Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Selmeczi-Kovács, Attila: Handgeräte für das Garbenbinden und die Einbringung des Getreides in Ungarn
Ihre Geschichte betrachtet, sind diese Geräte, sich an die entsprechende Schnittweise knüpfend, seit Jahrhunderten voneinander regional abgegrenzt bei den ungarischen Bauern bekannt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat sie der sich verbreitende Schnittyp durch Anhauen mit der Sense und Garbenbinden in den Hintergrund verdrängt. 21 Dieser Schnittyp brachte den Nachrechen zuerst auf den Großgrundbesitzen in Gebrauch, 22 von wo er sich wegen seiner praktischen Handhabung auch in den kleineren Bauernwirtschaften verbreitet hat. 23 Im 19. Jahrhundert hat dann die neue Schnittweise mit der Sense die traditionelle Ordnung der Arbeitsverteilung zwischen Männern und Frauen verändert, und führte zugleich auch die funktionelle, formale Änderung der Handgeräte herbei. Die in der chronologischen Gestaltung der einzelnen Werkzeuge eingetretenen Formänderungen sind grundlegend aus der Veränderung der Weise und des Ortes der Herstellung entstanden. Am besten widerspiegelt sich diese Änderung vielleicht im Falle der Garbengabel. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hat, ebenso wie viele andere landwirtschaftliche Gegenstände, in einer sich Jahrhunderte lang vererbenden Form, allein das Hand- und Hauswerk die Holzgabeln hergestellt. 24 In den holzarmen Gegenden, insbesondere im Alföld begannen sich die von Dorf schmieden gefertigten zweizackigen, starken Eisengabeln zu verbreiten. Am Ausgang des Jahrhunderts haben die leichten, zweizackigen Fabriksprodukte, die sog. Drahtgabeln Raum gewonnen. 25 Diese Produkte haben zufolge ihrer Billigkeit und der massenhaften Erzeugung bald die traditionellen Holzgeräte verdrängt. Außer den sich zur NIEDERLE, L. Führer durch das Cechoslovakische Ethnographische Museum. Prag. 1896. 35.; MOSZYNSKI, K. Kultúra ludowa Slowian. Krakow 1929. 193.: ZELENIN. Russische (ostslavische) Volkskunde. Berlin. 1929. 32.; VAKARELSKI, CH. Bulgarische Volkskunde. Berlin 1969. 19.; usw. — Über seine west- und nordeuropäische Verbreitung JACOBEIT, W.—QUIETZSCH, R. op. cit. 83. 21IKVAI, N. op. cit. 117. — Die Größe der gebundenen Garben hat beim Übergehen der Ernte mit der Sichel zu dem Mähen mit der Sense in bedeutendem Maße abgenommen, da das Garbenbinden die Arbeitsaufgabe der Frauen geworden ist. Vgl.: BALASSA, I. op. cit. (1956) 405—406. 22 Auf dem Großgrundbesitz wurde er so gebraucht, daß sich 12—20 Menschen zusammenstellten, ihre Rechen nebeneinanderlegten und in gerader Linie nach vorwärts zogen. Den Nachrechen nannte man bőggő, die Arbeit demnach bôggëzés. VAJKAI, A. Szentgál. Budapest 1959. 99. verzeichnet diese Terminologie vom Gebiet jenseits der Theiß. MNyA. II. 277. Kartenblatt. 2 3Die geographische Verbreitung des Nachrechens hat unlängst IKVAI, N. im nördlichen Bergland (Zemplén) beobachtet und festgelegt, op. cit. 116—117. 2íMit der Frage befaßt sich ausführlicher: PEESCH, R. Holzgerät in seinen Urformen. Berlin 1966. 75—84. — Ein bedeutendes Zentrum der Holzschnitzerei war /..B. im Bakonyerwald (Bakonybél, Komitat Veszprém) tätig. ERDÉLYI, Z. A bakonybéli favillakészitok erdélyi útjai (Die siebenbürger Handelswege der Holzgerätmacher von Bakonybél). Néprajzi Közlemények 4: 1959. T. 8—18. — Die nach der Karpato-Ukraine übersiedelten einstigen Bewohner von Bakonybél haben ihre Holzschnitzkunst auch weiterhin bewahrt. Vgl.: EA 402., 403. 9. Sammlung von M. MARKUS 1941. — Bedeutend waren die Holzschnitzereizentren im oberen Teil des Komitats Borsod (EA. 2994. 67. Sammlung von F. BAKÖ 1951), sowie die in Süd-Bihar (BODO, S. Einzeljoche in Ungarn. Národopisny vestník ceskoslovensky 3-^4: 1969. 182). 25 Cf. JANKO, J. A Balaton-melléki lakosság néprajza (Volkskunde der Bevölkerung der Balaton-Gegend). Budapest 1902. 246—247. — Auch in Hegyköz wurde die Holzgabel von der Jahrhundertwende an nicht regelmäßig gebraucht. BALASSA, I. op. cit. (1964) 165. 18* 275