zug (und nicht zugleich die Schlagartigkeit) als Hauptmerkmal der land­wirtschaftlichen Revolution aufgefaßt (MINGAY, Agricultural History 37: 1963. 123; CHAMBERS and MINGAY, op. cit. 14, 199). Auch KERRIDGE pflichtet dem Standpunkt bei, daß die Umwandlung nicht eine plötzliche zu sein braucht, um als Revolution betrachtet werden zu können, betonend zugleich ihren notwen­digerweise radikalen, umsturzartigen Charakter (Agricultural History 43/4: 1963. 473). Die Stellungnahme der letzgenannten Verfasser hängt auch damit zusammen, daß die neuere englische Agrargeschichtsschreibung immer mehr davon Abstand nimmt, die neuzeitliche Umgestaltung der dortigen Landwirtschaft für einen kurzbefristeten Prozeß, als Ergebnis einerseits der in der zweiten Hälfte des 18. Jh. massenhaft erfolgten Einhegungen, andererseits der Tätigkeit der Bahnbrecher der ..new husbandry" zu betrachten. Die neueren Forschungen haben klargelegt, daß das „open field" System keine erstarrte und zu jeder Umwandlung unfähige Ein­richtung gewesen war und — auch deshalb — die Einhegungen gar nicht allgemein eine unmittelbare und radikale Wirkung auf die Bewirtschaftung ausgeübt hatten, ferner daß die Männer, die bisher als große Neuerer galten, zumeist lediglich eine lange vorbereitende Entwicklung zu Ende geführt hatten. Als man aber anstatt der älteren Auffassung, laut der die landwirtschaftliche Revolution in England sich zwischen 1750 und 1850 vollzogen hatte, eine längere Periode dafür bezeichnen wollte, ergaben sich über deren zeitliche Abgrenzung unter den Agrarhistorikern Meinungs­verschiedenheiten. So dauerte die landwirtschaftliche Revolution in England nach KERRIDGE von 1560 bis 1767, nach FUSSELL von 1600 bis 1850, nach CHAMBERS und MINGAY von 1750 bis 1880. KERRIDGE vertritt nämlich den Standpunkt, daß die bis zum 16. Jh. zurückgehende „up-and-down husbandry" die eingentlich revolutionäre Neuerung darstellte und nach Mitte des 18. Jh. kein ähnlicher Fort-

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